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Vor Griechenland-Wahl

Europa zittert vor der Währungskrise

ATHEN Nervös schaut Europa auf die Parlamentswahl an diesem Sonntag in Griechenland. Von der Entscheidung der Griechen hängt nach Ansicht vieler Analysten ab, ob das Land in der Eurozone bleibt. Verabschiedet sich Griechenland von der Einheitswährung, könnte eine Währungskrise ganz Europa erschüttern.

Europa zittert vor der Währungskrise

Straßenhändler in Athen: Drachme oder Euro? Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Gegnern und Befürwortern des Sparpakets wird erwartet. Foto: Emily Wabitsch

Angesichts einer drohenden Staatspleite stehen die knapp 9,7 Millionen Wahlberechtigten vor einer Richtungswahl. Nach letzten Umfragen deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der konservativen Nea Dimokratia (ND) und dem Bündnis der radikalen Linken (Syriza) ab.

Die Konservativen sind klar für einen Verbleib im Euroland - das Sparprogramm wollen sie aber lockern. Der Chef der Linken, Alexis Tsipras, meinte dagegen: «Der Euro ist für uns kein Fetisch». Der Vorsitzende der Konservativen, Antonis Samaras, will daran nicht denken: «Wir werden niemandem erlauben, mit der Zukunft unseres Landes zu spielen und uns aus dem Euroland herauszuführen», sagte er am späten Freitagabend bei seiner Wahlkampf-Abschlussrede in Athen.Presse-Stimmen: "Euro oder Drachme"

Entsprechend zwiespältig war das Bild in der griechischen Presse am Samstag. Überzeugt von dem Sieg der Linken schrieb das Parteiblatt des Linksbündnisses Syriza, das Volk werde «dem korrupten System ein Ende bereiten». Eine neue «gerechte und solidarische Gesellschaft sei im Kommen». Die Zeitung der politischen Mitte, «Ta Nea» titelte: «Euro oder Drachme» - dies sei das Dilemma. Darunter druckte das Blatt zwei Münzhälften, eine des Euro und eine der alten Währung, der Drachme. In einem Kommentar hieß es, es wäre schade, wenn Griechenland ausgerechnet jetzt, wo die Stimmung in Europa sich gegen rigides Sparen wende, die Eurozone verlasse. Die konservative Zeitung «Kathimerini» meint, es werde am Sonntag ein Wettstreit zwischen den Konservativen und der Linken geben. Boulevardzeitungen machten Panik - am Montag werde es eine «Volksrevolution» geben.

Die Finanzmärkte waren vor der Wahl nervös, weil der Wahlausgang und die Folgen für die Weltwirtschaft schwer einzuschätzen sind. Auch wenn es offiziell keine Bestätigungen dafür gibt: Notenbanken und Politik stehen wohl bereit, um auf einen möglichen Absturz der Märkte schnell reagieren zu können. Jedoch wollte die Europäische Zentralbank (EZB) Berichte nicht bestätigen, die wichtigsten Notenbanken der Welt planten ein gemeinsames Vorgehen im Falle von Marktturbulenzen. «Kein Kommentar», hieß es bei der EZB in Frankfurt.Ultrarechte könnten ins Parlament einziehen

Das neu gewählte Parlament in Athen muss über Einsparungen in Höhe von knapp 11.5 Milliarden Euro entscheiden. Für die europäischen Geldgeber ist dies die Voraussetzung für weitere Unterstützung und den Verbleib Griechenlands im Euroland. Zur Wahl treten 21 Parteien an. Acht haben gute Chancen, die Drei-Prozent-Hürde zu überspringen und ins Parlament einzuziehen, unter ihnen auch die rassistische, ausländerfeindliche und ultrarechte Partei Goldene Morgenröte.

Das Wahlsystem ist eine Mischung aus einfacher und verstärkter Verhältniswahl, bei der die politisch stärkste Kraft begünstigt wird. 250 der 300 Sitze im Parlament werden per einfacher Verhältniswahl verteilt. Die stärkste Partei bekommt dann einen Bonus von 50 Sitzen.

Die Abstimmung beginnt um 07.00 Uhr Ortszeit (06.00 MESZ). Die Wahllokale sollen um 19.00 Uhr Ortszeit (18.00 Uhr MESZ) schließen. Unmittelbar danach gibt es eine Prognose auf der Grundlage von Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe. Mit ersten Hochrechnungen wird gegen 19.30 MESZ gerechnet. Wahlexperten erwarten jedoch eine lange Nacht, weil mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zu rechnen ist und keine Partei allein eine Mehrheit im Parlament erreichen dürfte.

Homepage Partei Nea Dimokratia (in Griechisch)

Homepage Bündnis der radikalen Linken (in Griechisch)

Homepage Panhellenische Sozialistische Bewegung (in Griechisch)

Homepage Kommunistische Partei Griechenlands (in Englisch)

Homepage Partei Unabhängige Griechen (in Griechisch)

Homepage Demokratische Linke (in Griechisch)

Homepage Partei Goldene Morgenröte (in Griechisch)

Informationen für Wähler (in Griechisch)

Rede Draghi

EZB-Maßnahmen für Banken

EZB zu Staatsanleihenkäufen

Rechtlicher Rahmen der EZB

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