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Facebook: Wissen nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat

Menlo Park. Dramatische Zeiten für Facebook: Im Datenskandal um Cambridge Analytica sind noch viele Fragen offen. Zugleich unterstreicht eine Umfrage den Vertrauensverlust bei deutschen Nutzern. Nächste Woche muss Konzernchef Zuckerberg gleich zwei Mal Rede und Antwort stehen

Facebook: Wissen nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat

Sheryl Sandberg ist die für das operative Geschäft zuständige Top-Managerin bei Facebook. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv

Knapp drei Wochen nach Bekanntwerden des Facebook-Skandals steht der US-Konzern weiterhin massiv unter Druck. Laut Geschäftsführerin Sheryl Sandberg ist weiter unklar, welche Nutzerdaten genau bei der umstrittenen Firma Cambridge Analytica gelandet sind und was damit passiert ist.

„Bis zum heutigen Tage wissen wir nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat“, sagte sie der „Financial Times“. Eine ARD Umfrage zeigt derweil, dass neun von zehn Facebook-Usern in Deutschland wenig oder gar kein Vertrauen in die Datenpolitik des US-Konzerns haben.

Zuletzt war bekannt geworden, dass das Ausmaß der Datenaffäre deutlich größer ist, als zuvor angenommen. So könnten Information von bis zu 87 Millionen Nutzern auf unrechtmäßige Weise an die britsche Datenanalyse-Firma gelangt sein, die US-Präsident Donald Trump zum Sieg verholfen haben soll.

In den USA sind womöglich bis zu 70,6 Millionen User betroffen, in Deutschland bis zu 310.000. Nach Angaben der EU-Kommission wurden in der Europäischen Union die Daten von bis zu 2,7 Millionen Menschen aus den Facebook-Systemen gezogen. Cambridge Analytica erklärte, man habe Daten zu 30 Millionen Nutzern erhalten.

Sandberg kündigte an, dass Facebook den Fall genau untersuchen werde. Zuerst sei aber die britische Regierung mit ihren Ermittlungen am Zuge. „Sie haben Vorrang, weshalb wir zum Stehen gekommen sind.“ Wie schon Konzernchef Mark Zuckerberg räumte auch sie Fehler in der Affäre ein und sagte, Facebook habe zu langsam reagiert.

Zuckerberg, der sich bereits in mehreren Interviews reumütig zeigte, stehen die ganz großen Befragungen noch bevor. In der kommenden Woche muss er gleich zweimal vor US-Gremien Rede und Antwort stehen: Am Dienstag vor dem Justizausschuss des US-Senats, am Mittwoch vor dem Handelsauschuss des Repräsentantenhauses.

Dabei geht es für den 33-Jährigen um nichts Geringeres als um die Rettung seines Lebenswerks. Der frühere Harvard-Student hatte das Netzwerk 2004 gegründet und zu einer der wertvollsten Firmen weltweit aufgebaut. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder größere und kleinere Probleme gegeben. Aber noch nie war der Konzern dermaßen ins Schlingern geraten wie in den vergangenen Wochen.

Mitte März wurde bekannt, dass Cambridge Analytica unrechtmäßig an Informationen von Millionen Facebook-Usern gekommen war - ohne das Wissen der Nutzer. Die Firma hatte die Daten von einem Professor bekommen, der 2014 eine App mit einer Psychologie-Umfrage auf die Plattform brachte. Nach der damaligen Funktionsweise von Facebook hatte die App auch Zugang zu einigen Informationen der Freunde der Umfrage-Teilnehmer, etwa deren Likes und Interessen. Das erklärt die hohe Zahl betroffener Nutzer - inzwischen bis zu 87 Millionen.

Sandberg kündigte in einem Interview mit „Bloomberg“ an, dass am Montag alle Betroffenen informiert würden. Zudem hatte der Konzern in den vergangenen Tagen bereits unterschiedliche Schritte für einen besseren Datenschutz bekanntgegeben - vor allem mit Blick auf die ab dem 25. Mai geltende EU-Datenschutzgrundverordnung.

Ob all das reicht, bleibt abzuwarten. Bei den Nutzern hat die Affäre für einen deutlichen Vertrauensverlust gesorgt - wie eine Umfrage zeigt. So haben 88 Prozent der User wenig oder gar kein Vertrauen in die Datenpolitik des US-Konzerns, wie aus dem ARD-„DeutschlandTrend“ hervorgeht. Insgesamt haben 61 Prozent aller Internetnutzer in Deutschland große oder sehr große Sorge vor einem Missbrauch ihrer persönlichen Daten im Netz. Doch nur eine kleine Minderheit will sich in Deutschland von Facebook verabschieden. Zwei Prozent von der Befragten gaben an, das Netzwerk aufgrund des aktuellen Skandals nicht mehr zu nutzen.

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