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Fährt der Diesel aufs Abstellgleis?

Flensburg/München. Immer weniger Neuwagenkäufer lassen sich vom Verbrauchsvorteil des Dieselmotors überzeugen. Zu groß sind die Unwägbarkeiten, die mit dem Selbstzünder nach dem Abgasskandal verbunden sind. Und nur die wenigsten Motoren sind wirklich zukunftsfest - was nun tun?

Fährt der Diesel aufs Abstellgleis?

Nicht immer eine sichere Wahl: Wer heute einen Diesel kaufen will, kann sich nicht nur über Preisvorteile beim Verbrauch freuen, sondern blickt zuweilen in eine unsichere Zukunft mit drohenden Fahrverboten. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn

Der einstige Liebling von Sparern und Vielfahrern verliert zusehends seinen Glanz: Gute zwei Jahre, nachdem der Abgasskandal von VW ruchbar wurde, haben die Diskussionen um Schadstoffgrenzwerte, Nachrüstungen und Fahrverbote die Verbraucher offenbar sehr verunsichert.

Die Folge des Skandals ist: Der Diesel sinkt in der Käufergunst. 21,3 Prozent Minus allein im September und einen Marktanteil von nur noch 36,3 Prozent - die Dieselzulassungen in Deutschland sind nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts in Flensburg im freien Fall.

Kein Wunder, wenn durch die Diskussion um Einfahrtsbeschränkungen und Blaue Plaketten nach Angaben des ADAC rund 13 Millionen deutschen Autofahrern zumindest lokale und temporäre Fahrverbote drohen.

Soll ich mir jetzt überhaupt noch einen Diesel kaufen? Wer diese Frage stellt, der wird aktuell nur wenig Ermunterung ernten: Beim ADAC lobt man zwar auch weiterhin den geringeren Spritverbrauch und niedrigeren CO2-Ausstoß. Und dank des günstigeren Steuersatzes auf Diesel hat man auch die Mehrkosten für die Fahrzeuganschaffung noch immer schnell wieder hereingefahren.

„Doch wer weiterhin in städtische Umweltzonen fahren möchte, in denen neue Fahrverbote drohen, sollte sich für eine Alternative zum Diesel entscheiden“, tritt der Automobilclub auf die Bremse, „oder aber mit dem Kauf noch warten, bis Fahrzeuge mit dem Abgasstandard Euro 6d-TEMP oder Euro 6d in ausreichender Modellvielfalt verfügbar sind.“ Diese neue Norm, bei der unter anderem die Emissionen nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch real auf der Straße gemessen werden, kann bei der Typgenehmigung neuer Autos seit September 2017 als 6d-TEMP zur Anwendung kommen, verbindlich vorgeschrieben ist sie als 6d aber erst ab 2020.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin sieht allerdings mehr Fragen als Antworten und kann den Diesel „derzeit nicht mit ruhigem Gewissen empfehlen“. Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen rät sogar dazu, seinen Diesel lieber heute als morgen zu verkaufen - zumindest bei entsprechendem Bewegungsprofil: „Es kommt darauf an, wo man wohnt und für was man das Auto nutzt. Wenn jemand auf dem Land wohnt, ist es unerheblich - außer er fährt in Großstädte.“ Wenn man in einer Großstadt oder einem Ballungsgebiet wohnt und täglich sein Auto braucht, sei es ein deutliches Handicap.

Die einzigen, die dem Diesel fest die Treue halten, sind die Autohersteller selbst. „Ohne den Diesel sind unsere CO2-Vorgaben nicht zu schaffen“, sagt Lutz Stiegler aus der Volvo- Motorenentwicklung in Göteborg. Bei Audi, Mercedes oder VW hört man nichts anderes. Das will Dudenhöffer nicht gelten lassen: „Es gibt Erdgas, es gibt die neuen 48 Volt-Hybride für Benziner mit CO2-Ausstoß auf Dieselhöhe, und es gibt natürlich immer mehr Elektroautos“, sagt er. „Die Autobauer müssen umsteuern oder flächendeckend Euro-6d-Diesel anbieten.“

Um dem Stimmungswandel im Land zu begegnen und ihre CO2-Werte halbwegs im Zaum zu halten, propagieren die Autohersteller allerdings gerade mal wieder Erdgas als Alternative. Allerdings sieht der ADAC darin nur eine Alternative für absolute Vielfahrer. Bei einer Mercedes E-Klasse und 30 000 Kilometern Fahrleistung zum Beispiel liege der Kostenvorteil unter dem Strich gegenüber dem Diesel nur bei 0,9 und gegenüber dem Benziner bei 2,5 Cent pro Kilometer.

Wer sich für einen Diesel entscheidet, der sollte nach Einschätzung von Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS auf jeden Fall ein Modell mit einem so genannten SCR-Katalysator kaufen. Dort wird eine Harnstofflösung namens AdBlue ins Abgas gespritzt, die Stickoxide durch eine chemische Reaktion in ungefährlichen Stickstoff und Wasserstoff umwandelt. Ohne dieses weitere Abgasreinigungssystem dürfte es bei möglichen Fahrverboten schwer werden, so der Experte.

Angesichts der aktuellen Diskussion haben die Hersteller die Einbauraten für die SCR-Kats deutlich angehoben. Größere und schwerere Fahrzeuge von der Kompaktklasse aufwärts, die erst in den letzten zwölf Monaten neu vorgestellt worden sind, haben deshalb mittlerweile fast alle ein entsprechendes System mit AdBlue-Tank an Bord. „Aber man muss eben noch einen Betriebsstoff im Blick behalten und regelmäßig nachfüllen.“ Denn wenn der AdBlue-Tank leer ist, kann man das Auto nach mehrmaliger Warnung irgendwann nicht mehr anlassen.

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