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Evakuierung: Ordnungsamt musste Widerspenstige zum eigenen Schutz zwingen

WITTEN Bomben-Entschärfungen habe er ja schon viele erlebt, sagt Gerald Klawe vom Ordnungsamt, aber keine, bei der sich so viele Anwohner weigerten, ihre Wohnung aus Sicherheitsgründen zu verlassen. Da mussten die 25 Trupps von Ordnungsamt und Polizei, die am Montag die Evakuierung umsetzten, ziemliche Überredungsarbeit leisten.

von Von Lisa Timm

, 20.08.2008
Evakuierung: Ordnungsamt musste Widerspenstige zum eigenen Schutz zwingen

Heinz Gerlowski kritisiert die mangelnde Verpflegung während der Wartezeit im Saalbau.

Und wer dann noch hartnäckig blieb, „der musste mit sanftem Druck überredet werden“, sagt Gerald Klawe. „Das war für uns eine ganz neue Erfahrung.“

Polizeipressesprecher Volker Schütte erklärte sich das Verhalten der Leute mit dem Misstrauen gegenüber Fremden an der Tür. So machten seine Kollegen während der Evakuierung die Beobachtung, dass die meisten nach Rückversicherung bei der Polizei dann auch sofort überzeugt werden konnten. „Sobald neben den Zivilisten vom Ordnungsamt eine Uniform auftauchte, waren die Misstrauischen von der Glaubwürdigkeit der Maßnahme schnell überzeugt“, so Schütte. „Und ganz so viele Fälle waren das auch gar nicht“, fügt er hinzu.

„Ein gutes Dutzend“, schätzte Gerald Klawe vom Ordnungsamt. Und weil jeder von ihnen laut §14 des Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes zum eigenen Schutz in Gewahrsam hätte genommen werden können, dauerte die Überzeugungsarbeit teilweise recht lang. Das führte dazu, dass sich für die rund 600 Wartenden im Saalbau die Zeit unnötig in die Länge zog. Eigentlich hatten sie damit gerechnet nach höchstens zwei Stunden erlöst zu sein und wieder in ihre Wohnungen rückkehren zu können. Doch es dauerte eineinhalb Stunden länger. Weil damit keiner gerechnet hatte, war die schnell herbeigeholte Feldküche erst viel zu spät einsatzbereit. Das kritisierten die Anwohner Heinz Gerlowski und Ralf Lehnert, die bei Leidensgenossen erlauschten, dass manch einer sein Abendessen vermisste. „Das einzige, was verfügbar war, waren Getränke und Gummibärchen“, so Gerlowski.