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Karte zeigt die Lage

Fast die Hälfte aller Bahnbrücken in NRW ist marode

NRW Brücken sind zentrale Nadelöhre im Schienennetz der Deutschen Bahn. 4384 gibt es davon in NRW, knapp die Hälfte ist marode. Doch wie kaputt sind diese Brücken und wo stehen sie? Erstmals sind diese Daten jetzt verfügbar. Und schnell stellt sich heraus: Bahnfahrer in NRW müssen sich in den nächsten Jahren auf einiges gefasst machen.

Fast die Hälfte aller Bahnbrücken in NRW ist marode

Die Sanierung der Müngstener Brücke läuft seit vier Jahren und kostet die Bahn rund 30 Millionen Euro. Die Brücke verbindet die Städte Solingen und Remscheid und wurde mehrmals gesperrt.

270 Brücken der insgesamt 4384 Brücken in NRW wurden von der Bahn zunächst als dringend sanierungsbedürftig ausgewiesen, bekamen in der internen Rangfolge die Kategorie 4 (eine Reparatur dieser Brücken gilt als nicht mehr wirtschaftlich). Mittlerweile sind dies nur noch 262 Brücken, wie  Bahnsprecherin Sonja Stötzel unserer Redaktion mitteilte. Dazu kommen 1658 Brücken, denen in der Kategorie 3  "umfangreiche Schäden am Bauwerksteil" bescheinigt werden: Eine wirtschaftliche Instandsetzung sei zu prüfen.  240 Brücken sollen laut Stötzel in den nächsten zehn Jahren in Nordrhein-Westfalen neu gebaut werden. Was das für die Bahnkunden in NRW bedeutet, zeigt ein Blick auf die Karte, die auf den bahneigenen Daten basiert. Vor einigen Tagen hat die Redaktion von

erstmals visualisiert. Das war schwierig, weil die Bahn selbst den Standort der Brücken nur in Streckenabschnitten und Kilometrierung angibt, Koordinaten oder eine Ortsangabe gab es bislang nicht. Die Karte für NRW zeigt nun Bedenkliches.  #map-canvas { width:624px; height:624px; } .googft-dot-icon {width: 9px !important; height: 9px !important;}  Schadens-Kategorie --Select--1234Alle Bücken 1 - Punktuelle Schäden 2 - Größere Schäden 3 – Schwere Schäden, aber noch zu reparieren 4 – Irreparable Schäden, muss abgerissen werden

Diese Karte zeigt den Zustand aller Bahnbrücken in NRW - katalogisiert nach den bahneigenen Kategorie-Kriterien 1 bis 4. (Es kann einige Zeit dauern, bis sie vollständig geladen ist.) Zentrale Verkehrslinien betroffen Gerade im Ruhrgebiet sind auf den zentralen Verbindungslinien - Regionalexpress- und ICE-Strecken - zahlreiche Brücken marode. Müssen diese gesperrt oder neu gebaut werden, sind für  Pendler Verspätungen und Umleitungen zu erwarten. Betroffen sind Nahverkehrsverbindungen, aber auch die Fernverbindung vom Rheinland über das Ruhrgebiet Richtung Hannover und Berlin ist dabei, denn in Bielefeld gibt es zwei irreparabel beschädigte Brücken, über die die Ferngleise laufen. Zwischen Münster und Enschede quert der Bahnreisende 17 beschädigte Brücken, teils mit "umfangreichen Schäden". Große Auswirkungen für Bahnkunden Wie tiefgreifend die Auswirkungen von Brückenbaustellen sind, zeigte im Frühjahr 2014 die Erneuerung von Weichen und Gleisen auf der sechsgleisigen Hohenzollernbrücke in Köln - eine der mit 1220 Zügen täglich am meisten befahrenen Eisenbahnbrücken Deutschlands. Es gab zahlreiche Fahrplanänderungen und Ausfälle im Nah- und Fernverkehr, über die die Bahn in einer Pressemeldung informierte. Obwohl die Brücke nicht einmal gesperrt wurde, gab es erhebliche Auswirkungen in der ganzen Region und sogar bundesweit. Gesperrt werden musste im Jahr 2010 dagegen die imposante Müngstener Bücke, die mit 107 Metern höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands bei Remscheid. Und zwar ordnete das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), Aufsichtsbehörde der Bahn, diese Sperrung an. "In diesem Fall sind wir tätig geworden", erklärte Moritz Huckebrink, Sprecher des EBA. Durch die Sperrung der Brücke kam der Verkehr zwischen Remscheid und Solingen zum Erliegen, die Stadt Remscheid forderte deswegen Anfang 2011 sogar Schadenersatz vom VRR, der die Strecke nutzte. Bahn prüft und urteilt selbst Wie marode die Brücken sind, darüber urteilt die Bahn selbst und führt darüber eben auch selbst Buch. Und sie beurteilt auch selbst, wie sicher die Brücken sind. Das Eisenbahn-Bundesamt führt als Aufsichtsbehörde stichprobenartige Kontrollen durch, hat jedoch keinen Überblick über den Zustand aller Brücken der Bahn. "Die Eisenbahnunternehmen sind für die Sicherheit verantwortlich", erklärte EBA-Sprecher Moritz Huckebrink.

RECKLINGHAUSEN Plötzlich ging alles ganz schnell: Die Bahn hat die Brücke auf der Sachsenstraße nun doch saniert. Ende Mai hatte sich wie berichtet ein Brocken aus der Decke der Brücke gelöst und eine 53-jährige Fußgängerin und ihren Hund schwer verletzt. Die Bahn hatte zuvor auf Mängelanzeigen ablehnend reagiert und die Verantwortung der Stadt zugeschoben.mehr...

Alle drei Jahre nimmt die Bahn ihre Brücken genau unter die Lupe - diese Inspektionen sind auch Grundlage für die Daten, die die Bahn dem Bundestag zur Verfügung gestellt hat. In der Kleinen Anfrage wird betont, dass die Sicherheit der Bahnbrücken nicht gefährdet ist - auch nicht bei den Brücken der Kategorie 4.  

Nach Unterlagen des Südwestfunkes hat das EBA in den Jahren 2012 und 2013 insgesamt 111 Mal Bescheide mit dem Auftrag erlassen, Mängel umgehend zu beseitigen. Davon waren allerdings nicht nur Brücken betroffen, wie Huckebrink betont. Doch es seien auch Brücken darunter gewesen. In diesem Bericht hat der SWR unter anderem die 111 Mängelbescheide thematisiert: 

Der Zustand der Bahnbrücken in Nordrhein-Westfalen wird seit 2008 immer schlechter. Die Bahn selbst hat aus den vorliegenden Daten eine durchschnittliche Zustandsnote aus ihren vier Kategorien errechnet: 

Und: In Nordrhein-Westfalen ist das Problem der maroden Brücken drängender als in anderen Bundesländern. Das zeigt diese Grafik: 

 

Doch wie aktuell sind diese Daten? "Sie stammen aus dem November 2013", sagt die Düsseldorfer Bahnsprecherin. Auf der Karte zu sehen und im Datensatz auch so enthalten ist allerdings eine Brücke am Preußenhafen in Lünen, die bereits im Juli 2010 komplett erneuert wurde.

LÜNEN-SÜD "Alles perfekt gelaufen!" Dieses Fazit zog die Bauleitung am Samstag gegen 18.30 Uhr, nachdem die zweite neue Eisenbahnbrücke über den Datteln-Hamm-Kanal am Preußenhafen geführt war. Ein riesiges Gewicht musste bewegt werden.mehr...

 Dabei handelt es sich nicht um einen Fehler der Visualisierung, sondern die entsprechende Brücke ist im Datensatz der Bahn so enthalten.  Die Daten sind nach Bahnsystem erfasst - dass es sich tatsächlich um die Brücke in Lünen handelt, lässt sich aber auf

nachvollziehen, wenn man dort den Streckenabschnitt und die Kilometrierung angibt.  Die Bahn erklärt diese Diskrepanz mit einer zeitlichen Verschiebung. "Wir haben die Liste im November 2013 erstellt auf Basis der aktuellsten Berichte im November 2013", so Stötzel. Möglicherweise sei die Erneuerung der Brücke am Preußenhafen in Lünen formal noch nicht abgeschlossen und daher noch nicht erfasst.  Die Frage nach der Aktualität der Daten und dem tatsächlichen Ist-Zustand der Bahnbrücken stellt sich damit möglicherweise neu. Denn wie die Daten älter sind und die Prüfungen länger zurückliegen, könnten die Schäden im Laufe der Zeit vielleicht noch größer geworden sein, als angenommen. Andererseits könnten einige Brücken schon repariert oder erneuert sein.

Sicher ist: In die Infrastruktur muss dringend investiert werden und es geht um Milliarden. Die Bahn verhandelt derzeit mit dem Bund über die Finanzierung der Investitionen in das Schienennetz und die Brücken. Daher will man sich bei der Bahn in Düsseldorf zu Zahlen derzeit nicht äußern.  Der Bund fordert angesichts des hohen Finanzbedarfs, dass die DB-Netz-Tochter ihre Gewinne künftig direkt in den Erhalt der Infrastruktur investiert. Bislang fließen die Gewinne des Schienennetzes in die Konzernkasse.  Seit 2011 schüttet die Bahn an den Bund aber auch eine Dividende von rund 500 Millionen jährlich aus. Im Jahr 2013 machte sie

 aber nur 649 Millionen Euro Gewinn, 2012 waren es noch rund 1,5 Milliarden Euro. Daher wurden nur 200 Millionen Euro Dividende an den Bund gezahlt.   

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