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Ein Fall für den Förster

WITTEN Wie ein Mikado-Spiel waren die Bäume ineinander verhakt. Der Sturm „Kyrill“ hatte Anfang des Jahres viele Waldstücke dem Erdboden gleich gemacht.

von Von Julia Reidegeld

, 12.10.2007
Ein Fall für den Förster

Wittens Stadtförster Klaus Peter kümmert sich nach Kyrill darum, dass im Wald wieder Ordnung einkehrt.

„Erst als sich alles beruhigt hatte, konnte wir die Schäden im Wald begutachten“, erinnert sich der Wittener Stadtförster Klaus Peter. Mit seinen Mitarbeiter fuhr er von einem Waldstück zum nächsten, um mit der Arbeit anfangen zu können. Klaus Peter hat einen Kooperationsvertrag über 700 Hektar mit der Stadt Witten. Weitere 700 Hektar befinden sich in Hagen und Breckerfeld.

Eine ganz schöne Gurkerei mit den Auto - rund 15 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt der Stadtförster im Auto, 20 Prozent im Büro und in der Hauptzeit beschäftigt er sich mit seinen zum Teil 100 Jahre alten „Kollegen“.

Die Aufräumarbeiten dauern an

Noch nach einem Dreivierteljahr sind Forstwirte im Wald unterwegs um aufzuräumen. „So etwas braucht seine Zeit“, weiß der Stadtförster, der seit 1991 seinen Arbeitsplatz in Witten hat. Besonders schwer habe es die Fichte getroffen, „weil sie nur sehr flach im Boden verwurzelt ist“, erklärt Peter.

Im Stadtwald Witten kamen insgesamt 5000 bis 6000 Kubikmeter Holz kamen durch Kyrill zusammen. Im Sauerland waren es hingegen 20 000. „Kyrills Schneise war hier nicht ganz so groß, wobei in diesem Jahr doppelt so viel Holz zusammenkommt wie normalerweise“, sagt Klaus Peter.

Gleichzeitig den Baumnachwuchs sichern

Nun muss doppelt gearbeitet werden: Auf der einen Seite werden die umgekippten Bäume nach und nach bearbeitet und für den Transport zwischengelagert. Auf der anderen Seite muss sich der Stadtförster jetzt schon Gedanken über die Ersatzpflanzungen machen. „Wir haben ja hier in Deutschland die Regelung der nachhaltigen Forstwirtschaft“, betont Peter.

Alle fünf bis zehn Jahre werden die Waldbestände eingeschätzt - wenn ein Baum gefällt wird, muss ein neuer eingepflanzt werden. Mindestens 80 bis 100 Jahre dauert es, bis ein Baum gefällt und verkauft werden kann.

„Schlechtwüchsige und kranke Bäume werden natürlich früher gefällt“, sagt Klaus Peter. Besonders die Roteiche bereite schon lange Probleme. Ursprünglich kommt sie aus Nordamerika und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Wittener Wald angepflanzt. Ein Pilz befalle die Roteiche regelmäßig, im Laufe der Zeit versucht Klaus Peter diese Baumart mit Rotbuchen zu ersetzen.

Heute gibt es nur noch wenige typische Förster

Die Forstwirte sind jeden Tag im Wald. Sie sägen Äste ab, damit die Fußgänger ungestört spazieren können und damit der LKW Platz hat, um die Kyrill-Bäume abtransportieren zu können. Klaus Peter hat alles Blick. Im Verlauf der Jahre kennt er jeden Weg, „doch anfangs habe ich mich hier schon mal verfahren“.

Während der Jagd lernte Klaus Peter das Waldgebiet besser kennen. Das Wittener Waldgebiet ist in vier Teile unterteilt, drei davon sind an Jäger verpachtet. „Heutzutage gibt es nur noch wenige typische Förster. Die gehören eher der Vergangenheit an“, denn als Klaus Peter nach dem Forstwirtschafts-Studium seine praktische Ausbildung bei einem älteren Kollegen machte, „zogen wir morgens früh noch aus dem Forsthaus mit Dackel und dem Jagdgewehr los“, erinnert sich Peter.