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Eine Reise durch die Musik

WITTEN Was zeichnet ein Spitzenorchester aus? Sicherlich gehört perfektes Können am Instrument dazu. Um aber einen homogenen und abgerundeten Orchesterklang zu erzeugen bedarf es noch mehr. Und dieses Mehr bot das Württembergische kammerorchester im Saalbau.

von Von Peter Tölke

, 07.10.2007
Eine Reise durch die Musik

Daniel Röhn beeindruckte als Solist mit brillanten Passagen.

Es ist der Wille aller Musiker, die individuelle Klangvorstellung des eigenen Instrumentes zugunsten eines gemeinsam erarbeiteten Orchesterklanges zu opfern. Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn - in Streicherbesetzung angetreten - wurde diesen Anforderungen in vollem Umfang gerecht und bot den Zuhörern beim Konzert der Kulturgemeinde im Saalbau einen prachtvollen und schwelgerischen Orchesterklang.

Dirigent hatte großen Anteil am Erfolg

Großen Anteil am Gelingen hatte der junge armenische Dirigent Ruben Gazarian, der durch seinen lebhaften und gestenreichen Dirigierstil an Leonard Bernstein erinnerte und das Orchester ständig forderte.

Die musikalische Reise durch Länder und Kontinente begann in Nord-Amerika mit der „Serenade für Streichorchester Nr. 1“. Diese unverkennbar amerikanische Musik verliert nie ihren Serenadencharakter und wird bestimmt durch den Wechsel zwischen kraftvollen Rhythmen und ruhigen, träumerischen Passagen. Mühelos bewältigte das Orchester die teils komplizierten Rhytmen. Der argentinische Komponist Astor Piazzolla gilt als der Musiker, der den Tango konzertfähig machte. So ist dieser Tanz in den meisten seiner Kompositionen immer wieder zu finden. Sein Werk „Die Jahreszeiten“ ist für Solovioline und Streichorchester gesetzt.

Familientradition in dritter Generation

Den Solopart spielte beeindruckend der junge deutsche Geiger Daniel Röhn, der in dritter Generation eine musikalische Familientradition fortsetzt: Sein Großvater Erich Röhn war Konzertmeister der Berliner Philharmoniker unter Furtwängler. Die Reise geht zurück nach Europa, nach Italien. Um die „Teufelstriller Sonate“ von Guiseppe Tartini ranken sich viele Legenden. Fest steht aber, dass dieses Stück zu den schwierigsten Werken der Violinliteratur gehört und zwar vornehmlich für die linke Hand. Ganze Ketten von Trillern, Doppeltrillern und Doppelgriffen sind einfach halsbrecherisch und stellen für jeden Violinvirtuosen eine echte Herausforderung dar. Daniel Röhn spielte diese Passagen brillant und ließ zudem seine alte italienische Meistergeige (Guadagnini) silberhell erklingen. Seine bescheidene zurückhaltende Art machte ihn sympathisch, denn bei ihm stand immer die Musik im Vordergrund.

Zuhörer und Orchester gleichsam mitgerissen

Den Abschluss bildete Peter Tschaikowsky's „Erinnerungen an Florenz“. Italien im Vordergrund, Russland im Sinn, folkloristische Themen, stürmische Passagen und sehnsuchtsvolle Melodien rissen die Zuhörer mit und spornten das Orchester zu Höchstleistungen an.