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„Feierabendbier“: Schräger Komödienstoff aus München

Berlin. Selten hat man München so dunkel erlebt wie in dieser Nachwuchskomödie. Selten auch ging die Liebe für ein Auto so weit wie in „Feierabendbier“. Einem Film, der uns zudem einen erinnerungswürdigen Auftritt von Christian Tramitz schenkt.

„Feierabendbier“: Schräger Komödienstoff aus München

Dimi (Johann Jürgens, l) und Vivian (Julia Dietze). Foto: Jakob Wiessner

Kürzlich erst durfte dieser Film bei der Berlinale seine Premiere feiern. Das war in der Nachwuchsreihe des Festivals. Nun aber findet „Feierabendbier“, das so skurrile wie düsterkomische Spielfilmdebüt des Münchener Regisseurs Ben Brummer, bereits ganz regulär seinen Weg in unsere Kinos.

Heimlicher Protagonist der 113 Minuten währenden Komödie ist ein brauner, schon etwas in die Jahre gekommener Sportwagen. Dessen Besitzer, gespielt von Tilman Strauß („Die Erfindung der Liebe“), befindet sich gerade in einem recht schwierigen Lebensabschnitt: Getrennt von Frau und Kind muss er sich als Kneipier durchschlagen; nur sein Auto, so scheint es, gibt ihm noch Halt. Neben Strauß sind in der Komödie Schauspieler wie Julia Dietze („Iron Sky“), Ben Tewaag und Christian Tramitz („(T)Raumschiff Surprise“) zu sehen.

Lange hat man keinen deutschen Film erlebt, in dem die Verehrung eines Autos so weit geht: Der tiefbraune, fast schwarze Mercedes 500 SEC, Jahrgang 1981, mit dem großen Sternemblem im Kühlergrill und einem V8-Motor unter der Haube ist aber auch ein Prachtexemplar. Unheimlich cool und ein wenig unheimlich - und irgendwie passt das ganz gut zur stets griesgrämigen Anmutung seines Besitzers, der Hauptfigur dieses bajuwarischen Film noir: dem schwermütigen, Kette rauchenden Magnus, der eine schummrige kleine Bar betreibt, irgendwo in einer dunklen Ecke Münchens, der dunkle Sachen trägt und dunkle Vinylscheiben hört. Der seinen Benz hegt und pflegt, als wäre es sein eigen Fleisch und Blut. Der fast durchdreht, als der SEC plötzlich weg ist. Magnus durchstreift mit Kumpels die Stadt, auf der Suche nach dem Dieb. Die Krise aber wird zur Chance: Endlich muss sich Magnus klar darüber werden, warum er allein lebt, warum er sich abkapselt von der Welt.

Ben Brummer, Absolvent der Filmhochschule München und Regisseur dieses Films, ist nur ein Jahr älter als das in „Feierabendbier“ so innig verehrte Auto. Auch wenn nicht jede Dialogzeile sitzt und manch Figur kaum überzeugen kann, schenkt uns Brummer mit seinem Spielfilmdebüt doch einen ungewöhnlichen Blick auf die bayrische Landeshauptstadt. Im Kino jedenfalls hat man München kaum je derart melancholisch, ja düster erlebt.

Heimlicher Star des Films aber ist Christian Tramitz (62): Sein Manfred sitzt allabendlich in einem scheußlich-hübschen Katzenpulli in Magnus’ Bar, sondert Lebensweisheiten ab, trinkt Rüscherl (Cola und Rum). Beschäftigt sich mit morphogenetischen Bewusstseinsfeldern. Versucht auch gern mal, mit Hilfe von halb nackten Frauen Horoskope zu legen. Und so kommt es, dass von diesem erfrischenden, wenn auch nicht zu jeder Sekunde packenden Erstling, vor allem zwei Gesichter in Erinnerung bleiben: das stets stoische und dabei irgendwie heitere, braun gebrannte Antlitz eines Christian Tramitz. Und der Kühlergrill des dunkelbraunen SEC mit dem leuchtend silbernen Stern in der Mitte.

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