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Ein Abend wie ein gutes Mixtape

Stuttgart (dpa) Früher hat es für Verliebte einen sicheren Weg in das Herz des Objekts der Begierde gegeben: ein Mixtape. Dass die gelungene Selbstdarstellung per Musikkassette Regeln unterliegt, das behauptet die Hauptfigur von «Sebastian S. macht sich ein Bild».

Ein Abend wie ein gutes Mixtape

Sebastian Schwab ist in dem Stück "Sebastian S. macht sich ein Bild" zu sehen.

Das Stück hatte im Stuttgarter Theater im Depot Premiere. Zunächst brauche ein Mixtape es etwas Rockiges, um die eigene Männlichkeit zu unterstreichen. Dann etwas Lustiges - gerne auch mal Nena. Schließlich etwas Melancholisches zum Abschluss, um den wahren Charakter zu zeigen. Mit ähnlichen Alltagsbeobachtungen aus dem Inneren der «Generation Golf» ging es bei der Premiere am Freitagabend kurzweilig zu. Das Publikum belohnte Autor und Hauptdarsteller Sebastian Schwab für sein Stück mit minutenlangem lauten Applaus und Jubelrufen.

«Ich wollte versuchen, die Atmosphäre eines Singer-Songwriter-Abends auf die Theaterbühne zu holen. Die Leute sollten mit einem Lächeln nach Hause gehen und denken: "Wow, da hat mir einer persönliche Geschichten von sich erzählt - und es war schön."», sagt der 31-Jährige zur ursprünglichen Motivation für das Stück, das er zusammen mit Regisseurin Seraina Maria Sievi geschrieben hat.

Schon in den ersten Minuten schien dieses Vorhaben geglückt. Das Publikum fand großen Gefallen an Schwabs Versuchen, seiner ehemaligen Freundin zum Abschied ein selbst geschriebenes Lied auf Videokassette aufzunehmen. Über dieses Vorhaben gerät er ins Erzählen, erinnert sich an verflossene Lieben und bestehende Freundschaften. Nach und nach werden die anderthalb Stunden des Ein-Mann-Stücks zur Huldigung der kleinen und etwas größeren Dinge im Leben: das Glück, den letzten fehlenden Panini-Aufkleber zu tauschen, erste Küsse im Inneren einer Kranfahrerkabine oder nächtliche Autofahrten mit dem besten Freund.

Nur wenig lenkt vom charismatischen Schauspiel Schwabs ab: Mit einem schwarzen Klavier auf der linken Bühnenseite und einer Videokamera bestreitet der 31-Jährige rund zwei Drittel seines Stücks nahezu ohne Requisiten. Erst gegen Ende wird noch eine Außenschalte inszeniert, an der auch einige Größen des Stuttgarter Dreispartenhauses mitwirken - darunter Hans Tränkle, der scheidende Generalintendant. «Ich habe ihm sehr viel zu verdanken, das ist auf jeden Fall auch ein Dankeschön-Stück für ihn», erklärt Schwab.

Dennoch darf es wohl als Stärke des Schauspiels gesehen werden, dass «Sebastian S. macht sich ein Bild» auch ohne genaue Kenntnis lokaler Zusammenhänge bestens funktioniert. Der Humor wirkt nicht aufdringlich, das Schauspiel Schwabs sehr authentisch und die ausgeklügelte Dramaturgie von Sabine Westermaier passt sich bestens in diesen - laut Publikumsmeinung - «gelungenen kleinen Theaterabend» ein. «Das war wirklich genau wie ein gutes Mixtape: Erst rockig, dann lustig und zum Ende melancholisch», so das Urteil eines Zuschauers.

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