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Ehre wichtiger als Glück: „Was werden die Leute sagen“

Oslo. Was kann Eltern dazu bringen, das Leben ihrer Tochter zu zerstören? In „Was werden die Leute sagen“ prallen Werte aufeinander. Seine Stärke ist, dass er auch das Leiden der Täter zeigt.

Ehre wichtiger als Glück: „Was werden die Leute sagen“

Nishas Vater Mirza (Adil Hussain) und Nisha (Maria Mozhdah) sind gefangen in Welten, die nicht kompatibel sind. Foto: Pandora Film GmbH

Nisha führt ein Doppelleben. Nach außen ein normaler norwegischer Teenager: Freunde, Basketball, Ausgehen, vorsichtige Flirts. Die Familie aber darf davon nichts wissen. Zuhause muss Nisha das brave, fleißige pakistanische Mädchen sein, das Traditionen und Eltern ehrt.

Aus diesem Grund verzichtet sie auf vieles, das für ihre europäischen Freunde ganz normal ist. Bis ihr Vater sie mit einem Jungen in ihrem Zimmer erwischt und die Familie Nishas europäisches Leben zerstört.

Regisseurin Iram Haq berichtet in „Was werden die Leute sagen“ die Geschichte einer unmöglichen und schmerzhaften Liebe zwischen Eltern und ihrem Kind. Es ist eine Geschichte über Welten und Traditionen, die nicht kompatibel sind. Eine Geschichte, die kein glückliches Ende nehmen kann.

Zugleich erzählt die 42-Jährige von ihrem eigenen Leben: „Als ich 14 Jahre alt war, wurde ich von meinen Eltern entführt und gezwungen, für eineinhalb Jahre in Pakistan zu leben“, sagt sie. Es habe lange gedauert, bis sie das genug verarbeitet habe, um „Was werden die Leute sagen“ so zu erzählen, dass Nisha nicht nur als Opfer und ihre Eltern nicht nur als Täter erscheinen.

Trotzdem ist es schwierig, die Eltern in dieser pakistanisch- norwegischen Familie nicht zu verurteilen. Zu viel grausame Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit zeigt der Film. So viel, dass es zwischendurch keine Freude ist, ihn zu sehen. Der Vater hat sich in den Kopf gesetzt, dass Nisha Sex mit einem Jungen hatte - obwohl sie ihn nicht einmal geküsst hat. Die pakistanische Polizei zwingt sie, sich für Nacktfotos auszuziehen und belügt und erpresst damit ihre Familie. Gefilmt werden diese Szenen mit einer Handkamera, was die Zuschauer noch einmal näher heran führt.

Das 15-jährige Mädchen, einfühlsam porträtiert von Maria Mozhdah in ihrem Leinwanddebüt, muss all diese Ungerechtigkeit hilflos über sich ergehen lassen. Sie lernt schnell, dass Wut, ja selbst der kleinste Widerstand, ein Widerwort, im Keim erstickt wird. Dabei ist Nisha keine Rebellin, sondern will eigentlich nur alles richtig machen. Zwischendurch scheint es, als habe die Familie ihren Willen gebrochen.

Doch auch die Eltern sind verzweifelt - und da zeigt Haqs Film seine Stärke. Aus Sicht der Eltern hat Nisha Schande über die Familie gebracht. Vor allem der Mutter ist nichts wichtiger, als „Was werden die Leute sagen?“, ein in Indien und Pakistan geläufiges Denken traditioneller Familien. Ihrem eigenen Wesen entspreche das überhaupt nicht, erzählt Haq. „Deshalb finde ich es so spannend, genau hinzusehen, was es mit Menschen macht, wenn man den Bedürfnissen und Ansprüchen von anderen – oder auch einem ganzen System – nachkommt.“

Nishas Vater, der sich mehr als die Mutter dem Leben in Norwegen geöffnet hat, zerbricht an dem Druck ebenso wie seine Tochter. Der indische Schauspieler Adil Hussain („Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“) lässt vor allem Mimik sprechen und zeigt berührend, wie der Vater innerlich zerreißt. Am Ende ist er es, der dem Film ein nicht ganz so unglückliches Ende ermöglicht.

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