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Explosive Stimmung bei Galladé - die Zeit läuft

WITTEN Das Warten auf Rettung stellt die Nerven der Belegschaft der angeschlagenen Autozulieferers Galladé vor eine Zerreißprobe. Die Angst um den Arbeitsplatz wiegt schwer. Und dann fehlt auch noch die Lohnüberweisung auf dem Konto.

von Von Susanne Linka

, 02.10.2007
Explosive Stimmung bei Galladé - die Zeit läuft

Wittens IG-Metall-Chef: Manfred Müller.

"Das Damoklesschwert der Insolvenz hängt über uns. Alls sind sehr besorgt und haben Angst um ihre Arbeitsplätze - und das ist ja auch nicht unbegründet", vermittelt Betriebsratsvorsitzender Frank Ellerkamp einen aktuellen Eindruck von der Stimmung der Belegschaft im Galladé-Werk am Hellweg.

Mittlerweile zeichnet sich ab, dass u. a. auch ein denkbarer Partner aus der Automobilindustrie Interesse daran hat, sich in das angeschlagene Unternehmen einzukaufen. Es soll aber auch Finanzinvestoren geben, die über eine Beteiligung nachdenken.

Nervöse Belegschaft

Während die Verhandlungen laufen, steigt die Nervosität in der Belegschaft, die nun schon seit zwei Jahren - mit Unterbrechungen - unter der Krise des Arbeitgebers leidet. Die Löhne und Gehälter kommen schleppend, doch Mieten und andere Zahlungsverpflichtungen der Beschäftigten-Haushalte dulden keinen Aufschub.

"Automobilhersteller wie DaimlerChrysler und VW haben in dieser Zeit zu uns gestanden und uns mit Material für die Produktion versorgt", sieht Frank Ellerkamp in ihnen verlässliche Partner. Von ihnen hängt die Zukunft des Unternehmens auch weiter ab: "Wir produzieren in vollem Umfang. Noch sind alle bereit zum Mitziehen", sagt der Betriebsratsvorsitzende.

Nur: "Wie lange noch?" Seit 2005 der Sanierungstarifvertrag in Kraft getreten ist, habe sich eine dramatische Verschlechterung ergeben. Das wirft der Wittener IG Metall-Chef Manfred Müller der Galladé-Geschäftsführung auch vor: "Man hätte sofort mit der Suche nach einem neuen Investor beginnen müssen."

"Noch kein konkretes Angebot"

Bis Monatsende möchte Ulrich Galladé seine Investorengespräche nach vielfachem Bekunden zum Abschluss bringen: "Wir haben aber noch immer kein konkretes Angebot vorliegen. Schließlich muss der Investor auch mit uns reden, denn der Sanierungstarifvertrag läuft zum Jahresende aus", zeigt sich Müller äußerst besorgt, dass die Zeit für ein Sanierungskonzept nun knapp wird: "Das Unternehmen ist in hohem Grade insolvenzgefährdet."

Enttäuscht ist er auch darüber, dass die Arbeitgeberseite manche Bedingungen im bislang gültigen Sanierungstarifvertrag noch nicht erfüllt habe: "Nur die Belegschaft, die hat ihre Sparbeiträge geleistet." Verabredete Investitionen in moderne Maschinen, die einen Produktivitätszuwachs bringen sollten, seien unterblieben. Müller: "Die Stimmung im Werk ist hochexplosiv."