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Ein Besuch in der WM-Stadt Kasan in Russland

Kasan. Zwischen Tradition und Aufbruchsstimmung: Die WM-Mannschaften erwartet im russischen Kasan eine Stadt der Kontraste. Schon vor ihrem Beginn hat die Fußballweltmeisterschaft in dem kulturellen Schmelztiegel einiges in Bewegung gesetzt.

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Street-Art-Kunstwerk: Kasan ist hip und zieht immer mehr junge Russen an. Foto: Claudia Thaler

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Die Kul-Scharif-Moschee ist das Wahrzeichen Kasans - die Studentenstadt steht für ein friedliches Mit- und Nebeneinander der verschiedenen Religionen. Foto: Christian Charisius

Kasan liegt tief in der russischen Provinz, 800 Kilometer von Moskau entfernt. Und doch ist sie längst keine Unbekannte mehr.

Die WM-Stadt hat sich über die Landesgrenzen hinaus als Ort für internationale Sportwettbewerbe einen Namen gemacht. Kasan hat vor allem als multiethnischer Schmelztiegel einen festen Platz in Reiseführern über Russland.

„Hier sind die Menschen toleranter und offener“, sagt Regina Skoblionok vom Tourismusbüro der Stadt. Ihre Mutter ist Muslimin, ihr Vater Jude, zu Hause wird Russisch gesprochen. Diese Konstellation ist bei weitem kein Einzelfall in der Wolga-Metropole. Multikulti ist in Kasan, der Hauptstadt der Republik Tatarstan, allgegenwärtig. Auf den Straßenschildern stehen beide Sprachen, Russisch und die Turksprache Tatarisch.

Besonders für junge Russen hat die Stadt viel Lebensqualität und Potenzial zu bieten. „Es muss nicht immer Moskau oder St. Petersburg sein“, sagt Marina Kornewa, die auf Instagram die bunten und ungewöhnlichen Seiten ihrer Stadt zeigt.

Ausgangspunkt für eine Erkundung Kasans ist der Kreml im Zentrum. Hinter den weißen Mauern des Unesco-Weltkulturerbes prangt das Wahrzeichen der Stadt von einer kleinen Anhöhe: die blauweiße Kul-Scharif-Moschee. Die zweitgrößte Moschee des Landes wurde erst 2005 nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wiedereröffnet.

Nur ein paar Schritte entfernt steht der Spaziergänger vor der russisch-orthodoxen Mariä-Verkündigungs-Kathedrale mit vier blauen und einem goldenen Zwiebeltürmchen. Auch die Synagoge für die rund 10 000 gläubigen Juden in der Stadt ist nur einen Straßenzug entfernt. Kasan steht für ein friedliches Miteinander der Religionen.

Die Feierlichkeiten zum 1000-jährigen Bestehen der Stadt 2005 und Sportereignisse wie die Studenten-Olympiade 2013 haben der Millionenstadt einen gewaltigen Modernisierungsschub verpasst. Das Universiade-Dorf wurde zu einem modernen Studentencampus umgebaut. Die Innenstadt wandelte sich zum Anziehungspunkt für junge Menschen. Die neugebaute Metro fährt vom Süden der Stadt bis in den Norden nahe der Kasan-Arena. Den Anzeigetafeln mit zwei Sprachen wurde noch eine dritte hinzugefügt - Englisch ist inzwischen auch in Kasan ein Muss.

Nächster Stopp: Bauman-Straße. Neugepflastert, schick und modern präsentiert sich die zentrale Flaniermeile. „Kein Weg führt an ihr vorbei“, sagt Kornewa. Rote Kacheln, Backsteinhäuser und unweigerlich wieder - Moschee an orthodoxer Kirche. Fast jeder Kasaner quert mindestens einmal am Tag die breite Straße. Studenten auf dem Weg zur Universität, Touristen beim Spaziergang zum Kreml.

An vielen Ecken Kasans spielen Straßenmusikanten, Menschentrauben sammeln sich, und Verliebte tanzen nachts im sanften Laternenlicht. „Das war vor ein paar Jahren noch nicht so selbstverständlich“, sagt Marina. Immer mehr junge Menschen ziehen in die Stadt. Jeder neunte Einwohner ist einer offiziellen Statistik zufolge inzwischen Student.

Im vergangenen Jahr wurde Kasan bereits zum vierten Mal in Folge zur lebenswertesten Stadt Russlands gewählt - deutlich vor St. Petersburg und Moskau. Für den 60-jährigen Iwan, der vor dem Kasaner Kreml WM-Souvenirs verkauft, ein klarer Fall: „Hier herrscht keine Hektik, sondern Gelassenheit - perfekt für guten Fußball.“

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