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Ein Kloster in himmlischer Landschaft

Müstair (dpa/tmn) Was die Landschaft angeht, so hätten es die Nonnen im Kloster St. Johann gar nicht besser treffen können: Auf den Weiden grasen Kühe, in den riesigen Wäldern im Val Müstair wachsen Lärchen und Föhren, deren Blätter sich längst bunt gefärbt haben.

Das Wetter ist mild, der Himmel oft noch blau. Doch die Gipfel sind schon weiß, der erste Schnee im Osten der Schweizer Alpen ist in diesem Herbst früh gefallen.

Wenn man Hanny Pitsch vertrauen kann, verdankt das Kloster seine Existenz allerdings nicht den landschaftlichen Reizen des Unterengadins, sondern dem Winterwetter: «Karl der Große, gerade in Mailand zum König der Langobarden gekrönt, kam auf dem Rückweg über die Alpen in einen Schneesturm», erzählt die Führerin in der Klosterkirche. Das Wetter war so schlimm, dass der Herrscher fürchtete, er werde nie mehr ins Warme kommen.

Weil es dann doch besser ausging als erwartet, gelobte Karl der frommen Überlieferung zufolge, eine Kirche zu stiften. Im Jahr 775 war dann Baubeginn. Heute ist das Kloster im Val Müstair eines der schönsten im Alpenraum. Die Unesco hat es wegen seiner herausragenden Bedeutung auf die Liste des schützenswerten Weltkulturerbes gesetzt.

Hanny Pitsch läutet zu Demonstrationszwecken eine Handglocke aus dem 12. Jahrhundert: «Wenn der süße Klang der Glocke erklingt, eilen die Nonnen zum Gebet» ist auf deren Rand zu lesen. Noch immer leben im Kloster zwölf Benediktinerinnen. Die jüngste, Schwester Elisabeth, ist 27, die älteste, Schwester Cecilia, schon 83 Jahre alt. Schwester Domenica ist 63 und damit guter Durchschnitt. Fast die Hälfte ihres Lebens hat sie im Kloster verbracht. «Zum Beten und arbeiten», betont sie. Denn die Regel des Heiligen Benedikt wird nach wie vor strikt befolgt: «Der Tag hier ist lang. Aufstehen ist morgens um 5.00 Uhr.»

Gefrühstückt wird schweigend. «Das ist bei zwölf Frauen nicht einfach, aber es klappt», erzählt die Nonne mit einem Anflug von Ironie. «Anschließend gehe ich mein Bett machen, dann ist Zeit für Meditation. Um 7.00 sind die Laudes, um 7.30 Uhr Eucharistiefeier.» Tagsüber wird zum Beispiel im Garten gearbeitet - streng nach biologischen Gesichtspunkten und nach dem Mondkalender. Im Sommer wird vor allem Gemüse gezogen, Biokartoffeln werden auch verkauft.

Die meisten Besucher begegnen den Benediktinerinnen nicht. Aber ein Gutteil des Klosters kann besichtigt werden. Hanny Pitsch begeistert sich vor allem für die Kirche. Auch wenn eine Äbtissin den Innenraum unter anderem mit einem Kreuzrippengewölbe aufpeppen ließ, ist der romanische Bau noch zu erkennen. Eine Skulptur Karls des Großen steht im Altarraum. Die Wände der Klosterkirche sind großflächig bemalt mit Szenen aus der Bibel - ein Bilderbuch für die Gläubigen im Mittelalter, die meist nicht lesen konnten. Es ist der umfangreichste erhaltene Freskenzyklus aus dieser Zeit. Wie um die kunsthistorische Sensation perfekt zu machen, war er Jahrhunderte lang vergessen und wurde erst 1950 wieder vollständig freigelegt.

In einer Kapelle rechts neben dem Altarraum beten viele Gläubige in der Hoffnung auf himmlische Hilfe. Einst hatte eine Nonne drei rote Punkte auf einer Hostie entdeckt - ein Wunder offenbar. Schließlich erinnerten sie an die Wundmale des gekreuzigten Jesus. Bald darauf war das Kloster das Ziel vieler Mühseliger und Beladener. Und das ist immer noch so: Eine ganze Wand der Kapelle ist voller kleiner bunter Papierblüten mit Gebetswünschen oder Dankesformeln.

Informationen: Turissem Val Müstair, Chasa Cumünala, CH-7532 Tschierv, Telefon von Deutschland: 0041/81/858 58 58, E-Mail: info@val-muestair.ch); Schweiz Tourismus, Postfach 16 07 54, 60070 Frankfurt, Telefon: 00800/100 200 30, E-Mail: info@myswitzerland.com.

Reisetipps zur Schweiz: www.myswitzerland.com

Informationen über das Bergtal Val Müstair: www.val-muestair.ch , www.muenstertal.ch

Besucherinformationen zum Kloster: www.muestair.ch

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