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Erste Apotheke Wittens öffnete vor 200 Jahren

Im Jahr 1811

Das neue Jahr bricht an und es lohnt sich, einen Blick 200 Jahre zurück zu werfen. Im Jahr 1811 eröffnete Friedrich Wilhelm Justus Baedeker die allererste Apotheke Wittens an der Hauptstraße.

WITTEN

von Von Lisa Timm

, 01.01.2011
Erste Apotheke Wittens öffnete vor 200 Jahren

Eine Karikatur von Friedrich Wilhelm Justus Baedeker.

Von 1811 bis 1850 leitete Friedrich Wilhelm Justus Baedeker die von ihm gekaufte erste Apotheke in Witten. Er hatte aber noch ganz andere Qualitäten außer der „Quacksalberei“.  Geboren 1788 als Sohn eines Pfarrers in Dahl, gehörte er zur damals weitverzweigten Verleger- und Buchhändlerfamilie Baedeker. Baedeker war viele Jahre Beigeordneter der Stadt Witten und genoss hohes Ansehen.

Der steigende Wohlstand der Stadt Witten durch Bergbau und Eisenwerk kam auch der Apotheke zugute. So konnte Baedeker sich intensiv seinen wissenschaftlichen Neigungen widmen. Denn das war eigentlich seine große Leidenschaft. Bekannt wurde er als Ornithologe (Vogelkundiger) und Oologe (Eierkundiger) und besaß eine große Eiersammlung. Er fertige präzise Zeichnungen von Vögeln und Vogeleiern an, die von seinen Zeitgenossen hoch gelobt wurden. 34 farbige Tafeln in Brehms „Handbuch der Naturgeschichte aller Vögel Deutschlands” stammen von ihm. Auch illustrierte er das Buch “Die Eier der europäischen Vögel, nach der Natur gemalt mit einer Beschreibung des Nestbaus”, welches mit Texten von L. Brehm und W. Pässler 1835-1863 veröffentlicht wurde und ihm in Ornithologen-Kreisen Weltruhm einbrachte. Das Märkische Museum sicherte sich einen dieser Prachtbände für seine Bestände.

Als Maler war Baedeker ein Perfektionist. Fast 20 Jahre lang vervollkommnete er seine Kunst und verbrannte die dabei entstandenen Werke, wenn sie seinen Ansprüchen nicht genügten. Erst dann traute er sich mit seinen Vogelbildern an die Öffentlichkeit, die begeistert reagierte. Nebenher war Baedeker auch ein Sammler seltener Pflanzen und pflegte einen wohlbestellten Apothekergarten. Die letzten anderthalb Jahre war Baedeker durch einen Schlaganfall an den Sessel gefesselt. Immer auf Genesung hoffend, blieb er auch in dieser Zeit ornithologisch tätig, nur zeichnen und malen konnte er nicht mehr. Was er zu seinen Studien benötigte, ließ er sich herantragen, und selbst in seinem Schlafzimmer wurde noch ein Schrank mit kalifornischen Vögeln aufgestellt.

Doch die Kräfte kehrten nicht mehr zurück; am 21. April 1865, im Alter von 78, starb er. Nach Berichten der Zeitgenossen war Badeker ein ernster, verschlossener Mann – eigenwillig im Handeln und besessen von seinen Ideen. Im Beruf war er tüchtig und zuverlässig, im Gemeinwesen seiner Heimatstadt wirkte er viele Jahre erfolgreich mit. Unter den Mitbürgern genoss er hohes Vertrauen und wurde als Ratgeber geschätzt. Bei allem aber zeichnete ihn stets eine große Bescheidenheit aus. Die Stadt Witten benannte eine Straße und eine Schule nach ihm.