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Erpresser aus Gelsenkirchen füllte Reinigungsmittel in Aldi-Kaffee - „wahnwitzige Idee“

Aldi-Erpressung

Sein Drohmittel war vergifteter Kaffee, seine Forderung belief sich auf 150.000 US-Dollar: Nach der Erpressung des Lebensmittel-Discounters Aldi muss ein Familienvater (38) nun ins Gefängnis.

Gelsenkirchen

, 08.10.2018
Erpresser aus Gelsenkirchen füllte Reinigungsmittel in Aldi-Kaffee - „wahnwitzige Idee“

„Im Nachhinein war es die schlechteste Idee, die ich je hatte“, sagte der 38-jährige Familienvater im Prozess vor dem Essener Landgericht. Er betonte, er habe bei der Erpressung von Aldi niemanden gefährden wollen. © Jörn Hartwich

Ein Familienvater aus Gelsenkirchen füllte Reinigungsmittel in abgepackten kalten Kaffee und stellte die Becher zurück ins Regal. Dann erpresst er Aldi. Dafür ist er am Montag zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Der Angeklagte hatte zugegeben, zwischen März und April 2018 zwei Becher mit abgepacktem kalten Kaffee geöffnet, mit Reinigungsmitteln versetzt und zurück in die Verkaufsregale zweier Gelsenkirchener Aldi-Filialen gestellt zu haben. Einmal benutzte er einen Kunststoff-Reiniger für Gartenmöbel, einmal ein Duschgel.

Erpresser-Mail über China verschickt

„Im Nachhinein war es die schlechteste Idee, die ich je hatte“, sagte der 38-Jährige im Prozess vor dem Essener Landgericht. Er habe gedacht, dass er so auf sichere Weise zu Geld kommen könnte.

Der Angeklagte hatte zunächst per Email Kontakt zu Aldi aufgenommen. Um seine Spur zu verwischen, hatte er die ersten Erpresserbriefe über einen chinesischen Server verschickt, der keine Rückschlüsse auf den eigentlichen Versender zulässt. Später folgten auch Kurznachrichten und Telefonate.

Festnahme bei der Geldübergabe

Für die Geldübergabe hatte er sich einen Parkplatz an der A2 in Gelsenkirchen ausgesucht. Zuvor war sich auf die Zahlung von 100.000 Euro geeinigt worden – in 20ern und 50ern. Das Geld sollte vor einer Tür in der Lärmschutzwand aus einem fahrenden Auto geworfen worden. Dabei war der Vater von zwei Kindern jedoch sofort festgenommen worden. Aldi hatte die Polizei eingeschaltet, die während der Übergabe offenbar zahlreiche mobile Kräfte im Einsatz hatte.

Der Angeklagte hatte nach eigenen Angaben rund 30.000 Euro Schulden und kein Geld mehr zu Hause. Obwohl der gelernte Bürokaufmann in einem Callcenter rund 1900 Euro netto verdiente, will er am Tattag nur noch 50 Cent im Portemonnaie gehabt haben. „Die Tat war dämlich“, sagte er im Prozess. „Eine wahnwitzige Idee.“

Barcode extra überklebt

Er habe jedoch niemanden gefährden wollen. Er habe sich extra Kaffee ausgesucht, um einen möglichen Verzehr durch Kinder von vorneherein auszuschließen. Außerdem habe er den Barcode durchgestrichen oder überklebt, damit sich spätestens an der Kasse herausstelle, dass etwas nicht stimme.

Aldi hatte die Ware damals sofort komplett aus den betroffenen Supermärkten entfernt. Die kontaminierten Getränke konnten jedoch bis heute nicht sichergestellt werden.

Auf Bewährungsstrafe gehofft

Vor Gericht hatte der 38-Jährige auf eine Bewährungsstrafe gehofft. Das hielten die Richter jedoch für „undenkbar“. Auch, weil die Strafe einen Abschreckungs-Charakter haben müssen. „Der Angeklagte hat das bis zuletzt durchgezogen, obwohl er wusste, dass die Geldübergabe riskant war“, sagte Richter Markus Dörlemann. „Er hat nie locker gelassen.“