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Ende des Job-Booms trotz guter Zahlen absehbar

Nürnberg (dpa) Das drohende Ende des Job-Booms in Deutschland hat den Streit um zusätzliche Arbeitsmarkt-Anreize verschärft.

Ende des Job-Booms trotz guter Zahlen absehbar

Auf dem am Arbeitsmarkt wird eine baldige Eintrübung der Lage befürchtet.

Während die schwarz-rote Bundesregierung den Stellenmarkt dank ihres Maßnahmepakets für «raueres Wetter» gerüstet sieht, sprachen sich die Oppositionsparteien am Donnerstag in Berlin für weitere Impulse aus. «Der Schutzschirm gegen Arbeitslosigkeit hat Löcher», kritisierte die Bundestagsfraktion der Grünen und forderte ein Förderprogramm für Bildung, Weiterqualifizierung und öffentliche Beschäftigung im großen Stil. Die FDP sprach sich für Steuer- und Abgabensenkungen aus.

Im November war die Zahl der Arbeitslosen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) um 8000 auf 2 988 000 gesunken. Die Zahl der Erwerbslosen sank damit auf den niedrigsten Wert seit 16 Jahren. Ein Jahr zuvor waren noch 390 000 Menschen mehr arbeitslos gewesen. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,1 Punkte auf 7,1 Prozent ab. Im Vorjahr hatte diese Quote noch bei 8,1 Prozent gelegen. Die Bundesagentur räumte ein, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise trotz der noch aktuell guten Zahlen inzwischen auch den Arbeitsmarkt erreicht hat.

«Es mehren sich die Anzeichen, dass der wirtschaftliche Abschwung auf dem Arbeitsmarkt ankommt», sagte BA-Vorstandschef, Frank-Jürgen Weise. So gebe es viele Firmenanfragen zum Kurzarbeitergeld. Zahlreiche Unternehmen hätten angekündigt, dass sie Mitarbeiter entlassen müssten. Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften sinke. Allein im November hätten Unternehmen für bundesweit 57 000 Beschäftigte Kurzarbeit angekündigt - das seien rund 30 000 mehr als im Vormonat und 42 000 mehr als vor einem Jahr, berichtete BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt.

Dennoch erwarten beide BA-Manager einen geringeren Anstieg der Erwerbslosigkeit als in früheren Wirtschaftskrisen. Viele Unternehmen hätten in den Vorjahren stark rationalisiert. Dadurch könnten Firmen heute einen Auftragsverlust von bis zu 15 Prozent verkraften, ohne sich von der Kernbelegschaft trennen zu müssen. «Auch die örtlichen Arbeitsagenturen und Jobcenter sind inzwischen besser aufgestellt», gab Weise zu bedenken. Vermittler hätten heute weniger Jobsucher als früher zu betreuen. «Die Betreuung ist außerdem fachkundiger und intensiver», fügte er hinzu.

Für Irritation sorgte die Bundesagentur unterdessen mit ihren aktuellen Angaben zur Zahl der offenen Stellen. Während sie noch im Oktober von mehr als einer Million freien Stellen ausgegangen war, spricht sie in der neuesten Statistik nur noch von 539 000 freien Stellen. Der Grund sei, dass die im Internet angebotenen Arbeitsplätze erstmals im November nicht mehr mitgezählt würden. Es habe sich gezeigt, dass das Online-Stellenangebot zumindest zum Teil mit dem Stellenangebot der Arbeitsagenturen identisch sei. Dies habe zu Doppelzählungen geführt.

Der überraschend starke Herbstaufschwung dürfte nach BA-Angaben für eine unerwartet gute Finanzlage der Nürnberger Bundesbehörde in diesem Jahr sorgen. Anders als zunächst angenommen rechne der Vorstand inzwischen mit einem Jahresüberschuss von rund 700 Millionen Euro, sagte Weise. Noch einen Monat zuvor hatte der BA-Vorstand mit einem ausgeglichenen Ergebnis gerechnet.

Von der guten Arbeitsmarktentwicklung profitierte auch die Zahl der Erwerbstätigen - dem statistischen Spiegelbild der Arbeitslosenzahlen. So stieg ihre Zahl zuletzt (im Oktober) um 188 000 auf 40,91 Millionen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kletterte erstmals seit vielen Jahren auf 28,00 Millionen.

Wegen der Wirtschaftskrise werden nach Einschätzung von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) viele Menschen in Deutschland ihren Job verlieren oder keinen neuen finden. Die Regierung habe daher die Auszahlung des Kurzarbeitergeldes auf 18 Monate verlängert, für mehr Möglichkeiten zur Weiterbildung gesorgt und die Zahl der Vermittler aufgestockt. «Wir werden weiterhin alles tun, um dem rauen Wetter zu trotzen», erklärte Scholz. Auch nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat die Bundesregierung mit ihrem Maßnahmepaket «eine erste, schnelle und wirksame Antwort auf diese Herausforderungen» gefunden.

Dagegen bezeichnete der stellvertretende FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle das Maßnahmepaket der Bundesregierung zur Stützung des Arbeitsmarktes als unzureichend. «Deutschland steckt mitten in einer tiefen Wirtschaftskrise. Wenn die Regierung nicht schleunigst handelt, wird die Rezession in wenigen Monaten auf dem Arbeitsmarkt durchschlagen», betonte er laut Mitteilung in Berlin. Um die Binnennachfrage zu erhöhen, seien Steuersenkungen erforderlich. Die Linke sprach sich für eine aktive Beschäftigungspolitik aus, damit Langzeitarbeitslose wieder eine Chance haben.

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