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Eiscreme und Höllenfeuer

BOCHUM "Chemie ist, wenn es stinkt und kracht", behauptet der Volksmund und hat offenbar recht. Zumindest, wenn man die Weihnachtsvorlesung der Chemiker an der Ruhr-Uni zu Grunde legt: Die modernen Alchemisten warteten mit spektakulären Explosionen und Flammen auf.

von von Niels Holger Schmidt

, 23.12.2007

"Exotherm!", brüllt es aus hunderten Kehlen in dem überfüllten Hörsaal im Chemietrakt der Ruhr-Uni. Was war passiert? Mit einem ohrenbetäubenden Knall war ein Papprohr hinter einer Plexiglasscheibe explodiert.

Apokalypse

Das war eine exotherme, also Energie freisetzende Reaktion. Und die sind meist besonders spektakulär und auch ein bisschen apokalyptisch, wie schon der Titel der rund zweistündigen Chemie-Show andeutet. "Das Ende aller Tage" verspricht das Team von Professor Roland Fischer am Freitagnachmittag und nimmt das gebannt wartende Auditorium auf eine anorganisch-chemische Reise mit. Reiseführer ist diesmal Homers Odysseus, der die Stichworte für die explosive Wissenschafts-Show liefert. Der knallende Auftakt wirft sofort den eigentlichen Gastgeber aus dem Rennen. "Peace Maker" steht auf dem Rohr, das zwei Assistenten von Fischer auf dem Pult des Hörsaals hinter der Plexiglas-Scheibe montieren, dann die Lunte anstecken. Mit einem satten Schlag detoniert die Röhre und streckt den Professor scheinbar nieder. Die Assistenz zeigt sich unbeeindruckt, verfrachtet den Chef auf eine Trage und fährt unbeeindruckt mit Odysseus' Reise fort. Gestrandet bei Kythera trifft der Held auf einen Zyklopen, den es zu blenden gilt - mit einer chemischen Stichflamme natürlich. Aber auf der chemischen Odyssee gibt es nicht nur Stinkendes und Knallendes: Die Nachwuchsalchemisten zaubern auch eine Flüssigkeit aus verschiedenen Zutaten, die oszillierend zwischen einem satten Orange und einen tiefen Lila wechselt.

Brodelnde Wasser

Die brodelnden Wasser, auf denen Odysseus seine Reise fortsetzt, beschwören die Chemiker mit reichlich flüssigen Stickstoff herauf, der als Nebel den Hörsaalboden bedeckt. Daraus steigt schließlich Poseidon heraus, allerdings nur als lila Chemiegeist in einer Glaskugel, die in einem Becken mit grüner Flüssigkeit steht. Aber ohne Gestank und Knalleffekt ist es doch keine echte Chemie-Show: Auf Odysseus' Weg in die Unterwelt, den Hades, wird der Held von den modernen Zauberern mit giftig grünen Stichflammen begleitet. "Der bellende Hund", ein Experiment, das mit lautem Fauchen eine Stichflamme aus einem Kolben entweichen lässt, erweckt dann den von Odysseus empfangenen Höllenhund zum Leben.

Höllenfeuer

Das Höllenfeuer entfachten zwei Chemiker, die sich erfolgreich als Feuerspucker versuchten. Einen flammenden Höhepunkt erreicht die Show aber erst mit der Ankunft in der Unterwelt: Maestro Fischer lässt mit seinen Assistenten den Boden des Hörsaals in Flammen aufgehen. Tiefgekühltes Methan lassen sie brennend auf den Boden laufen, wo es sich wie ein Feuerteppich ausbreitet, ohne aber den Bodenbelag in Mitleidenschaft zu ziehen. Der Trick: Zwischen dem eiskalten Kohlenwasserstoff und dem Boden bildet sich ein Luftpolster. Ganz außerhalb des antiken Stoffs und ohne Knall und Gestank kann der Chemiker auch Leckereien anrichten: Aus Sahne, Vanillezucker und flüssigem Stickstoff rühren die Experimentatoren für die Zuhörerschaft Eiscreme an.