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Ein Jungbrunnen mitten in Hervest

Das Sportporträt

Nahezu unbemerkt sprudelt seit vielen Jahren in der Turnhalle der Hervester Augustaschule ein „Jungbrunnen“, der von einer ganz besonderen Quelle gespeist wird. Ihr Ursprung: das „Konditionsgymnastiktraining für Männer 55+“.

HERVEST

von Von Horst Lehr

, 05.10.2016
Ein Jungbrunnen mitten in Hervest

Sie haben den Jungbrunnen gefunden (o., v.l.): Helmut Rosenplänter, Paul Rentmeister, Karl-Heinz Winkelmann, Hans-Dieter Vollert, Rolf Schumann und Hermann Becker sowie Jürgen Konstanczak (M.) und (u., v.l.) Werner Dörrscheidt, Helgard Sasonow, Heinz Steinmann, Ulrich Kuczewski und Udo Szszesny.

Der Kurs des Bildungswerks des Landessportbundes NRW und des Kreissportbundes Recklinghausen läuft seit 1991 unter der engagierten Leitung von Helgard Sasonow. Am vergangenen Donnerstag feierte sie mit ihrer Gruppe bei einer kleinen Feierstunde das 25 jährige Bestehen.

Vor 25 Jahren wurde dieses Trainingsangebot zum ersten Mal in Anzeigen propagiert und Übungsleiterin Sasonow konnte erfreulicherweise gleich zum ersten Trainingstermin 16 Herren zur gemeinsamen Übungsstunde begrüßen. Schon damals mit dabei: Helmut Rosenplänter, heute der „Dienstälteste“ der Gruppe.

Einstieg mit ABBA

Gemeinsam schwitzen, hin und wieder auch mal stöhnen, aber immer mit der Hoffnung im Hinterkopf, „der Rentenkasse noch lange erhalten zu bleiben“ − das ist das Motto der Gruppe. Zu den Klängen des ABBA-Songs „I have a Dream“ beginnt jede Trainingseinheit mit Warmmachen, es folgen Dehnübungen für Arme, Schultern und Beine. Danach geht es auf die Trainingsmatte, wo im Wesentlichen die Rücken- und Bauchmuskulatur gestärkt wird. Alternativ arbeitet die Gruppe aber auch gerne mit leichten Hanteln oder Terrabändern.

Jürgen Konstanczak fasst die Erfahrungen in der Gruppe zusammen und erklärt: „Früher hatte Gymnastik ja so einen Beigeschmack, das ist ja nur etwas für Frauen. Aber mittlerweile haben wir alle längst gemerkt, dass es auch uns Männern sehr gut tut.“

Viele Trainingsteilnehmer sind schon sehr lange dabei wie zum Beispiel der 80-jährige Dorstener Heinz Steinmann. Er hat früher als kaufmännischer Angestellter auf der Zeche gearbeitet und ist seit 2001 dabei. Er hatte damals zusammen mit der Übungsleiterin das Sportabzeichen gemacht und kam so in die Gruppe. Mittlerweile hat der frühere aktive Fußballer und Leichtathlet schon 35-mal seine Fitness bei der sportlichen Leistungsprüfung abgelegt und findet es toll, noch in der Gruppe mit Gleichgesinnten sportlich aktiv zu sein: „Bei uns sind alle gleich, ob mit oder ohne Studium.“

Nie Zeit für Sport

Mit 82 Jahren blickt Rolf Schumann auf eine 24 ½-jährige Mitgliedschaft zurück und ist damit am zweitlängsten dabei. Als Maschinenbauingenieur war er lange Jahre seines Berufslebens in der ganzen Welt unterwegs und hatte nie Zeit für Sport. Als er 1991 die Anzeige in der Zeitung sah dachte er sich: „Ich muss mal was für mich machen“, und ist gerne hängen geblieben. Als er 2007 schwer erkrankte, war die Sportgruppe für ihn so etwas wie die letzte Hoffnung. Er hat einfach weiter gemacht und sagt heute voller Überzeugung: „Mit dem Sport habe ich meine Krankheit besiegt.“ Er lobt besonders den hohen Kameradschaftsgeist in der Truppe und sagt: „Alles ist frei, jeder kann die Übungen so machen wie er sich gerade fühlt.“

Bei Werner Dörrscheidt (83) hatte ein Bekannter 1999 den entscheidenden Hinweis gegeben und Dörrscheidt hat sich sofort in der Gruppe angemeldet und wohlgefühlt. Früher war er als Schwimmer und Wasserballer aktiv gewesen, hatte dann aber durch Studium und Beruf für den Sport keine Zeit mehr gefunden. Mit 50 hat er sein erstes Sportabzeichen abgelegt. Inzwischen sind es 33. Auch er schätzt den guten Zusammenhalt und will durch den Gymnastiksport auch weiterhin beweglich und fit bleiben.

Karl-Heinz Winkelmann (78) ist seit 2000 aktives Mitglied. Er ist schon den spanischen Teil des Jakobswegs von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela gewandert und empfindet die Runde ebenfalls als gute sportliche Ergänzung. Zusätzlich fährt er noch einmal die Woche mit dem Rad.

Paul Rentmeister hatte als Hausmeister an der Augustaschule immer die Schlüssel für die Turnhalle. 1996 hatte ihn Sasonow spontan einmal aufs Mitmachen angesprochen. Das sei doch einfacher und auch gut für ihn. „Ich bin einfach dabei geblieben“, sagt Rentmeister: „Sie hatte Recht.“

Udo Szszesny reist immer aus Gladbeck zum Training an. Mit 66 Jahren gehört er zu den jüngeren Mitgliedern und ist seit 2013 dabei. Sein fester Grundsatz: „Jeden Donnerstag packe ich meine Sporttasche und fahre zum Kurs.“

Youngster mit 65

Der Youngster in der Gruppe ist Hans-Dieter Vollert. Er ist mit 65 Jahren gerade in Rente gegangen. Früher hat auch er aktiv Fußball gespielt und ist 2000 ebenfalls durch eine Zeitungsanzeige auf die Gruppe aufmerksam geworden. Seine Frau sagte damals: „Das ist doch was für dich“, und hat ihn einfach angemeldet. Auch Vollert sagt: „Das war genau das Richtige. Bewegung tut gut.“

Helgard Sasonow, selbst auch mit 73 noch aktive Tennisspielerin, ist stolz auf ihre Gruppe: „Aus den Herren wurden meine Männer und heute sind es meine Jungs.“ Ihr großer Wunsch: „Alle sollen noch lange fit und gesund bleiben.“ Horst Lehr

Die Übungsstunden finden donnerstags von 17.30 bis 19 Uhr in der Sporthalle der Augustaschule, Halterner-/Joachimstraße, statt