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«Ehrliche Tropfen»: Weinherbst in der Wachau

Weißenkirchen (dpa/tmn) Da steht der Pfarrer mit seinem Glas in der Hand: klein, kräftig, fröhlich und in bester Plauderlaune über sein Lieblingsthema. Denn Hans Denk spricht - wenn er nicht gerade von seiner Kanzel predigt - am liebsten über Wein.

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Hoch die Gläser: Zum Weinherbst in Niederösterreich finden sich viele lustige Runden zusammen. (Bild: Weinviertel Tourismus/Michael Himml/dpa/tmn)

Noch ist es warm genug zum Draußensitzen: Im Weinviertel in der Wachau gibt es etwa 1000 Heurigenlokale. (Bild: Weinviertel Tourismus/Michael Himml/dpa/tmn)

An der blauen Donau: Weißenkirchen gehört zu den bekanntesten Weinorten der Wachau. (Bild: Österreich Werbung/Wiesenhofer/dpa/tmn)

Mit gut 16 000 Hektar Anbaufläche ist das Weinviertel in der Wachau das größte Weinanbaugebiet Österreichs. (Bild: Österreich Werbung/Diejun/dpa/tmn)

Und zwar in diesem Fall über Riesling, denn der spielt gerade die Hauptrolle bei einer Verkostung mit insgesamt zwölf Proben in Weißenkirchen in der Wachau. Der Geistliche ist verwurzelt in dieser Gegend und - wenn es um Wein geht - mindestens ebenso emotional und enthusiastisch wie Toni Bodenstein, der smarte Bürgermeister von Weißenkirchen. Neben seinen Aufgaben als Lokalpolitiker betreibt er auch ein Weingut mit exzellentem Ruf. «Wir haben uns zur Individualität und Ehrlichkeit bekannt», sagt er, «unsere Weine sind von gewachsener Qualität.»

Mehr als 20 Jahre liegt der sogenannte Weinskandal nun zurück, der die österreichische Winzerwelt erschütterte - und noch bis heute hat die Wachau mit Vorurteilen zu kämpfen. Es brauchte daher Menschen wie Bodenstein, die sich für die Wiedererlangung der Qualität engagieren. «Wir lassen keinen Wein aus anderen Gegenden herein», sagen Hans Denk und Toni Bodenstein aus voller Überzeugung.

Grüner Veltliner, Riesling, Chardonnay und Gelber Muskateller - das sind die bekanntesten Weine aus der Gegend. Mit mehr als 16 000 Hektar Weinanbaufläche ist das Weinviertel in der Wachau das größte Weinanbaugebiet des Landes, hier wird mehr als ein Drittel der österreichischen Weine gekeltert. Verkostet und verkauft werden sie «ab Hof» von mehr als 560 Winzern und in rund 1000 Heurigenlokalen.

Dass die Weine so schmecken, wie sie schmecken, das haben sie nach Ansicht von Andreas Stöger von den «Freien Winzern Wachau» vor allem einem Umstand zu verdanken: dem Klima. Die Gegend befindet sich am Schnittpunkt von atlantisch-feuchten und pannonisch-trockenen Einflüssen. Deshalb heizen sich die Urgesteins-, Löss-, Lehm-, Kalk- und die sandigen Schotterböden tagsüber bei strahlendem Sonnenschein auf, während die Nächte verhältnismäßig kühl sind. Hinzu kommt, dass die Trauben auf altem, gewachsenem Grund gedeihen. In der Wachau hat es eine Flurbereinigung noch nicht gegeben, weshalb sie im Jahr 2000 in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wurde. «Wir möchten die Landschaft erhalten und beschützen», betonen die Winzer.

Authentizität ist das Schlagwort - beim Wein ebenso wie auch beim «Weinherbst Niederösterreich». Dieses Festival ist seit seiner Gründung im Jahr 1996 weit über die Grenzen Niederösterreichs hinaus bekanntgeworden. Los ging es damals mit 200 Terminen in 36 Orten, heute sind daraus 800 Veranstaltungen in 100 Gemeinden geworden. Wanderungen, Kellergassenfeste, traditionelle «Hiataumzüge», Weintaufen und -seminare, Winzer-Golfturnier, Lesungen, Vernissagen und «Fasslrutschen»: Die Liste der Termine nimmt fast kein Ende.

Noch bis Ende November lässt es sich feiern in Gassen und Kellern, inmitten der Weinberge und auf Holzbänken in den Heurigenlokalen. Kalorien darf man hier nicht zählen, schließlich ist das Weinviertel nicht nur bekannt für seine prämierten Tropfen, sondern auch für die Speisekarten. Ob Jausenteller, Erdäpfelgulasch, Veltliner-Risotto, Marillenknödel und Apfelstrudel: Kulinarischen Genüssen kann man hier tagelang frönen - natürlich immer mit dem Gläschen Wein dazwischen, denn ins Weinviertel kommt man nicht, um Wasser zu trinken und früh ins Bett zu gehen.

Der Weinherbst ist deshalb auch unter Österreichs Promis beliebt: Festlich gewandet in Dirndl und Tracht, genießen Stars wie Harald Krassnitzer und Christiane Hörbiger etwa die Eröffnung des Festivals, sitzen mit den Einheimischen auf den Holzbänken und genießen ihr Glas Wein. Natürlich darf auch der aus der Gegend stammende Liedermacher Rainhard Fendrich nicht fehlen, der seine Hymne «I am from Austria» schmettert und in allen Gästen jenes Gefühl verstärkt, das sie schon nachmittags bei der Verkostung im Weinberg hatten: In der Wachau, da ist die Welt einfach noch - oder wieder - in Ordnung.

Informationen: Weinviertel Tourismus, Kolpingstraße 7, A-2170 Poysdorf, Telefon von Deutschland: 0043/2552/35 15; Österreich Werbung, Telefon: 01802/10 18 18 (zum Ortstarif); Niederösterreich-Information, Herrengasse 13, A-1010 Wien, Telefon von Deutschland: 0043/1/53 61 00

Rund um den Wein: www.weinviertel.at

Urlaub in Österreich: www.austria.info

Das weite Land: www.niederoesterreich.at

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