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Ermittler befürchten Rockerkrieg in Berlin

Kiel/Berlin (dpa) Ein führender Ex-Rocker, der als Hauptbelastungszeuge Ermittlungen gegen die Hells Angels beschleunigt hat, muss für mehr als vier Jahre ins Gefängnis. Dieses Urteil fällte das Landgericht Kiel am Donnerstag gegen den früheren Chef der aufgelösten Rockerbande «Legion 81».

Ermittler befürchten Rockerkrieg in Berlin

Die Polizei war am Donnerstag gegen die Rocker ausgerückt. Foto: Nestor Bachmann/Archiv

In Berlin warnte die Staatsanwaltschaft vor einer Eskalation des sogenannten Rockerkriegs.

«Aufgrund der jüngsten Entwicklungen im Rockermilieu befürchten wir, dass es zu einer ganzen Serie erheblicher Straftaten kommt», sagte der Leiter der Task Force Rocker, Jörg Raupach, der «Berliner Morgenpost».

Nach einem Anschlag auf den Chef einer Gruppe der Berliner Hells Angels hat die Polizei jetzt eine erste Beschreibung des möglichen Täters. Ein Zeuge habe einen flüchtenden Mann beobachtet, sagte ein Polizeisprecher. Der 47 Jahre alte Chef der Gruppe Nomads war am Sonntag mit mehreren Schüssen niedergestreckt worden. Seitdem liegt er lebensgefährlich verletzt im Krankenhaus. Vor der Klinik stehen seit Tagen Rocker, um ihren niedergeschossenen Chef zu bewachen.

Die Strafe gegen den Ex-Rocker in Kiel, der zu vier Jahren und vier Monaten verurteilt wurde, lag knapp über der Forderung der Anklagebehörde. Möglich wären bis zu zehn Jahren Haft gewesen. Der 40-Jährige hatte mit den Hells Angels gebrochen und über deren Machenschaften ausgepackt.

Der Prozess gegen den Ex-Rocker mit den Spitznamen «Imperator» und «Kugelblitz» lief seit Mai 2011. Anfangs hielt er sich an den sogenannten Ehrenkodex der Hells Angels und schwieg. Als die Kieler Hells Angels Ende Januar im Zuge einer Großrazzia verboten wurden, die Polizei deren «Kriegskasse» mit noch etwa 40 000 Euro beschlagnahmte und er keine Unterstützung erfuhr, sei sein Mandant verbittert gewesen, sagte der Verteidiger. So sei der Entschluss gereift, auszusagen.

Nach Angaben des Angeklagten war die «Legion 81» Hilfstruppe für die Hells Angels im Drogen- und Waffengeschäft, bei Prostitution, Schutzgelderpressungen und Gewaltdelikten. Den Chef der hannoverschen Hells Angels beschuldigte der 40-Jährige, einen Mord an einem Türken in Auftrag gegeben zu haben. Der Mann wird seit zwei Jahren vermisst.

Die Polizei sucht seit dem 24. Mai dessen Leiche in einer Lagerhalle in Altenholz bei Kiel - bislang ohne Erfolg. Die Lagerhalle wird jetzt komplett demontiert. Mit einem Kran wurde am Donnerstag zunächst das Dach abgetragen. Der Hannover-Boss Frank Hanebuth hatte die Vorwürfe des Kieler Ex-Rockers zurückgewiesen.

Die Anklagebehörde hatte in Kiel nur vier Jahre Haft beantragt. Die beiden Verteidiger plädierten für drei Jahre. Die Anwälte der Nebenklägerinnen - zwei von dem Ex-Rocker brutal drangsalierte Ex-Prostituierte - forderten ein deutlich höheres Strafmaß.

Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski begründete seinen milden Strafantrag damit, dass der 40-Jährige sich vom gewalttätigen Rockermilieu gelöst und mit seinen Aussagen Mitglieder der Rockerbande Hells Angels belastet habe. Dies sei zugunsten des Angeklagten zu werten. «Er ist eine gefährdete Person. Personen, die aussteigen, müssen für sich und ihre Familien mit Lebensgefahr rechnen.» Aus Sicherheitsgründen haben die Behörden den Mann an einem geheimen Ort untergebracht.

Der «Aussteiger» wurde unter anderem wegen Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und Zuhälterei verurteilt. Er muss zusätzlich mit gut zwei weiteren Jahren Gefängnis rechnen, weil die Bewährung einer früheren Strafe widerrufen wird.

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