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Eltern ärgern sich über Bahnhof Dorstfeld-Süd

Nicht barrierefrei

Als Dr. Barbara Mertins 2015 an die TU Dortmund berufen wurde, stand für die Professorin und ihren Mann fest: Wir wollen in der Nähe der Uni wohnen. Ganz bewusst entschieden sich die begeisterten Radfahrer, mit ihren Kindern – drei und ein Jahr alt – von Heidelberg nach Dorstfeld zu ziehen. Eine Fehlentscheidung?

DORSTFELD

22.10.2016
Eltern ärgern sich über Bahnhof Dorstfeld-Süd

Am S-Bahnhof Dorstfeld-Süd gibt es keinen Lift. Familie Mertins muss deshalb immer die Kinder im Fahrrad-Anhänger tragen.

Der Start war eigentlich optimal: „Ich habe damals sehr schnell eine passende Wohnung gefunden“, erinnert sich Holger Mertins (47), der ebenfalls an der TU arbeitet. Ein wichtiges Kriterium war bei der Suche für seine Frau und ihn eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

„Das hat gepasst“

„Wir verzichten ganz bewusst auf ein Auto“, erklärt Dr. Mertins (42). „Wir sind leidenschaftliche Radfahrer, fahren damit zur Arbeit, zum Einkaufen, im Anhänger die Kinder. Wenn das nicht geht, fahren wir mit Bus und Bahn.“ Und auch damit konnte Dorstfeld zunächst punkten: Der S-Bahn-Haltepunkt Dorstfeld-Süd liegt nur wenige Minuten von der Wohnung der Familie entfernt. „Das hat alles gepasst“, berichtet Holger Mertins.

Doch dann dies: „Stellen Sie sich vor, wie das ist, mit zwei kleinen Kindern, und zwei Kinderwagen, wenn Sie plötzlich feststellen, dass der S-Bahnhof keinen Fahrstuhl hat“, schildert Barbara Mertins den beschwerlichen und auch gefährlichen Abstieg zur S-Bahn, der täglich auf sie und ihren Mann wartet.

Nicht damit gerechnet

„Ich habe nicht gesehen dass es dort keinen Lift gibt. Und das an solch einer Stelle auch nicht erwartet“, sagt Holger Mertins. Schließlich liegen immerhin die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und -medizin sowie die gut besuchte DASA in unmittelbarer Nähe. „Zudem leben hier viele Kinder, auch Menschen mit Behinderungen. Wie soll das ohne Fahrstuhl gehen?“, fragt Barbara Mertins.

Also ergriff die Professorin die Initiative, schrieb an die Bahn AG und die Stadt Dortmund. „Die Stadt ignoriert unser Schreiben bislang“, berichtet sie. „Wir erhielten aber einen Anruf von der Bahn AG die uns erklärte, dass kein Geld für den Lift da sei und Dorstfeld-Süd nicht auf der Prioritätsliste steht.“ Was Barbara Mertins besonders ärgert: Ihr wurde im Telefonat vorgeschlagen, sich doch politisch zu engagieren. Ein Vorschlag, der ihr absurd erscheint. „Denn ist es nicht im öffentlichen Interesse, dass Familien die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen?“, fragt sie. Und sie fragt sich auch, ob es womöglich keinen Lift gibt, weil Dorstfeld nicht zu den Top-Vierteln gehört.

Nicht aufgeben

Obwohl ihnen inzwischen einige Arbeitskollegen geraten haben, doch das Viertel zu wechseln, denken Barbara und Holger Mertins noch nicht daran aufzugeben. „Denn wir sind eigentlich gekommen, um hier Fuß zu fassen“, sagt die Professorin. 

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