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Ein gehörnter Landmann

WITTEN Eine glanzvolle Premiere feierte das Theater-Atelier Witten mit Molières augenzwinkernd-anspruchsvoller Komödie "George Dandin" oder "Der betrogene Ehemann" in der Villa Lohmann.

von Von Martin Schreckenschläger

, 16.12.2007
Ein gehörnter Landmann

Das Theater-Atelier Witten feierte eine glanzvolle Premiere.

Mit aufwändigem Bühnenbild, barocker Musik und vollständiger historischer Kostümierung hatte Christopher Hustert die Posse des Vergnügungsdirektors Ludwigs XIV. inszeniert. Leider mussten die Darsteller des VHS-Kurses sich mit den gerade einmal 30 möglichen Zuschauern in den Seminarraum der Villa Lohmann drängen. Intime Studioatmosphäre hat ihren Reiz, doch diese grandiose Aufführung hätte zweifellos einen kleinen Theatersaal verdient.

Hochnäsiges Kind

In der Rolle des Dandin, eines reichen Bauern, zu seinem Bedauern mit einem hochnäsigen Kind aus altem Adel vermählt, glänzte der sinnierende Hans-Jürgen Zwiefka. Als Dozent für Pantomime und mit eigenen Solo-Programmen unterwegs, war ihm die Bühne nicht fremd. Doch auch die anderen Kursteilnehmer, einige schon über Jahre dabei, fanden hervorragend ins Spiel.

Kontrastreich arbeitete Hustert die Standesunterschiede zwischen dem gehörnten und gedemütigten Landmann und dem selbstgefällig-überheblichen Adel heraus, zog alle Register, um die verdeckte Kritik des Jahres 1668 für den Zuschauer von heute deutlich werden zu lassen. Dazu gehörte auch die Auswahl der Musik, denn Molières Werk war einst zur Ablenkung des Monarchen mit Ballettszenen durch-setzt. Tänzerische Elemente griffen auch die Laiendarsteller auf, verlustierten sich mit höfischem Tanz auf Kosten des Dandin. Die Originalmusik Lullys ersetzte Hustert jedoch durch Einspielungen von Jean-Philippe Rameau. Auch hier gelang ihm die Differenzierung: Geigen für den Adel, eine Akkordeon-Fassung für den Bauern.

Gewollter Akzent

Rosemary Rosendahl als Mutter der leichtlebigen Angélique (Natascha Gondecki) nutzte ihre britische Herkunft, sprach mal mit gewolltem Akzent, mal in reinstem upper-class English. Ebenso durfte der geschwätzige Sendbote des adligen Galans Clitandre (Georg Thomys), Lubin, mit dem originären finnischen Akzent von Jari Sarrhelo daher kommen. Mithilfe der frechen Magd Claudine (Susanne Bruns) wurde Dandin mehrfach geprellt, vom Schwiegervater des Sotenville (Johst Bernd Henseler) gedemütigt. Weitere Aufführungen: 20.-22.12., 10.-12.1., jeweils 20 Uhr.