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Esther Cremer beim Heimspiel unter Druck

Leichtathletik-DM

Esther Cremer (TV Wattenscheid) stürmte beim internationalen Leichtathletik-Meeting in Rehlingen über 400 m mit ihrer neuen persönlichen Bestzeit von 51,76 Sekunden zur Norm für die Europameisterschaften in Helsinki. Die 24-jährige Viertelmeilerin könnte daher gelassen der Deutschen Meisterschaft am kommenden Wochenende (16./17.) in Wattenscheid entgegensehen. Doch weit gefehlt.

WATTENSCHEID

13.06.2012
Esther Cremer beim Heimspiel unter Druck

Esther Cremer vom TV Wattenscheid freut sich trotz der hohen Erwartungen auf das Heimspiel in der Lohrheide.

Esther Cremer kann eine gewisse Anspannung vor den Titelkämpfen in der Lohrheide nicht leugnen: "Wenn Deutsche Meisterschaften im eigenen Stadion durchgeführt werden, ist das etwas Besonderes, denn bei den lokalen Athletinnen und Athleten ist die Erwartungshaltung deutlich höher. Daher stehe ich schon unter einem gewissen Druck."

Zusätzliche Kräfte

Die Studentin der Umwelttechnik wird mit einer großen Fan-Gruppe im Lohrheide-Stadion erscheinen, denn ihre Familie, ihre Freunde, die Mitbewohnerinnen ihrer WG sowie ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen haben sich angesagt. "Das Publikum hat schon einen gewissen Einfluss auf die Sportlerinnen und Sportler. Ich habe das zum ersten Mal bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin erlebt, als wir, von den Zuschauern mitgetragen, in der 4x400m-Staffel auf Platz fünf liefen. Wenn die Stimmung im Stadion gut ist, setzt das auf jeden Fall zusätzliche Kräfte frei," erläutert Cremer, die 2011 bei der DM in Kassel auf der Stadion-Runde in 52,08 Sekunden erfolgreich war.

"Mein Ziel ist eine erfolgreiche Titelverteidigung. Wenn ich dann noch die Olympianorm von 51,20 Sekunden unterbieten sollte, wäre das eine tolle Zugabe, aber die Zeit ist ganz schön happig," betont Esther Cremer.

Unabhängig von einem Unterbieten der 51,20 Sekunden hat die Wattenscheiderin das Olympia-Ticket schon so gut wie sicher, denn im Hinblick auf London hat sie ihre Hauptoption in der 4x400-m-Staffel. "Sicher ist natürlich nichts," schränkt sie jedoch ein, "aber unter die besten Vier müsste ich bei der Meisterschaft auf jeden Fall kommen, und das wird für die Staffel reichen. "Meine augenblickliche Form ist so gut, weil ich problemlos durch die Vorbereitung gekommen bin."

Das Olympiajahr hätte für die Wattenscheiderin eigentlich gar nicht besser beginnen können. Bei der Hallen-DM in Karlsruhe verbesserte sie sich bei einem tollen Sololauf auf erstklassige 52,57 Sekunden und unterbot damit deutlich die Norm für die Hallen-Weltmeisterschaften in Istanbul. Auf diese Titelkämpfe verzichtete Cremer jedoch, um sich ganz auf die beiden Highlights im Sommer zu konzentrieren.

Zuerst beim Fechten

Die erfolgreiche Langsprinterin, die 2010 auch Deutsche Meisterin über 200 m war, sammelte ihre ersten sportlichen Erfahrungen beim Fechten, doch bereits nach zwei Jahren verließ sie die Planche, weil sie in dieser Sportart keine größeren Wettkampfambitionen verfolgte. "Ich finde Fechten vom Bewegungsablauf recht elegant. Daher wollte ich es unbedingt einmal erlernen," begründete die gebürtige Kölnerin ihr Interesse. Zur Leichtathletik kam sie im Alter von 16 Jahren über den Sprintcup der Schulen. Talentsichter des ASV Köln luden sie ein. 2006 wechselte sie von Köln nach Wattenscheid, wo sie zurzeit mit drei anderen jungen Damen in einer WG lebt. Ihre Mitbewohnerinnen sind allerdings keine Leichtathletinnen. "Darauf habe ich bewusst Wert gelegt, denn sonst würde der Sport Hauptgesprächsthema sein."

Die Schülerin von TV-01-Coach Slawomir Filipowski studiert an der Ruhr- Universität in Bochum Umwelttechnik und Ressourcenmanagement. Allerdings hat sie wegen ihrer großen Herausforderungen im Sport ihr Studium im Olympiajahr unterbrochen, wird es aber 2013 mit dem Schreiben ihrer Bachelor-Arbeit wieder aufnehmen.