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Enteignung in Venezuela: Armee besetzt Fabriken

Caracas (dpa) Hunderte von Soldaten haben in Venezuela die vier Filialen einer mexikanischen Zementfabrik besetzt und auf Befehl von Staatspräsident Hugo Chávez enteignet. Auch Arbeiter, Politiker und Richter nahmen am Dienstag laut Medien unter großem Jubel an den Besetzungsaktionen teil.

Enteignung in Venezuela: Armee besetzt Fabriken

Er droht nicht nur, er handelt auch: Venezuelas Präsident Hugo Chavez (Archivfoto).

Die Regierung teilte in Caracas mit, die Filialen des mexikanischen Unternehmens Cemex seien im Zuge eines Verstaatlichungsprozesses zwangsenteignet worden, weil die Frist zur Einigung über einen Entschädigungspreis abgelaufen sei. Die erste Fabrik von Cemex in Maracaibo im Westen des Landes war schon am Vorabend besetzt worden. Größere Zwischenfälle wurden bei den Besetzungen durch die Nationalgarde nicht gemeldet.

Der Linksnationalist Chávez hatte die Verstaatlichung der Zementindustrie im April angekündigt. Im Juni folgte ein entsprechender Erlass der Regierung. Mit den Vertretern lokaler Tochtergesellschaften der Konzerne Holcim aus der Schweiz und Lafarge aus Frankreich handelte die Regierung inzwischen einen Kaufpreis aus. Als Grund für die Verstaatlichung, mit der der Staat nun 90 Prozent des Sektors kontrolliert, nannte Chávez den Zementmangel. Er warf den Unternehmen vor, aufgrund «neoliberaler Firmenprozesse» zu exportorientiert zu sein. Er wolle Häuser für die Armen bauen - und das sei nur mit einem Zementunternehmen in Staatshand möglich.

Das Außenministerium in Mexiko-Stadt schickte Caracas unterdessen eine Botschaft, in der die «Sorge über die Folgen der Enteignungen» geäußert zum Ausdruck gebracht wird. Cemex sei schlechter als die europäischen Firmen der Branche behandelt worden, klagte der mexikanische Botschafter in Venezuela, Mario Chacón. «Als Regierung respektieren wir die Entscheidung der venezolanischen Behörden. Wir müssen aber auch über die Interessen unserer Unternehmen wachen, und Cemex wurde diskriminiert», erklärte der Botschafter.

Laut Energieminister Rafael Ramirez fordert Cemex eine Entschädigung von insgesamt 1,3 Milliarden Dollar (rund 800 Millionen Euro). Das liege weit über dem von den Experten der Regierung geschätzten Preis. Der stellvertretende Staatspräsident Ramón Carrizalez sagte, man werde für 87 Prozent der Lafarge-Aktien 257 Millionen und für 85 Prozent der Holcim-Aktien 572 Million Dollar zahlen. «Die Produktionskapazität von Cemex entspricht jener von Lafarge und Holcim zusammen», schätzte Carrizalez. Die Mexikaner könnten deshalb nicht viel mehr als 800 Millionen Dollar verlangen.

Im Rahmen des Verstaatlichungsprogramms im Erdölland Venezuela hatte Chávez Ende Juli auch die Nationalisierung der drittgrößten Bank Venezuelas, der zur spanischen Santander-Gruppe gehörenden Banco de Venezuela angekündigt. Die Überführungen sind Teil der von Chávez angestrebten «sozialistischen Revolution». In diesem Jahr hatte Chávez auch die Übernahme von Ternium-Sidor, des größten Stahlkonzerns des Landes, durch den Staat bekanntgegeben. Im vergangenen Jahr waren die Telefongesellschaft CANTV, das Energieunternehmen Electricidad de Caracas und Teile der Schwerölindustrie im Orinoco-Delta verstaatlicht worden.

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