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Justizminister: Absprache möglich

Erste Spur nach Kölner Übergriffen in Silvesternacht

KÖLN Waren die Übergriffe von Köln und Hamburg eine abgesprochene Sache? Bundesjustizminister Maas hält das zumindest für möglich. Die Polizei muss sich gegen heftige Kritik wehren. Zu spät habe sie auf die Anzeigen reagiert. Darunter ist inzwischen eine zweite wegen Vergewaltigung.

Erste Spur nach Kölner Übergriffen in Silvesternacht

Nach den Übergriffen auf Frauen weiß die Kölner Polizei noch nicht, wer die Täter sind. Die extra für den Komplex eingerichtete Ermittlungsgruppe will weiteres Videomaterial sichten und vorliegende Aufzeichnungen auswerten. Foto: Oliver Berg/Archiv

Die neuesten Entwicklungen im Überblick:

  • In der Silvesternacht kam es in Köln rund um den Hauptbahnhof zu massiven Übergriffen auf Frauen.
  • Drei mutmaßliche Täter wurden ermittelt, aber noch nicht festgenommen.
  • Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Kölner Polizei für ihr Einsatzverhalten in der Silvesternacht scharf kritisiert.
  • Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat sich gegen die Kritik an ihren Verhaltenstipps für Frauen nach den Übergriffen von Köln verteidigt

Nach den Übergriffen auf Dutzende Frauen in Köln und Hamburg hat die Polizei eine erste Spur. Drei mutmaßliche Täter wurden nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD) ermittelt, festgenommen wurde aber niemand. Die Männer könnten zu einer größeren Gruppe gehören, die in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof Frauen belästigt, misshandelt und ausgeraubt haben soll.

Mittlerweile gibt es über 100 Anzeigen. „Darunter sind zwei Anzeigen, in denen ein Tatbestand der Vergewaltigung angezeigt worden ist“, sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers am Mittwoch dem Radiosender WDR 5.

Unterdessen prüft die Polizei eine mögliche Absprache vor den Übergriffen in Köln und ähnlichen Vorfällen in Hamburg. „Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein,“ sagte Bundesjustizminister Heiko Maas am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. „Es wäre schön, wenn das keine Organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren.“ So etwas geschehe nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken.

Sexuelle Übergriffe auch in Hamburg

In Hamburg auf der Reeperbahn wurden Frauen nach Polizeiangaben jeweils von mehreren Männern umringt und an der Brust oder im Intimbereich begrapscht. Der Hamburger Polizeivizepräsident korrigierte am Mittwoch frühere Angaben, wonach die Frauen übereinstimmend von arabischsprachigen Tätern gesprochen hatten. Zeugenaussagen hätten ergeben, dass die Übergriffe nur zum Teil von arabischsprachigen Männern ausgingen.

KÖLN/BERLIN „So kann Polizei nicht arbeiten“: Ungewöhnlich deutliche Worte findet der Bundesinnenminister für den Einsatz der Beamten nach den Kölner Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht. Justizminister Maas warnt vor Pauschalisierungen.mehr...

Inzwischen gingen nach Polizeiangaben in Köln mehr als 100 Anzeigen von mutmaßlichen Opfern ein, davon haben drei Viertel einen sexuellen Hintergrund. „Viele Frauen geben in den Gesprächen an, dass sie auch angefasst wurden“, sagte eine Polizeisprecherin. Zwei Drittel der Opfer seien zum Feiern in die Domstadt gereist, hieß es. Augenzeugen und Opfer hatten nach den Übergriffen ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft. Die Polizei spricht von einer sehr schwierigen Beweisführung. Das liege vor allem an der „Gemengelage“ in der Silvesternacht.

DORTMUND Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in Köln in der Silvesternacht sind jetzt auch Fälle in Dortmund bekannt geworden. Tatorte sind der Bereich am Hauptbahnhof und die Kampstraße. Die Polizei weiß allerdings nur von zwei Vorfällen. Sie geht von weiteren Opfern aus und bittet um Anzeigen.mehr...

Vor allem Polizei und Stadtspitze standen auch am Mittwoch in der Kritik. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bemängelte in den ARD-„Tagesthemen“ den Einsatz der Kölner Beamten: „Da wird der Platz geräumt - und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten.“ Die Kölner Polizeiführung räumte zwar ein, am Neujahrsmorgen falsch über die Ereignisse der Nacht berichtet zu haben. 

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In einer Erklärung hatte sie die Lage zunächst als recht entspannt beschrieben und sich selbst gelobt. Kritik am Einsatz wies sie allerdings zurück. „Wir waren nicht überfordert“, sagte Polizeipräsident Wolfgang Albers. Das ganze Ausmaß der Vorfälle sei erst später klar geworden. Einen Rücktritt schließt Albers aus. Auf die Frage, ob er im Amt bleibe, sagte er am Mittwoch in einem Interview auf WDR 5: „Aber natürlich. Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt.“

Auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) muss sich gegen Vorwürfe wehren. Sie zog mit einer Verhaltensempfehlung an Frauen Spott im Internet auf sich. „Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft“, hatte sie vor Journalisten auf die Frage geantwortet, wie man sich als Frau besser schützen könne. Unter dem Hashtag #einearmlaenge häuften sich daraufhin spöttische Kommentare. Justizminister Maas schrieb auf Twitter: „Nicht Frauen tragen Verantwortung, sondern Täter.“

Oberbürgermeisterin Reker wehrt sich gegen Kritik 

Reker wehrte sich gegen die Kritik an ihren Verhaltenstipps für Frauen. „Durch die verkürzte Darstellung in einzelnen Medien ist teilweise der Eindruck entstanden, meine Präventionsinitiativen würden sich ausschließlich auf Verhaltenstipps für Frauen und Mädchen beschränken“, erklärte sie am Mittwoch. Davon könne gar keine Rede sein. Vielmehr habe sie auf eine gezielte Nachfrage hin versucht, auf bereits vorhandene Präventions- und Beratungsangebote in Köln hinzuweisen. „Nur ein Beispiel ist das Aktionsprogramm „Partysicherheit für junge Frauen““, teilte Reker mit. Vorrang habe natürlich, die Sicherheit auf Kölns Straßen und Plätzen herzustellen.

Reker hatte bei einer Pressekonferenz auf die Frage, wie sich Frauen schützen können, unter anderem gesagt, es gebe „immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft“. Unter dem Hashtag #einearmlaenge wurde sie dafür in den sozialen Netzen kritisiert.

Von dpa

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