Falco-Show kommt auch nach Dortmund, Essen und Köln

Musical rund um Popstar Falco

Falco, Österreichs exzentrische Musiklegende, ist seit 20 Jahren tot. In „Falco – Das Musical“ lebt er weiter. Den Zuschauer erwarten tiefe Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt des Künstlers – und des Menschen hinter der Kunstfigur.

Wien

, 10.02.2018, 05:24 Uhr / Lesedauer: 4 min
Bereits als Falco noch lebte, ist Musical-Darsteller Alexander Kerbst immer wieder auf seine verblüffende Ähnlichkeit mit dem extravaganten Star hingewiesen worden.

Bereits als Falco noch lebte, ist Musical-Darsteller Alexander Kerbst immer wieder auf seine verblüffende Ähnlichkeit mit dem extravaganten Star hingewiesen worden. © Marcel Klette

Dass ein Künstler zu spät zum Interview erscheint, kommt vor. Dass ein Künstler mit seinem Peugeot 206 durch die Glastür des Wiener Renaissance-Hotels fährt, direkt bis zur Bar, mit einem lässigen Spruch auf den Lippen – „So, jetzt bin ich da, jetzt können wir anfangen!“ – ist eher selten. Falco, bürgerlich Hans Hölzel, hat das gebracht, erinnert sich Horst Bork, der zwölf Jahre Hölzels Manager war. Reparaturkosten, die an das Hotel zu zahlen waren: 25.000 Mark. „Solche Kollateralschäden waren nicht unüblich“, sagt Bork 20 Jahre nach dem Autounfall in der Dominikanischen Republik, bei dem Falco am 6. Februar 1998 ums Leben kam, als ein Bus seinen Geländewagen rammte.

Am Abgrund bewegt

Der Sänger hat sich lange am Abgrund beweg. Seine treuen Begleiter: Drogen, Alkohol und Zerrissenheit. „Ich habe dem Hans viel verziehen“, sagt Bork, „aber manchmal hat er mich zur Raserei gebracht.“ So auch mit dem Rausschmiss aus einem Studio, als Falco, der als schwierig galt, Produzenten beleidigte und drauf und dran war, einen Fernseher zu Boden zu schmeißen. „Ich wurde gleich mit hinausbefördert und dann saßen wir am Straßenrand und warteten auf ein Taxi und da denkst du dir schon: Soweit bin ich gekommen!“

Immer mehr Eskapaden

Der Hans habe oft Besserung gelobt – „aber die Eskapaden endeten nicht“. Immer wieder habe man ihn in Entzugskliniken gesteckt. Und immer wieder sei er geflüchtet. „Die Einschläge wurden immer heftiger“, erinnert sich Bork bei einem Rundgang über den Wiener Zentralfriedhof, wo Hans Hölzel begraben liegt. „Da machte man sich schon Sorgen.“ Hölzels Tod in der Dominikanischen Republik, in die er sich auf der Suche nach Idylle zurückgezogen hatte, sei dann auch „nicht wirklich eine Überraschung“ gewesen. „Man hat immer wieder so Sachen gehört: dass er mit einem Gewehr rumgelaufen ist, alkoholisiert am Steuer saß und so.“ Vom bürgerlich-biederen Leben, nach dem sich Hans Hölzel Weggefährten zufolge tief im Herzen gesehnt hat, war das weit entfernt.

Hans Hölzel – Falco – liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben. Sein einstiger Manager Horst Bork und Falco-Darsteller Alexander Kerbst (l.) bewahren das Andenken an den Weltstar.

Hans Hölzel – Falco – liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben. Sein einstiger Manager Horst Bork und Falco-Darsteller Alexander Kerbst (l.) bewahren das Andenken an den Weltstar.

20 Jahre liegt Falco, einer der berühmtesten Musiker Österreichs, nun schon unter der Erde – aber er ist unvergessen. Weil Songs wie „Rock me Amadeus“ und „Der Kommissar“ heute wie damals zünden. Weil seine einstigen Weggefährten nicht müde werden, von ihm und seinen Höhen wie Tiefen zu erzählen. Und auch, weil da „Falco – Das Musical“ ist, das in diesen Tagen durchs Land tourt, mit Alexander Kerbst in der Hauptrolle.

Promo im Versace-Outfit

Wenn der 53-Jährige zu Promozwecken im Versace-Outfit mit Journalisten durch Wien schlendert, muss man zweimal hinschauen, weil die Ähnlichkeit groß ist. Da sind die nach hinten gegelten Haare und da ist die Sonnenbrille, aber da sind auch Gesten und Mimik Falcos, die Kerbst perfekt beherrscht. Schließlich schlüpft er schon seit Anfang des Jahrtausends immer wieder in diese Rolle: Erst im Musical „Falco meets Amadeus“, jetzt in „Falco – Das Musical“, dessen Autor er auch ist.

Aussehen hat die Tür geöffnet

„Mein Aussehen hat mir die Tür geöffnet“, sagt Kerbst. „Schon als Falco noch lebte, hörte ich immer wieder, dass ich aussähe wie er – aber viel wichtiger war es letztendlich, der Figur unter der Oberfläche Tiefe zu geben. Es ging nie um Posen, sondern darum, die Gefühlswelt des Hans Hölzel sichtbar zu machen. Dafür musst du als Darsteller in dir selbst suchen. Musst dir Situationen vergegenwärtigen, in denen du Ähnliches wie der Protagonist gefühlt hast. Scheißerlebnisse im Privatleben sind am Ende Gold, führen zu den großen Gefühlen im Saal.“

Eher ein Problemkind

Was Kerbst geprägt hat: „Ich war in der Schauspielschule eher das Problemkind. Nichts ging mit einem Fingerschnipp. Ich musste immer kämpfen. Man sagte mir, ich solle aus mir rausgehen und ich fragte mich: Ja, wo soll ich denn hingehen? Im berühmten Leipziger Thomanerchor, in dem ich als Kind gesanglich ausgebildet wurde, hieß es: stehen, singen, lächeln. Das waren gänzlich andere Anforderungen. Aber wenn du kämpfst, macht es dich stark.“

Videos angeschaut

Um sich Falco anzunähern, hat Kerbst sich Videos angeschaut, Songs angehört, Biografien gelesen und mit Weggefährten des Wiener Künstlers, der als erster deutschsprachiger Rapper gilt, gesprochen. So auch mit Horst Bork. „Wenn Bork und Falco zusammensaßen, ging‘s meist mit Rotwein los“, erzählt Kerbst. „Nach der dritten Flasche Rotwein sagte Bork dann für gewöhnlich, dass er durch sei. Und Falco fing mit Whiskey an. Das war so ein Muster. Und Anekdoten wie diese kriegst du nur zwischen Tür und Angel zu hören. Da musst du dann aufmerksam zuhören.“ Am Ende ist ein berauschendes biografisches Musical vollgepackt mit Falco-Songs entstanden, das den Werdegang des Ausnahme-Musikers zeigt. Das szenenhaft Schlaglichter auf seine Karriere wirft – mal heiter-skurril, mal düster –, mit Exzentrik und Überzeichnung spielt und sich mit Projektionen vor seinem Protagonisten verneigt.

Aus der Rolle schlüpfen

Falco, das ist für Alexander Kerbst eine Rolle, in die er Abend für Abend schlüpft – und aus der er nach einer Show auch wieder hinausschlüpfen kann: „Ich versuche, die Distanz zu wahren und spätestens nach zwei Flaschen Rotwein aufzuhören“, sagt er augenzwinkernd. „Hans Hölzel, das darf man nicht vergessen, hat ja auch nicht zum Spaß gesoffen damals – sondern aus Angst. Und weil er gezweifelt hat. Er wollte vieles betäuben.“

Nach der Show erledigt

Meistens, sagt Kerbst, sei er nach einer Falco-Show erledigt, wolle seine Ruhe und habe keine Lust mehr, der arrogante, zerrissene Falco zu sein. Dann sei schnell Schluss mit Wiener Schmäh und Größenwahn. „Aber die Gefahr, dass du einen Flitz kriegst und plötzlich selbst Falco-Attitüden an den Tag legst, ist definitiv da. In so Situationen, wenn du grad in der Helene-Fischer-Show aufgetreten bist und deine Shows plötzlich ausverkauft sind, zum Beispiel. Da ist es gut, wenn zu Hause jemand wartet und sagt: ‚Schön und gut, dass die Leute dich gefeiert haben – aber jetzt schaff mal den Müll runter, Schatz.‘ Das erdet einen.“

Getrennte Persönlichkeiten

Falco und Hans Hölzel, sagt Alexander Kerbst, waren zwei vollkommen getrennte Persönlichkeiten – und der ehemalige Manager Horst Bork bestätigt das. „Alles, was sich der Hans nicht getraut hat, weil er zu schüchtern oder höflich war, hat der Falco getan. Aber irgendwann, als der Erfolg größer wurde, war der Hans fast nur noch Falco. Und der Hans hat diese Figur eigentlich gar nicht so gern gemocht, weil er ja gesehen hat, was sie so anstellt. Er hat manchmal förmlich unter ihr gelitten.“ Diesen Zwiespalt zeigt das Falco-Musical anhand von Jeanny und Ana Conda: zwei allegorischen Figuren, die nur in Falcos Kopf existieren. Die eine ist harmoniebedürftig und sehnt sich nach Idylle, die andere ist verrucht – und beide sprechen ausschließlich in Falco-Zitaten.

Das Andenken bewahren

„Ich denke, dass ein Künstler wie Falco dargestellt werden muss“, sagt Horst Bork, als er während eines Interviews neben Alexander Kerbst im Bus sitzt. „Es ist wichtig, Falcos Andenken zu bewahren. Sein physisches Leben ist zu Ende – aber sein künstlerisches muss weitergehen.“ Kerbst, so formuliert es Bork, stehe „wie ein leibhaftiger Falco“ auf der Bühne, spiele seine Rolle klasse – aber Falco sei schon einmalig gewesen. „Der Alexander ist vor allem viel ruhiger als der Hans. Dass wir nebeneinander sitzen und er kein Wort sagt – das hätte es beim Hans nicht gegeben. Der war eine echte Plaudertasche. Naja, an guten Tagen.“

„Falco – Das Musical“ in der Region: 28.3. Essen, 29.3. Dortmund, 5.4. Köln, 21.4. Düsseldorf. Tickets: www.falcomusical.com