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Entführte Deutsche in Nigeria sind frei

Mannheim/Berlin/Abuja (dpa) Erleichterung bei Deutschlands zweitgrößtem Baukonzern Bilfinger Berger: Die zwei im Nigerdelta entführten deutschen Ingenieure sind wieder frei. «Wir sind sehr froh», sagte Konzernsprecher Sascha Bamberger am Freitag in Mannheim.

Entführte Deutsche in Nigeria sind frei

Rebellen der Bewegung zur Emanzipation des Nigerdelta (MEND) auf einer Flusspatrouille (Foto vom 18.7.2008).

Die beiden wurden am Donnerstagabend freigelassen, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. «Sie befinden sich in sicherer Obhut und werden medizinisch betreut», erklärte ein Sprecher. Mehr als einen Monat waren die Mitarbeiter von Julius Berger Nigeria in Geiselhaft - länger als die Beteiligten nach den Erfahrungen mit früheren Verschleppungen zunächst vermutet hatten. Die Entführung eines Mitarbeiters derselben Tochterfirma war im März bereits nach zwölf Stunden beendet, vergangenes Jahr war ein niederländischer Angestellter knapp zwei Wochen verschleppt.

Umso größer die Erleichterung über den Zustand der Mitarbeiter. «Die beiden sind körperlich unversehrt. Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut», sagte Bamberger. Ein Kommando der Bewegung zur Emanzipation des Nigerdeltas (MEND) hatte nach Angaben eines Sprechers vom Donnerstagabend die beiden Männer aus einem Versteck der Banditen befreit. Grund für den Angriff sei der schlechte Gesundheitszustand eines der beiden Deutschen gewesen. Bei der Befreiung sei niemand verletzt worden. Bilfinger Berger wollte die Befreiungsaktion nicht kommentieren. «Von Lösegeldzahlungen ist uns aber nichts bekannt», sagte Bamberger.

Bei dem Überfall am 11. Juli 19 Kilometer von Port Harcourt entfernt soll sich der Jeep der Männer überschlagen haben. Einer der Ingenieure soll dabei verletzt worden sein, was Bilfinger Berger dementiert. Während der gesamten Zeit hatte sich das Unternehmen bedeckt behalten und keinerlei persönliche Informationen zu den Entführten preisgegeben. «Das betrifft den Persönlichkeitsschutz», hieß es stereotyp.

Der Konzern zog nun jedoch deutliche Schlüsse aus der erneuten Entführung: Die Sicherheitslage im Nigerdelta wird als gefährlich eingestuft; das Tochterunternehmen zieht sich zurück. «Die Freilassung ändert nichts an dieser Einschätzung», betonte Bamberger. Laut Konzernchef Herbert Bodner ist die Evakuierung eingeleitet. Der Manager machte Anfang dieser Woche kein Hehl aus seinem Bedauern: Damit werde eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte aufgegeben. «Die Terrorgruppen haben dem Staat Nigeria einen schlechten Dienst erwiesen», meinte der 60-Jährige.

Seinen Angaben nach beschäftigt Julius Berger Nigeria 17 000 bis 18 000 Menschen. «Wir sind damit derzeit wohl der größte private Arbeitgeber in der Region», sagte Bodner. Etwa ein Drittel der Mitarbeiter sei nun von dem Rückzug betroffen. «Wir hoffen, dass die Arbeitsplätze nicht verloren gehen.» Es werde versucht, die Mitarbeiter an anderer Stelle einzusetzen, sagte er.

Nigeria ist der größte Ölproduzent des Kontinents. In den vergangenen Jahren wurden im ölreichen Nigerdelta mehrfach Mitarbeiter ausländischer Firmen und Einheimische entführt. Meist wurden sie gegen Lösegeld unverletzt wieder freigelassen.

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