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Ein Gig als Gesamtkunstwerk: Gorillaz begeistern in Berlin

Berlin. Kann man eine Cartoon-Band live präsentieren, ohne dass der schräge Witz des Konzepts leidet? Die Gorillaz um Blur-Frontmann Damon Albarn beantworten diese Frage eindeutig - mit einem Berliner Gig, der nicht weniger ist als ein Gesamtkunstwerk für Augen und Ohren.

Am Ende ihres Berliner Konzerts errichten die Gorillaz eine knallbunte Kathedrale auf der riesigen Videoleinwand, davor singt sich ein sechsköpfiger Gospelchor in Ekstase. Es ist der krönende Abschluss einer gigantischen Show.

Der Auftritt beseitigt jeden Zweifel daran, ob man eine künstliche Band aus vier Comicfiguren ins Live-Format übertragen sollte. Fast zwei Stunden lang sind die Gorillaz zuvor am Freitagabend über Bühne und Screens der Max-Schmeling-Halle getobt, haben Pop, Soul, Elektro, Reggae und Hip-Hop zu einer unwiderstehlichen Mixtur verrührt und 7000 Besucher bis in die obersten Ränge in eine glückselig wogende, tanzende Masse verwandelt. Vorne als Live-Personal Blur-Boss und Gorillaz-Mitbegründer Damon Albarn mit einem Dutzend Musiker, Tänzer, Sänger und Rapper. Dahinter in irrwitzig virtuosen Videos 2D, Murdoc, Noodle und Russel, seit zwei Jahrzehnten eine virtuelle Band - die niemals alternden Gorillaz eben.

Albarn übernimmt im ersten Konzertdrittel die Hauptrolle, mit seiner typisch nasal-nöligen Damon-Stimme, an Klavier, Gitarre und Melodica. Der Sänger, Songschreiber und Multiinstrumentalist hat sich seit den Britpop-Tagen von Blur Mitte/Ende der 90er Jahre längst zu einer der charismatischsten und kreativsten Figuren der zeitgenössischen Musikszene entwickelt. Nach und nach kommen immer mehr Künstler hinzu. Sie schaffen es locker, den hohen Promi-Anteil des neuen Gorillaz-Albums „Humanz“ (mit Gästen wie Grace Jones, Danny Brown, Kelela, Mavis Staples, Benjamin Clementine) im Konzert mehr als nur zu kompensieren. Einige der „Humanz“-Stars tauchen in Einspielungen auf den Videoscreens auf.

Wie sehr die Gorillaz im Laufe der Zeit die moderne Popmusik beeinflusst haben, wird in Berlin nicht nur bei Hits wie „Clint Eastwood“, „Superfast Jellyfish“ oder „Stylo“ deutlich. Das Konzert ist perfekt choreographiert und komponiert aus all den tanzbaren Ingredienzen dieses so eklektischen wie originellen Sounds. Die spindeldürre, rotzfreche Londoner Rapperin Little Simz beispielsweise ist eine der Entdeckungen des Abends - man kann sich gut vorstellen, dass sie auf dem nächsten Album der Gorillaz größeren Raum erhält.

Nicht zuletzt aber ist ein Gorillaz-Konzert auch ein Fest für die Augen. Was hier an rasanten Comic-Einspielungen, an explodierenden Farben und staunenswerten Effekten in maximaler technischer Perfektion auf die Zuschauer eindringt, erinnert an die großen Bühnenspektakel der 70er und 80er Jahre - freilich ohne den teilweise peinlichen Größenwahn einer Band wie Pink Floyd. Die Gorillaz live: Das ist schon allein in punkto Optik „State of the Art 2017“ - das Nonplusultra.

Diese „Band“ ist zwar ein Kunstprodukt - wenn man so will: nur eine schräg-geniale Idee von Damon Albarn und Comic-Zeichner Jamie Hewlett („Tank Girl“). Zugleich sind die Gorillaz aber eine der erfolgreichsten Popgruppen unserer Zeit, mit Charts-Spitzenplätzen weltweit und vielen Millionen verkauften Alben. Und längst ist das schrille Quartett in seiner Bühneninkarnation mit Albarn & Co. auch eines der größten Live-Erlebnisse. Weitere Gorillaz-Auftritte in Deutschland gibt es am 18. November in Düsseldorf und am 19. November in Hamburg.

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