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Eine Aussteigerin beschreibt ihren Weg aus der Hölle

Satanismus

Zuerst war es bei Anna nur Gläser rücken aus Neugierde. Kontakt aufnehmen mit der Welt der Toten. Doch schon bald wurden ihre Erfahrungen immer Extremer. Bis sich das junge Mädchen schließlich das Leben nehmen wollte.

WITTEN

von Von Susanna Linka

, 20.08.2010
Eine Aussteigerin beschreibt ihren Weg aus der Hölle

"Ich wollte auch mal Gläser rücken und Tarot-Karten legen", so beginnt Anna (Name geändert) ihre Erzählung darüber, wie sie mit dem Satanismus in Kontakt kam. Was harmlos begann, endete mit einem schlimmen Erlebnis. "Ich wollte mir das Leben nehmen." Doch Anna hat die Krise mit Hilfe der Aussteigerberaterin Silvia Eilhardt bewältigt. "Wir müssten viel mehr gegen den Satanismus tun", sagt die Mitarbeiterin des Jugendamts. Zwar hat sie es derzeit mit weniger Fällen aus diesem Bereich zu tun, doch diese seien spektakulärer geworden.

Anna war 15, als die Neugier das Mädchen aus gut situiertem Hause, mit guten schulischen Leistungen aus Neugier in "die Welt des Verborgenen" hinein schnupperte. Das Gläser rücken reichte der jungen Wittenerin bald nicht mehr: "Im Internet lernte ich sehr schnell Leute kennen, die durch Kleidung und Musik noch viel deutlicher zeigten, was es heißt, anders zu sein." Dass sie sich für den Satanismus interessierten, war für die Schülerin zunächst nicht so wichtig. Auch sie begann, sich ganz in schwarz zu kleiden.

„Das strahlte auf der Straße Macht aus“, erinnert Anna sich heute. Sie genoss das damals, auch wenn sie innerlich noch gar nicht so in die Szene eingebunden war. Doch dann lernte sie einen Jungen kennen, in den sie sich verliebte. „Kannst Du Dir vorstellen, einen Vertrag mit Satan zu machen, und ihn mit Blut zu unterschreiben?“, fragte er sie. Und es gefiel ihr, weiter in die Extreme einzutauchen. "Ich folgte ihm in die Hölle", so formuliert es Anna inzwischen. Er trennte sie von ihren Freunden und von ihrer Familie, „von allem, was mir jemals wirklich wichtig war. Ich gehörte ihm und befolgte die satanistischen Regeln.“ Sie besagen in etwa: Tu was du willst, nur der Starke überlebt.

"Du hast mir nichts mehr zusagen“, entgegnete Anna also ihrer verzweifelten Mutter, die einen Zugang zu ihr suchte. "Ich ahnte damals nicht, was die anderen schon damals mit mir planten, wofür die Gruppe mich auserwählt hatte", sagt Anna heute. Das zeigte sich in der Nacht zu Halloween: "Wir waren verabredet, und es sollte zur Vereinigung mit dem Gehörnten kommen", blickt Anna zurück. Für sie wurde es eine Nacht der grausamen Wahrheit, die sie nie jemandem näher beschrieben hat. Ob tatsächlich eine Vergewaltigung stattgefunden hat, konnte auch Silvia Eilhardt nie erfahren. Sie weiß, dass in der Szene auch eher vom „rituellen Geschlechtsverkehr“ geredet wird.

Anna traute sich jedenfalls nicht, mit ihren Eltern über ihr Erlebnis zu sprechen. Sie war lebensmüde und begann sich die Arme aufzuritzen. „Dem Mut meiner Mutter sich Hilfe zu holen, verdanke ich meinen Ausstieg.“ Sie hatte nach etlichen Monaten des Leidens den Weg in die Aussteigerberatung gefunden. Anna stieß dort auf Verständnis und musste nicht viel erzählen, bis sie dazu bereit war. Inzwischen hat sie nichts mehr zu tun mit der Szene. Heute lebt und arbeitet sie zufrieden in Witten.