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Estnische Kunst und deutscher Expressionismus

Tallinn. Den Expressionisten der Künstlergruppen „Brücke“ und „Der Blaue Reiter“ widmet sich eine Ausstellung in Tallinn. Deren Werke spielten auch für Estlands Kunstwelt eine wichtige Rolle, meint die Kuratorin.

Estnische Kunst und deutscher Expressionismus

Kuratorin Liis Pählapuu neben einem Selbstporträt (1923) von Jaan Vahtra (1882-1947). Foto: Alexander Welscher

Mit der Ausstellung „Die Wilden Deutschlands. Expressionisten der Brücke und des Blauen Reiters“ gibt das Estnische Kunstmuseum Kumu einen Einblick in das künstlerisches Schaffen bekannter deutscher Maler.

Beleuchtet werden in der Schau auch die daraus hervorgehenden Entwicklungen in der estnischen Kunst. „Gezeigt werden soll der Expressismus als ein sehr dynamisches Phänomen, der  so viele Gesichter hat, dass sein Einfluss bis nach Estland gereicht hat“, sagte Kuratorin Liis Pählapuu der Deutschen Presse-Agentur in Tallinn.

Frage: Worum geht es bei der Ausstellung? 

Antwort: Das Ziel der Ausstellung ist, diese sehr berühmten Gruppen zu vereinen, um zu sehen, was sie gemeinsam haben, und die Themen, die sie teilen. Wir haben dazu auch estnische Kunst hinzugefügt. Gezeigt werden soll der Expressismus als ein sehr dynamisches Phänomen, der  so viele Gesichter hat, dass sein Einfluss bis nach Estland gereicht hat. Dies ist in der europäischen Kunstgeschichte nicht so bekannt.

Frage: Was ist das verbindende Element zwischen den ausgestellten  deutschen und den estnischen Künstlern?

Antwort: Ich denke, es gibt viele Verbindungen. Eine davon ist, wie  sie angefangen haben. Sehr viel ging es darum, Naturlandschaften zu entdecken, in direktem Kontakt sozusagen mit der Natur zu stehen. Erstmals mit der expressionistischen Schaffensweise in Berührung kamen die estnischen Künstler bei ihren Reisen etwa nach Norwegen. Und das war auch bei den deutschen Gruppierungen der Fall - mit ihren Treffen in der Natur und mit den Orten und Landschaften, die sie sich zu entdecken aufmachten.

Frage: Und welche Unterschiede bestehen? 

Antwort: Die Hauptphase des Expressionismus in der estnischen Kunst ist hauptsächlich nach dem Ersten Weltkrieg bis Mitte der 1920er Jahre. Dadurch reicht er zeitlich etwas weiter und gibt auch die  sozialkritische Seite der zweiten Welle des Expressionismus wieder, die auch Estland erreicht hat. Diese Ideen wurden hier auch von unseren Künstlern entwickelt. Impulse erhielten sie aber bereits viel früher, als sie an verschiedene Orte in Europa reisten.

Frage: Gab es auch persönliche Verbindungen? 

Antwort: Ja. Während des Ersten Weltkriegs und danach knüpften Esten direkt Kontakt mit deutschen Künstlern. Viele reisten nach Deutschland. Ado Vabbe etwa ging nach München und studierte an der gleichen Kunstschule wie Kandinsky, Eduard Wiiralt besuchte damals  die Kunstakademie Dresden. Umgekehrt kamen auch deutsche Künstler wie Georg Kind und Magnus Zeller nach Estland und lehrten an der Pallas Kunstschule in Tartu.

ZUR PERSON: Die Kunsthistorikerin Liis Pählapuu ist Kuratorin am Estnischen Kunstmuseum Kumu in Tallinn. Die Estin konzipierte mit den deutschen Kunst-Experten Detmar Westhoff und Eva Knels die Schau „Die Wilden Deutschlands. Expressionisten der Brücke und des Blauen Reiters“.

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