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Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

Berlin. Er prägte die Literatur und Kultur Israels wie kein anderer. In seinem autobiografischen Roman „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ arbeitet Amos Oz eine persönliche Familientragödie auf. Die Verfilmung ist das Regiedebüt der Schauspielerin Natalie Portman.

Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

Regisseurin Natalie Portman ist auch die Hauptdarstellerin. Sie spielt Fania Klausner, die Mutter des jungen Amos (Amir Tessler). Foto: BR Picture Perfect Corporation

Als Padmé in „Star Wars“ wurde sie berühmt, mit „Black Swan“ gewann sie einen Oscar. Für ihr Regiedebüt hat sich die US-Schauspielerin Natalie Portman nun ihrem Geburtsort Israel und einem seiner wichtigsten modernen Schriftsteller gewidmet: Amos Oz.

In dem autobiografischen Roman „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ erinnert sich Oz ein halbes Jahrhundert später an den Suizid seiner Mutter. Mit der gleichnamigen
melancholischen Verfilmung (BR, 22.45 Uhr) erforscht Portman die Geburt des israelischen Staates und was es bedeutet, sich zu erinnern.

Die Kindheit des jungen Juden Amos (gespielt von Amir Tessler) wird von den Unruhen der 1940er Jahren in Palästina überschattet. Mit seinen Eltern läuft er regelmäßig zur Apotheke in Jerusalem um die Verwandten in Tel Aviv anzurufen und sich nach ihrem Wohlbefinden zu
erkundigen. Amos ist ein sensibler Junge, geprägt von Literatur und Philosophie, die in seinem Haus allgegenwertig sind.

Über ihn wachen seine beschützenden Eltern: Sein Vater, der
optimistische und wohlgesinnte Bibliothekar Arieh (Gilad Kahana), und seiner Mutter, die melancholische und liebevolle Fania (Natalie Portman). Vor dem Schlafengehen erzählt sie ihm Geschichten aus ihrer Kindheit und entführt ihn in ihre Fantasiewelt. Doch von Anfang weiß der Zuschauer, was Oz heute weiß, der junge Amos aber kaum ahnen konnte: Seine Mutter würde jung sterben.

Bei einem Familienpicknick im Wald ertönt in der Ferne eine
Explosion. Der Krieg von 1948 holt die Familie ein, die Tage werden von Rationen, Sandsäcken und Trauer beherrscht. Doch die langersehnte Geburt des israelischen Staates, die für Amos und seine Eltern eine Erlösung sein sollte, wird zu einer tragischen Wende der Familiengeschichte. Seine Mutter fällt in eine tiefe Depression, von der sie sich nicht befreien kann. Einige Jahre später nimmt sie sich das Leben.

„Sich zu erinnern fühlt sich an, als würde man versuchen, ein uraltes Haus aus den Trümmern wiederaufzubauen“, sagt der Erzähler, der erwachsene Oz, während er auf sein jüngeres Ich blickt. Damit meint er wohl nicht nur die Erinnerungen an seine Mutter. Der Schriftsteller Oz, Unterstützer der zionistischen Linken, kämpfte im Sechstagekrieg von 1967 sowie dem Jom-Kippur-Krieg von 1973, war aber
stets ein Verfechter der Zweistaatenlösung in Israel und Palästina und stellte Versöhnung in den Vordergrund. Auf seine Kindheit zurückblickend weiß er heute wohl, dass die Euphorie über die Geburt Israels bald unter einem Trümmerhaufen von Leid und Konflikt liegen würde.

Kunstvoll und mit Respekt für den bedeutenden Autor übersetzt Portman diese dunkle Vorahnung - über den Schmerz, der in der Zukunft liegt - auf die große Leinwand. Mit Hilfe von Farben und Symbolik vermittelt sie zwischen den Zeilen, was unausgesprochen bleibt: Verwirrung und
Angst, Traurigkeit und Hoffnung.

Portman spielt die zwiespältige Fania mit viel
Feingefühl. Erfolgreich porträtiert sie die in der hübschen Jüdin so nah beieinander liegenden Wärme und Melancholie. Doch einen wirklichen Einblick in ihre Gefühlswelt bekommen die Zuschauer nicht - vielleicht, weil Fania ihrem Sohn diesen Einblick nie gewehrte. Der Newcomer Amir Tessler überzeugt in der schwierigen Rolle des jungen, sensiblen Amos.

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