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Experten: Wirtschaftängste sind unbegründet

Frankfurt/Main (dpa) Nach dem Dämpfer im zweiten Quartal mehren sich die Sorgen um die deutsche Wirtschaft - doch Wirtschaftspolitiker und Ökonomen beschwichtigen:

Experten: Wirtschaftängste sind unbegründet

Noch brummt die deutsche Wirtschaft, sagen Experten, und sie warnen vor Panik.

Die Lage am Arbeitsmarkt werde sich weiter verbessern, die Unternehmen seien wettbewerbsfähig, die Wirtschaft auch für einen möglichen Abschwung gut gerüstet.

«Tatsächlich haben die Risiken deutlich zugenommen. Es besteht aber kein Grund zur Panik. Die deutschen Unternehmen sind weiter ungemein wettbewerbsfähig», sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos dem «Handelsblatt» (Freitag). «Ich erwarte für Deutschland keine Rezession, sondern eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.» Im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft erstmals seit knapp vier Jahren geschrumpft: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging real um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zurück.

In der Bevölkerung schüren solche Zahlen - gepaart mit der Sorge um weiter steigende Energie- und Lebensmittelpreise - Ängste: Dem jüngsten ZDF-Politbarometer zufolge denken inzwischen 45 (Juni: 26) Prozent der Befragten, dass es mit der Wirtschaft wieder abwärtsgeht - so viele wie seit gut fünf Jahren nicht mehr. Lediglich noch 14 (26) Prozent sehen demnach die deutsche Wirtschaft im Aufschwung und 40 Prozent erwarten keine großen Veränderungen. Im Juni meinten jeweils 26 Prozent, dass es ab- beziehungsweise aufwärtsgeht.

Doch Fachleute meinen: Beispielsweise die Lage auf dem Arbeitsmarkt werde sich trotz der aktuellen Konjunkturdelle weiter entspannen. «Zum einen hilft die demografische Entwicklung, da das Angebot an Arbeitskräften sinkt, bei einer weiterhin hohen Nachfrage der Unternehmen», sagte der Konjunkturchef des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), Udo Ludwig, der «Berliner Zeitung» (Freitag). Zum anderen gehe das Institut davon aus, dass die Konjunktur Anfang kommenden Jahres wieder etwas anziehen werde. Das IWH erwartet, dass die Zahl der Arbeitslosen 2009 um 100 000 auf 3,14 Millionen im Jahresdurchschnitt sinken wird.

Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank- Jürgen Weise, rechnet mit weiter sinkende Arbeitslosenzahlen. «Zwar lässt die Dynamik auch am Arbeitsmarkt nach, wir rechnen aber trotzdem für 2009 noch mit leicht besseren Zahlen als in diesem Jahr», sagte Weise der «Financial Times Deutschland» (FTD/Freitag). Im Juli 2008 waren in Deutschland 3,21 Millionen Männer und Frauen arbeitslos gemeldet - 50 000 mehr im Vormonat, aber gut 505 000 weniger als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Punkte auf 7,7 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte sie bei 8,9 Prozent gelegen.

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup hält die deutsche Wirtschaft insgesamt für robust: «Die deutsche Wirtschaft ist nicht auf Rezessionskurs. Die Konjunktur wird sich zwar merklich abschwächen, aber nicht einbrechen», sagte er der «Bild»-Zeitung (Freitag). Auch für einen möglichen Abschwung sieht Rürup die deutsche Wirtschaft gut gerüstet: Die Unternehmen seien wesentlich wettbewerbsfähiger geworden - etwa «durch die vernünftige Lohnpolitik, die Steuerreformen und die Reformen am Arbeitsmarkt», sagte Rürup.

Auch der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hält den Arbeitsmarkt «bei allen düsteren Aussichten» immer noch für einen «Lichtblick», wie er in einem am Freitag vorab veröffentlichten Gastbeitrag für die «WirtschaftsWoche» formuliert. Sinn kündigte jedoch an, das ifo-Institut werde seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland im laufenden Jahr deutlich senken: Von - vergleichsweise hohen - 2,4 Prozent vermutlich auf etwa 2 Prozent. Für 2009 rechne das Institut unverändert mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. Die Bundesregierung rechnet für das Gesamtjahr 2008 mit 1,7 Prozent Wachstum - das wäre das dritte Jahr in Folge mit einem starken Wachstum nach 2,9 Prozent im Jahr 2006 und 2,5 Prozent im Jahr 2007.

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