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Interview mit Karl-Heinz Webels

Fahrschule für Senioren: „Das gibt Opa Gewissheit“

Essen Alte Menschen sollten irgendwann ihren Führerschein abgeben. Stammtisch-Sprüche wie dieser sind immer wieder zu hören. Karl-Heinz Webels meint, ältere Menschen sollten mit Nachschulungen gegensteuern. Sein Verein Verkehrswacht Essen will für seine Stadt Kurse anbieten. Im Interview erklärt er, warum.

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Unter dem Motto "Ü60 aber sicher!" veranstaltet der Verein Verkehrswacht Essen Trainings für ältere Autofahrer.

Karl-Heinz Webels, Vorsitzender der Verkehrswacht Essen

Herr Webels, wie groß ist Ihre potenzielle Zielgruppe in Essen? Tausende, Zehntausende? 

Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir Zehntausende bewältigen können. Aber ich rechne durchaus mit einigen Hundert.

Senioren-Fahrtrainings haben sie ja schon vorher angeboten. Was ist an diesen anders?

Ein flächendeckendes Angebot würde uns als Verein überfordern. Darum wollen wir mit der Essener Fahrlehrerschaft zusammenarbeiten. Will der betreffende Senior über das Training hinaus noch individuelle Betreuung, kann er beim Fahrlehrer seines Vertrauens Fahr- oder Theoriestunden nehmen. Das ist dann für die 50 Euro Trainingsgebühr natürlich nicht mehr zu haben. Aber mein Rat: Wenn wir besorgt sind um Menschen, die unsicher fahren, dann schenken wir dem Opa zu Weihnachten vielleicht mal nicht die Krawatte, sondern die Fahrstunde für 45 Euro. Ich könnte mir vorstellen, dass man von so einem Geschenk nachher sagt: „Mensch, toll, hat sich gelohnt. Das gibt dem Opa und uns als besorgten Kindern die Gewissheit: Er kann noch fahren.“

Sind es eher die Senioren oder eher deren Kinder, die sich bei Ihnen melden?

Wir haben vor sieben Jahren schon einmal 150 Senioren durch ein solches Programm geschleust. Damals bestanden Interesse und teilweise auch Ängste überwiegend bei den Senioren selber. Da gab es also ein besonders Maß an Verantwortungsbewusstsein. Sicherlich kamen nicht die ganz extremen Fälle zu uns. Aber schon solche, die Unsicherheiten haben, und ihnen dient unser Angebot.

Was sind typische Ängste und Unsicherheiten?

Zum Beispiel, dass das Fahren außerhalb des Nahbereichs, wo man wohnt, nicht mehr klappt. Oder man meidet Nachtfahrten. Oder man ist unsicher bei komplexen Verkehrssituationen wie beim Abbiegen. Das ist so individuell wie das pralle Leben.

Was genau passiert bei Ihrer Nachschulung?

Zunächst gibt es Theorie: einen Ausflug in die Fahrphysik, Sitzposition einstellen, richtiges Angurten und Reifenprofil nachschauen. Dann machen wir vor allem Kreisfahrten, Slalomfahrten um Pylonen. Und Notbremsungen. Die halte ich für ganz wichtig. Nach meiner Erfahrung bremsen viele Menschen falsch, auch jüngere. Sie gehen nicht richtig „in die Eisen“, sondern streicheln viel zu zart das Bremspedal. Nehmen wir nur das fürchterliche Beispiel, dass ein Kind zwischen zwei geparkten Autos auf die Straße rennen würde: Da geht es möglicherweise um Sekundenbruchteile, da entscheiden vielleicht ein paar Meter Bremsweg.

Welche Probleme bekommen ältere Autofahrer typischerweise?

Teilweise nehmen sie Medikamente, die die Fahrtüchtigkeit einschränken können. Seh- und Hörleistung lassen nach. Und auch die Reaktion ist vielleicht nicht mehr die eines 20-Jährigen. Wobei man das auch üben kann. Besonders unfallträchtig sind in der Regel sehr komplexe Verkehrssituationen wie zum Beispiel das Abbiegen.

Was raten Sie? Weiterzufahren oder lieber der Unsicherheit nachzugeben?

Es gibt erste wissenschaftliche Untersuchungen, dass bei einer Fahrpraxis von jährlich weniger als 1500 bis 3000 Kilometern die Routine nachlässt. Der Rat kann für jene, die noch fahrtauglich sind, nur sein: Fahrt bitte auch. Übt, denn es tut euch gut.

Zur Person


Von dpa

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