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Einmalige Sammlung: Lyonel Feininger in Quedlinburg

Quedlinburg (dpa/tmn) Der Weg führt vom mittelalterlichen Ambiente durch den Torbogen eines Fachwerkhauses direkt in die Moderne. Am Fuß des Schlossbergs liegt in der Altstadt von Quedlinburg im Harzvorland ein «Schatz», der Kunstliebhaber in aller Welt begeistert.

Mehr als 1000 Arbeiten des deutsch-amerikanischen Künstlers Lyonel Feininger (1871 bis 1956) besitzt die nach ihm benannte Galerie. Sie gehört zur Stiftung Moritzburg in Halle/Saale, dem Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt.

«Die Sammlung gibt einen nahezu vollständigen Überblick über das in Deutschland entstandene druckgrafische Werk dieses bedeutenden Meisters der Klassischen Moderne», sagt Museumsdirektor Björn Egging. Eine große Anzahl an Aquarellen und Zeichnungen sowie einige Gemälde ergänzen den Bestand.

Feininger lebte von 1887 bis 1937 in Deutschland, dann emigrierte er in die USA. Die engagierte und nicht ungefährliche Initiative des Quedlinburger Kunstsammlers Hermann Klumpp (1902 bis 1987) brachte einen Großteil seiner Werke vor den Nationalsozialisten in Sicherheit, die die moderne Kunst als «entartet» bekämpften. Auch die Nachkriegswirren im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands überstand die Sammlung unter diesem Schutz. 1986 öffnete dann die Galerie.

Der Künstler, von dem allerdings kein Besuch in Quedlinburg bekannt ist, liebte die Kleinstädte Mitteldeutschlands und fand hier jene Vorlagen, die sein Schaffen prägten. Die Galerie, die 1997 ihr heutiges Aussehen erhielt, zeigt auf etwa 450 Quadratmetern Fläche in vier Sälen außerdem Werke anderer Künstler der Klassischen Moderne wie Paul Klee, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff und Wassily Kandinsky. «Auch zwei weitgehend vollständige lithographische Zyklen aus dem Spätwerk von Lovis Corinth sind zu sehen», erklärt Egging.

Eine lange juristische Auseinandersetzung um die Hinterlassenschaft des Künstlers zwischen der Sammlung und den Feininger-Erben endete im Jahr 2007 in einem Vergleich. 1984 mussten bereits 49 Ölbilder zurückgegeben werden, nun waren es mehr als 200 Papierarbeiten. «Qualität und Substanz der Quedlinburger Sammlung wurden dadurch nicht empfindlich beeinträchtigt», urteilt Egging. Einer weiteren Entwicklung der Galerie, der die Klumpp-Erben die Werke als Dauerleihgabe überlassen haben, stehe nichts im Weg.

Klassische Moderne und Mittelalter bilden in Quedlinburg eine Symbiose. Die Stadt mit etwas mehr als 22 000 Einwohnern besitzt seit 1994 den Status eines Unesco-Welterbes und nimmt in der deutschen Geschichte eine bedeutende Stellung ein. Der Legende nach sollen hier dem Sachsen-Herzog Heinrich 919 die Reichsinsignien angetragen worden. Diese Szene hat sich angeblich an jener Stelle abgespielt, die heute den Straßennamen Finkenherd trägt. Hier liegt auch die Feininger-Galerie.

INFO: Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg

Die Galerie öffnet dienstags bis sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr - in den Monaten April bis Oktober jeweils bis 18.00 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Führungen sind nach Anmeldung möglich und kosten 1 Euro pro Person, mindestens jedoch 20 Euro.

Informationen: Lyonel-Feininger-Galerie, Finkenherd 5a, 06404 Quedlinburg, Telefon: 03946/22 38; Quedlinburg Tourismus-Marketing, Markt 2, 06484 Quedlinburg, Telefon: 03946/90 56 24

Lyonel-Feininger-Galerie: www.feininger-galerie.de

Informationen zu Quedlinburg: www.quedlinburg.de

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