Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Verfahren schreckt Studenten ab

Elektronisches Bafög ist bislang ein Flop

NRW Drei Monate nach der offiziellen Einführung des elektronischen Bafög fällt die erste Zwischenbilanz desaströs aus. In Dortmund hat bisher kein einziger Student seinen Antrag online verschickt. Auch in anderen Studentenwerken sieht es ähnlich aus.

Elektronisches Bafög ist bislang ein Flop

Neue Stadt, Wohnungssuche, Seminarwahl: Das Studentenleben ist anfangs kompliziert genug. Wenigstens bei der Ausbildungsförderung sollte alles einfacher werden – durch das e-Bafög. Doch daraus wird erst mal nichts.

Eigentlich sollte das elektronische Bafög (e-Bafög) Studenten den langen Weg der Antragstellung für eine Ausbildungsförderung einfacher gestalten. Seit dem 1. August ist jedes Bundesland dazu gesetzlich verpflichtet worden. Doch es scheitert am komplizierten Verfahren, Studenten müssen sich für die elektronische Antragstellung den neuen Personalausweis mit Online-Funktion und sogar ein Lesegerät kaufen, um sich im Internet auszuweisen. Und das ist der zentrale Aspekt beim e-Bafög. Das Ausdrucken, Ausfüllen und Unterschreiben der zahlreichen Papiere sollen der Vergangenheit angehören. Die Prozesse sollen also „medienbruchfrei“ werden.

Elektronische Akte

So steht es zumindest in der 25. Bafög-Novelle. Jeder Student, der einmal einen Online-Antrag gestellt hat, soll eine elektronische Akte bekommen, die auch bei einem Wechsel an eine andere deutsche Hochschule weitergeleitet werden kann. Doch das ist bis jetzt nicht möglich. Dieter Timmermann, Präsident des Deutschen Studentenwerkes, kritisierte, dass alle Bundesländer von der Frist 1. August seit 2013 gewusst hätten. Genug Zeit also, um die elektronische Antragsstellung einwandfrei zu entwickeln.

BERLIN Es gibt deutlich weniger Bafög-Empfänger, dafür im Schnitt mehr Geld für den Einzelnen seit August. Doch wie viel Geld es nun gibt? Wird auch ein Auslandssemester unterstützt? Und können auch Flüchtlinge Bafög bekommen? Wir haben Tipps und Infos rund ums Bafög zusammengestellt.mehr...

Lediglich Hessen hat noch vor der Frist das e-Bafög umsetzen können. Die anderen Bundesländer sind nachgezogen, doch nicht überall können Studenten das Bafög wirklich online beantragen. Laut Dieter Timmermann sei das zentrale Problem der Föderalismus, denn jedes Bundesland gehe anders bei der Antragstellung vor.  Wo sich in einem Land der Antrag nur mit dem Online-Personalausweis realisieren lässt, geht das in anderen Ländern zusätzlich oder nur mit einer De-Mail-Adresse. Überall gibt es unterschiedliche Online-Portale. Zieht ein Student in ein anderes Bundesland, muss er sein Bafög online erneut beantragen.

 „99 Prozent aller Papieranträge sind falsch. Oft fehlen Angaben, da muss das Bafög-Amt postalisch wieder nachfragen und das dauert“, sagt Bernhard Börsel, Leiter des Referats Studienfinanzierung und Bildungspolitische Fragen des Deutsches Studentenwerks. Um hohe Papierstapel in den Bafög-Ämtern und lange Wartezeiten zu verhindern, hat der Bund das elektronische Bafög auf den Weg gebracht. Doch das funktioniert nicht. Helga Otersen, Abteilungsleiterin des Studentenwerks Bochum kritisiert den Ablauf: „Nach dem Abschicken des Antrags im Internet, bekommt das Studentenwerk eine Mail. Das Werk muss den Antrag wieder ausdrucken und an das Bafög-Amt schicken. Das ist doch kein richtiges e-Bafög.“

In Nordrhein-Westfalen können Studenten ihre Daten nur mit der ID-Funktion des Personalausweises übertragen. Doch hierfür braucht man auch noch ein geeignetes Kartenlesegerät und eine Software, die Ausweis und Computer miteinander verbindet. Das alles kostet Geld.

Zu großes Hindernis für Studenten

Nach knapp drei Monaten fällt die Bilanz katastrophal aus. Für Studenten ist die elektronische Identifikation mit Personalausweis und Lesegerät ein zu großes Hindernis. „Es ist schwierig, dass jemand, der Geld haben will, das Lesegerät vorfinanzieren muss“, sagt Jörg Lüken, Sprecher der NRW-Studentenwerke. Diese Kritik teilen auch die Sprecher der Studentenwerke in Dortmund, Duisburg-Essen und Münster. In Dortmund hat kein einziger Student sein Bafög online beantragt, in Duisburg-Essen ein Student und auch in Münster sieht es sehr bescheiden aus. „Wir sind da nicht wirklich verwundert“, sagt Sprecherin Petra Mikolajetz vom Studentenwerk Dortmund. Petra Karst vom Studentenwerk Duisburg-Essen bestätigt dies: „Wenn ich als Student für ein Lesegerät 60 bis 80 Euro bezahlen soll, dann überlege ich, ob das wirklich Sinn macht“.

 

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Politik

Digitalpionier Estland hat EU-Ratsvorsitz übernommen

Tallinn (dpa) Eigentlich hätte Großbritannien in der zweiten Jahreshälfte den Ratsvorsitz in der EU gehabt. Doch dann kam der Brexit. Nun übernimmt Estland die Aufgabe. Vor allem der digitale Fortschritt ist den Balten wichtig.mehr...

Politik

Streit zwischen Beck und "Spiegel" geht zum EuGH

Karlsruhe (dpa) Fällt ein im Internet verlinkter Text unter das Zitatrecht der Presse? In einem Prozess zwischen dem Grünen-Politiker Volker Beck und "Spiegel Online" geht es um grundsätzliche Fragen. Der BGH reicht einige davon jetzt an den Europäischen Gerichtshof weiter.mehr...

Politik

Vermisste 16-Jährige aus Sachsen im Irak identifiziert

Pulsnitz (dpa) In der einstigen IS-Hochburg Mossul haben Spezialeinheiten auch bewaffnete Ausländerinnen gefasst. Nach Berichten über die Festnahme einer 16-Jährigen aus Sachsen wurde die Deutsche nun identifiziert. Zu den genauen Umständen äußert sich die Staatsanwaltschaft Dresden aber noch nicht.mehr...

Politik

Linkes Zentrum Rote Flora nach Krawallen in der Kritik

Hamburg/Berlin (dpa) Der Druck wächst: Nach Forderungen aus der Politik wollen nun auch viele Hamburger Bürger ein Ende der Roten Flora. Im Internet gibt es Petitionen, die eine neue Verwendung des Grundstücks verlangen.mehr...

Politik

Verfassungsschutz: Immer mehr gewaltbereite Extremisten

Berlin (dpa) Rechts, links, bei Ausländern, im Internet und auf der Straße: Überall nimmt laut Innenminister Thomas de Maizière die Intensität der Auseinandersetzung zu. Ist die Stabilität des Staates in Gefahr?mehr...