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Farid Bang und Kollegah: Stakkato nach Echo-Eklat

Kirchheim unter Teck. Knapp einen Monat nach dem Echo-Eklat sind die Rapper Farid Bang und Kollegah im baden-württembergischen Kirchheim unter Teck aufgetreten. Zu der Clubshow kamen 300 bis 400 Fans.

Farid Bang und Kollegah: Stakkato nach Echo-Eklat

Vorwiegend junge Männer besuchten das Konzert der Rapper Kollegah und Farid Bang in Kircheim unter Teck. Foto: Christoph Schmidt

Eines der beliebtesten Worte an diesem Abend dürfte „Kunstfreiheit“ lauten. Damit rechtfertigen etliche Fans die heftig umstrittenen Texte von Farid Bang und Kollegah.

Zwischen 300 und 400 Fans sind am Donnerstag gekommen, um die Rapper bei ihrer Clubshow in der schwäbischen Provinz zu sehen.

Es ist der erste Auftritt nach dem Eklat rund um die Verleihung des Musikpreises Echo an die beiden Männer. Aufgrund ihrer provozierenden und oftmals abwertenden Texte ermittelt mittlerweile die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung. Das spielt aber im „Event-Palast“ an diesem Abend keine Rolle. „Ich glaube nicht, dass sie Antisemiten sind“, sagt etwa der 18 Jahre alte Gymnasiast Andreas. Vielmehr trieben Farid Bang und Kollegah ihr Spiel mit der Provokation. Erniedrigung und Beleidigung seien eben fester Bestandteil des Battle-Raps, sagt er und zuckt mit den Schultern.

Dass es in einem Song der beiden Rapper heißt: „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow“, findet der 16 Jahre alte Markus zwar grenzwertig. „Aber der Shitstorm in den Medien war dann doch übertrieben“, sagt er. Klar, es wäre eine gute Sache, wenn sich Farid Bang und Kollegah vom Antisemitismus distanzieren würden, fügt Markus eilig hinzu. Sich auf die Kunstfreiheit zu berufen und dabei Grenzen zu überschreiten, sei aber auch richtig.

Nicht alle Besucher der Clubshow sind so zugänglich. „Verpiss dich, du Zivilbulle“, sagt einer und wendet sich ab. Ein anderer will sich nicht die Partylaune verderben lassen. „Mann, lass' stecken, wir feiern doch nur“, sagt er. Weder homophobe, frauenfeindliche oder in anderer Weise abwertende Texte dürfe man allzu ernst nehmen. Über irgendetwas müssten Rapper ja singen. „Wer will schon Liebeslieder hören?“

Eine abgebrühte Haltung vertritt der 21 Jahre alte Paulos. Mit ihren Texten erregten Farid Bang und Kollegah immerhin Aufmerksamkeit. „Wenn du als Künstler nicht im Gespräch bleibst, dann bist du tot“, findet er. Dass Farid Bang und Kollegah eine Einladung des Internationalen Auschwitz-Komitees zum Besuch der KZ-Gedenkstätte angenommen haben, findet er gut. Dass die beiden Rapper Antisemiten seien, kann oder will sich Paulos nicht vorstellen.

Baden-Württembergs Beauftragter gegen Antisemitismus, Michael Blume, sieht die Sache kritischer. Die Musik und insbesondere das Musikvideo „Apokalypse“ von Kollegah enthielten antisemitische Mythen. Dass der Rapper gemeinsam mit Farid Bang die KZ-Gedenkstätte in Auschwitz besuchen wolle, sieht Blume als Chance: „Ich hoffe, dass die Musiker die Gelegenheit ergreifen, über antisemitische und generell menschenverachtende Aspekte ihrer Musik nachzudenken und sich auch der Verantwortung für ihre oft jungen Fans bewusst werden.“

Und die beiden, um die es an diesem Abend in Kirchheim unter Teck eigentlich geht? Sie legen einen halbstündigen Auftritt hin, der vom zumeist männlichen Publikum bejubelt wird. Weder sprechen sie die Antisemitismus-Vorwürfe an noch den Eklat bei der Echo-Verleihung. Der Saal ist gerade einmal zur Hälfte gefüllt. Farid Bang und Kollegah rappen triumphierend ein stampfendes Stakkato über Bitches, Hurensöhne und Gewaltfantasien. Kunstfreiheit eben.

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