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Familienbetrieb setzt auf reine Schokolade

Reichelsheim-Beerfurth. Die Osterhasenproduktion beginnt im Odenwald schon bald nach Weihnachten. Nach Ostern steht die Schokoladenfabrik weitgehend still - bis im Spätsommer das Weihnachtsgeschäft wieder losgeht.

Familienbetrieb setzt auf reine Schokolade

In der Schokoladenwerkstatt von Wilhelm Eberhardt werden die Osterhasen werden die Kakaobohnen traditionell geröstet, gemahlen, mit Zucker und Milchpulver gemischt. Foto: Fabian Sommer

Der Schoko-Osterhase mit der Schürze um den Bauch und dem Korb auf dem Rücken scheint einem alten Kinder- oder Malbuch entsprungen. Wie der Hase mit dem schokoladig-struppigen Fell kommt er aus Wilhelm Eberhardts Back- und Schokoladenfabrik im Odenwald. 

„Solche Retro-Figuren werden in diesem Jahr neben den Klassikern besonders oft gekauft“, sagt Inhaber Helmut Gräber. In dem Familienbetrieb im Reichelsheimer Ortsteil Beerfurth machen rund 20 Beschäftigte jeden Tag aus 200 bis 400 Kilogramm flüssiger Schokolade Hasen, Hähne und große Präsent-Eier.

In der idyllisch gelegenen Schokoladenwerkstatt sieht es ein bisschen so aus, als ob die Zeit stehen geblieben wäre: Die meisten der ockergelben Maschinen hat noch Firmengründer Eberhardt angeschafft, Gräbers Großvater. „Wir haben in den letzten 35 Jahren nur wenige Maschinen wegwerfen müssen“, sagt der 57-Jährige Gräber, der das Geschäft vor gut zwei Jahren von seinem Vater übernommen hat. „Unser Herstellungsverfahren ist zwar arbeits- und energieintensiver als auf anderen Maschinen.“ Aber die Qualität sei besser. „Eine gute Schokolade zergeht auf der Zunge und sollte nicht schmieren.“

„Unsere Schokoladen-Qualität ist das, was uns am Leben hält“, sagt Gräber. „Billiger gibt es immer irgendwo“, betont er und schildert den harten Konkurrenzkampf in Zeiten eines Überangebots an Schokolade, Ressentiments gegen Zucker, wachsender Bürokratie und den Werbeetats großer Konkurrenten.

In den neuen Maschinen würden alle Zutaten auf einmal verarbeitet, damit verändere sich der Geschmack, sagt Gräber. „Die einzelnen Herstellungsstufen lassen sich nicht auswischen.“ Bei ihm dauert die Schokoladenherstellung mindestens zwei Tage. In seinem Betrieb werden traditionell die Kakaobohnen geröstet, gemahlen, mit Zucker - und Milchpulver - gemischt, stundenlang gerührt, im Wasserbad erwärmt, in die Formen gegossen und geschleudert. „Wenn alles richtig läuft mit der Temperatur, glänzt die fertige Schokoladenfigur.“ Einige bekommen ein Schleifchen, die meisten wandern in durchsichtige Plastiktüten oder werden von Hand in Folie gewickelt.

Vor allem aber komme es auf die Zutaten an: Die dunkle Schokolade aus Eberhardts Werkstatt bestehe ausschließlich aus Kakaobohnen und Zucker, bei der hellen kommt noch das Vollmilchpulver dazu. Auf Farb- und Konservierungsstoffe oder Fremdfette verzichten die Odenwälder völlig. Deshalb sei die Schokolade auch bei Allergikern beliebt.

Das Familienunternehmen beliefert vor allem Fachgeschäfte und kleinere Supermärkte. Im Laden auf dem Werksgelände kaufen insbesondere Leute aus einem Umkreis von gut 50 Kilometern ein. Zu den besten Kunden gehörten Großeltern, sagt Gräber. Aber auch Wanderer decken sich ein. „Wir merken den Odenwaldtourismus schon.“

Das Ostergeschäft beginnt schon kurz nach Weihnachten. Mehr als 25 verschiedene Motive stehen zur Auswahl: vom 30-Gramm-Häschen bis zum Zwei-Kilo-Brocken. Unterschiedlich bemalt, mit weißer, heller und dunkler Schokolade, ergibt das rund 70 verschiedene Oster-Figuren. Neu sind in diesem Jahr Lutscherköpfe mit zehn Gramm-Osterschokolade. Viele Kindergärten hätten kein höheres Budget und vielen anderen Kunden seien 30 Gramm Schokolade schon zu viel, erklärt Gräber, weshalb er die filigranen Lutscherköpfe eingeführt hat.  

Das Schokoladengeschäft sei gerade zu Ostern schwierig, weil dies nicht mehr so ein Familienfest sei wie noch vor 40 Jahren, sagt Anderlohr. „Viele verreisen zu Ostern.“ Bei Eberhardt gilt dagegen: „Der Osterhase ist umsatzstärker als der Nikolaus.“ Warum? „Der Nikolaus ist nicht überall so bekannt wie bei uns.“ Außerdem werde in der Advents- und Weihnachtszeit neben der Schokolade viel Gebäck verzehrt - auch das entsteht in dem Familienbetrieb, dessen Wurzeln als Brotbäckerei bis ins 19. Jahrhundert zurück gehen. Später kamen Lebkuchen dazu und nach dem Zweiten Weltkrieg die Schokolade.

Wenn die Hasen an Ostern gesucht und verspeist werden, beginnt in der Schokoladenfabrik das große Reinemachen. „Sechs Wochen lang wird der ganze Betrieb gereinigt. Im Sommer muss alles piccobello sein.“ Schon im späten August beginnt dann die Weihnachtsproduktion.

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