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Evonik-Chef Müller tritt zurück

Essen (dpa) Der Chef des Industriekonzerns Evonik, Werner Müller, tritt überraschend zum Jahresende zurück.

Evonik-Chef Müller tritt zurück

Evonik-Chef Werner Müller gilt als durchsetzungsstarker und pragmatischer Mann des Ruhrgebiets.

Das Präsidium des Aufsichtsrates habe einer Bitte des früheren Bundeswirtschaftsministers um Vertragsauflösung zugestimmt, bestätigte das Essener Unternehmen am Mittwoch. Nachfolger wird der jetzige Chef der Chemiesparte, Klaus Engel (52). Der Aufsichtsrat will die Personalie am 16. September in einer Sitzung besiegeln.

Evonik ist aus dem RAG-Kohlekonzern hervorgegangen und gilt mit seinen drei Sparten Chemie, Energie und Immobilien nach dem für die nächsten Jahre angestrebten Börsengang als DAX-Kandidat. Das Unternehmen beschäftigt rund 43 000 Menschen. Am Nachmittag übermittelte Müller den Mitarbeitern die Nachricht in einer Videobotschaft.

Der Vertrag des 62 Jahre alten Müller läuft eigentlich noch bis 2011. Er wolle die Vorbereitung des Börsengangs aber bereits dem Nachfolger überlassen, damit dieser beim Amtsantritt keine von anderen gestaltete Lösung vorfinde, hieß es. Hinzu kämen persönliche Gründe nach 40 Jahren in Führungspositionen mit hohem Arbeitsaufwand. «Ich beherzige die Weisheit: Gehe, wenn es am schönsten ist», sagte Müller.

Der Evonik-Chef hatte mit seinem Konzept der Trennung des Industriekonzerns aus Chemie, Energie und Immobilien von den Zechen der alten RAG die Grundlage für ein sozialverträgliches Ende des hochdefizitären deutschen Steinkohlebergbaus gelegt. Wenn voraussichtlich 2018 die letzte Zeche schließt, werden die milliardenschweren Dauerlasten des Bergbaus über eine Stiftung aus dem Erlös des Evonik-Börsengangs finanziert. Die fünf Jahre bei der RAG und Evonik seien die größte Herausforderung in seinem Berufsleben gewesen, sagte Müller. Aufsichtsratschef Wilhelm Bonse-Geuking lobte Müllers Weitsicht und Einsatz. Mit dem Stiftungsmodell habe er dem ganzen Ruhrgebiet eine neue soziale und wirtschaftliche Perspektive gegeben.

Der ehemalige Minister (1998-2002) zu rot-grünen Regierungszeiten hatte 2003 den Vorstandsvorsitz der damals noch deutlich größeren und stark zersplitterten RAG AG übernommen. In eineinhalb Jahren hatte er 280 konzerneigene Firmen mit einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro ohne betriebsbedingte Kündigungen abgegeben und zugleich mit der Übernahme von 50,1 Prozent der traditionsreichen Degussa den Grundstein für die heutige ertragreiche Chemiesparte gelegt. 2006 wurde Degussa ganz gekauft und von der Börse genommen. Vom Evonik- Umsatz von 14,4 Milliarden Euro (2007) entfallen etwa drei Viertel auf die mit Abstand wichtigste Sparte.

Anfang Juni dieses Jahres hatte der britische Finanzinvestor Capital Partners (CVC) 25,01 Prozent von Evonik für den unerwartet hohen Preis von 2,4 Milliarden Euro übernommen. Dies wurde auch als Erfolg Müllers gewertet. «Wir sind am Kapitalmarkt angekommen», hieß es in der Botschaft an die Mitarbeiter. Andererseits hat Müller sein wohl wichtigstes persönliches Ziel nicht erreicht: Chef der Kohle- Stiftung wurde unter anderem wegen Widerstandes aus der NRW- Landesregierung nicht Müller, sondern Bonse-Geuking.

Er habe nach Müllers Rücktrittsgesuch auch sehr schnell den Chemiker Engel als Nachfolger vorgeschlagen worden, hieß es aus dem Unternehmen. Engel gilt als durchsetzungsstarker und pragmatischer Mann des Ruhrgebiets mit einer Stärke für den Vertrieb. Der gebürtige Duisburger hatte sich mit der geräuschlosen und erfolgreichen Integration des Spezialchemieunternehmens Degussa in den RAG-Konzern seit 2006 für den Spitzenjob qualifiziert.

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