Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Es herrscht Unsicherheit

BOCHUM Der Konflikt in Georgien beherrscht die Medienlandschaft. Einer, der ganz nah dran war an den Geschehnissen, kann nun von seinem Aufenthalt in Georgien berichten. Am Donnerstag ist Prof. Thomas Stöllner (Foto) nach Bochum zurückgekehrt.

von von Nina Vogt

, 15.08.2008

 

Der Montanarchäologe des Deutschen Bergbau-Museums leitet dort mit dem Archäometallurgen Prof. Andreas Hauptmann ein Grabungsprojekt, bei dem die Wissenschaftler in Sakdrissi auf ein Bergwerk gestoßen sind, in dem schon vor 5000 Jahren nach Gold gegraben wurde (wir berichteten).

Herr Stöllner, wie lange waren Sie jetzt in Georgien?

Stöllner: Seit dem 10. Juli. Eigentlich wollten wir bis zum 26.8. bleiben. Die deutsche Botschaft hat uns aber geraten, das Land zu verlassen. Dem Rat sind wir mit etwas Zeitverzögerung gefolgt. Wir waren ja im Südosten, wo es keine Kämpfe gab.

Was haben Sie von den Kämpfen mitbekommen?

Stöllner: Wir haben mit den georgischen Kollegen die Nachrichten verfolgt, haben schnell gewusst, dass es in Südossetien Kämpfe gibt. Das besorgt einen natürlich. Unsere Gruppe war deswegen nicht panisch. Bedrohung bestand für uns zu keinem Zeitpunkt. Aber man ist in dieser Medienschlacht: Es gibt ständig neue und unterschiedliche Meldungen - über E-Mails, Handys, Nachrichten. Wir waren verunsichert.

Sie haben ja auch zum Nationalmuseum in Tiflis Kontakte. Wie reagieren die Mitarbeiter dort?

Stöllner: Viele der Archäologen, die dort arbeiten, haben die russische oder die sowjetische Zeit noch mitbekommen, bürgerkriegsähnliche Zustände. Sie haben den Aufbau des Landes miterlebt. Sie fürchten, dass es solche Zeiten wie früher nun wieder geben könnte. Das ist für die Leute schrecklich.

Wie ist die Einstellung der georgischen Kollegen zu den Kämpfen?

Stöllner: Es wird viel diskutiert. Es ist im Moment schwierig. Der Pulverrauch muss sich jetzt erst einmal verziehen, damit man sieht, was eigentlich die Hintergründe der Kämpfe waren. Auf jeden Fall wünscht sich keiner der Kollegen eine russische Dominanz zurück. Sie wünschen sich Unabhängigkeit, Stabilität und Frieden.

Wie geht es mit Ihrem Grabungsprojekt weiter?

Stöllner: Andreas Hauptmann wird wahrscheinlich im September noch einmal nach Georgien reisen. Wir hoffen, dass er das machen kann, damit er die Bebohrung von Metalllagerstätten und Metallen weiter durchführen kann. Wir werden dann unsere Partner hier nach Deutschland holen, um mit ihnen im Winter die Auswertung der Feldarbeiten durchzuführen. Und dann planen wir die nächste Grabungskampagne - sofern es die Sicherheitslage zulässt.

Interview: Nina Vogt