Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Erfolg im Netz - aber Plattenvertrag abgelehnt

WITTEN Über vier Millionen Mal wurden Jan Hegenbergs Lieder bereits von seiner Internetseite heruntergeladen. RN-Volontär Marcel Bülow sprach mit dem 30-jährigen Ausnahmemusiker über seine aktuelle Tour und warum er keinen Plattenvertrag abschließt.

05.02.2008
Erfolg im Netz - aber Plattenvertrag abgelehnt

Jan Hegenberg

Herr Hegenberg, was ist Ihr Beruf und was ist Ihr Hobby? Können Sie die beiden Dinge überhaupt trennen?Hegenberg: Das ist bei mir beides das Gleiche - Gott sei dank. Ich mache Musik und kann damit auch noch Geld verdienen, das ist einfach super. In meiner Freizeit spiele ich aber auch noch gerne Computer.

Und darüber handeln auch die meisten Ihrer Songs: Über den Alltag eines „Computerspielers“. Wie kommt man auf Titel wie „Des Gamers Schlaflied“?Hegenberg: Die Songs schreibe ich immer sehr spontan. Beispielsweise wenn ich mit anderen Computerspielern zusammensitze und jemand etwas lustiges sagt. Das kann einmal eine Redewendung sein oder einfach eine Situation im Alltag. Die Lieder haben keine politische Botschaft oder ähnliches, sie sollen einfach Spaß machen.

Seit Ende letzten Jahres sind Sie mit Ihrem neuen Album „BAMHEGENBERG“ auf Deutschlandtournee. Wie lautet Ihr Zwischenbilanz?Hegenberg: Die Tour läuft einfach super. Mittlerweile kommen rund 200 Besucher zu meinen Konzerten. Und es sind nicht immer nur 15 bis 25-Jährige. Neulich brachte eine 17-Jährige beispielsweise ihre 50-jährigen Eltern mit. Sie konnten alle drei meine Liedtexte komplett auswendig. Das übertrifft teilweise meine kühnsten Erwartungen.

Wie kann man sich denn eines Ihrer Konzerte vorstellen?Hegenberg: Wichtig ist mir, dass ich immer nahe am Publikum bin. Manchmal spiele ich mit und manchmal auch ohne Band, es ist einfach eine große Party. Nach dem Konzert bleibe ich auch oft noch etwas, unterhalte mich mit den Fans und schreibe Autogramme auf die interessantesten Dinge.

"Tastaturen, Handys, mp3-Player"

Zum Beispiel?Hegenberg: Alles mögliche: Tastaturen, Handys, mp3-Player oder auf eine Eistee-Verpackung, der ich ein eigenes Lied gewidmet habe.

Ihre Titel wurden bereits millionenfach über das Internet heruntergeladen und auf diversen Internetradios gespielt. Glauben Sie noch an einen Durchbruch außerhalb des Netzes?Hegenberg: Eigentlich eher nicht. Meine Singerei war von Anfang an nicht darauf ausgelegt damit Geld zu verdienen. Sie wurde erst mit der Zeit zu meinem Job. Es läuft immer noch viel über Mund-zu-Mund-Propaganda innerhalb der Gamerszene, wo die meisten meiner Fans herkommen.

Und für diese wollen sie auch weiterhin Musik machen?Hegenberg: Auf jeden Fall. Ich werde singen, so lange meine Lieder von irgendjemanden dort gehört werden. Es kommt darauf an, ob meine Fans mit mir zusammen altern werden. In letzter Zeit habe ich aber auch öfter eine Veranstaltung oder ein Festival moderiert. Im Entertainmentbereich werde ich allerdings immer bleiben. Im Moment brauche ich mir allerdings keine Sorgen zu machen, geht es zum Glück eher bergauf.

"Das tue ich den Schülern einfach nicht an"

Wenn es so gut läuft, hat sicher auch die eine oder andere Plattenfirma angeklopft?Hegenberg: Zwei oder drei Angebote hatte ich. Aber die habe ich bewusst abgelehnt. Die Plattenfirmen lassen sich ihren Verwaltungsaufwand natürlich auch bezahlen und dann würde eine CD nicht mehr 10, sondern 18 Euro kosten. Und das tue ich den Schülern einfach nicht an.

Stellen Sie daher auch Ihre alten Lieder kostenlos im Netz?Hegenberg (lacht): Die hatte ich noch ziemlich unprofessionell eingespielt. Dafür kann man kein Geld verlangen. Außerdem bin ich ein genügsamer Mensch. Ich bin froh, dass ich vom Singen leben kann. Wenn es noch zehn bis 15 Jahre so weitergeht und ich ein wenig fürs Alter auf die Seite legen kann, dann hatte ich ein erfülltes Leben.