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Fesselnd: SM-Roman «Fifty Shades» bricht alle Rekorde

New York (dpa) Der Erfolg hat viele Zahlen: Auf dem ersten Platz der US-Bestsellerliste von «Publishers Weekly» steht der erste, auf dem zweiten Rang der zweite und auf dem dritten der dritte Teil der Roman-Trilogie. Platz vier: Der Sammelband der drei Bücher.

Fesselnd: SM-Roman «Fifty Shades» bricht alle Rekorde

Die britische Autorin E. L. James ist mit «Fifty Shades of Grey» berühmt geworden. Foto: paco Campos

Zehn Millionen Exemplare wurden allein vom ersten Buch verkauft - und es geht weiter. Die Rede ist von «Fifty Shades of Grey», einem Buch, das es vom Internet-Forumseintrag zum Weltbestseller brachte und das selbst «Harry Potter» in den Schatten stellte. Das Besondere: Die Bücher bieten Erotik - harte Erotik. In Deutschland bringt Goldmann das erste Buch der Reihe am 9. Juli unter dem spröden Titel «Geheimes Verlangen» auf den Markt.

Die ersten Geschichten von E. L. James (49) über «Bondage, Dominance, Sadism, Masochism» (Fesselung, Dominanz, Sadismus, Masochismus) erschienen in einem Internetforum. Als die Texte für deren Leser zu heiß wurden, stellte die Schottin - das E. L. steht für ihren richtigen Namen Erika Leonard - sie auf ihre eigene Website. Ein findiger Verleger veröffentlichte die Story schließlich als digitales E-Book für Lesegeräte wie den Kindle. Das war im Mai 2011. Nicht einmal ein Jahr später hatte es sämtliche Bestseller von den vorderen Plätzen geworfen.

Es geht um die junge Anastasia, 21 Jahre alt und noch Jungfrau. Sie trifft den gut aussehenden Milliardär Christian Grey und verfällt ihm sofort. Was dann folgt, ist das genaue Gegenteil von Blümchensex. Anastasia und Christian probieren so ziemlich alles aus. Oder besser gesagt: Er probiert es an ihr aus. Fesseln, erniedrigen, schlagen, besitzen.

Von der Trilogie wurden allein in den USA und Kanada 15 Millionen Bücher verkauft. In Großbritannien wurden mit den drei Bänden in der vergangenen Woche laut BBC fast zwei Millionen Pfund umgesetzt - mehr als mit den 50 folgenden Romanen der Bestsellerliste zusammen. Dan Browns «Das verlorene Symbol», Joanne K. Rowlings «Harry Potter» - immer wieder wurden deren Rekorde von einem Buch durchbrochen, das es anfangs nur als Geschichtchen in einem nicht ganz ernst genommenen Forum gab. Und die Filmrechte sind auch längst verkauft.

Ein Teil des Erfolgs: E-Books und Lesegeräte. «Frauen können erotische Literatur nun überall auf ihre Kindles, Nooks und iPads laden, ohne dass der muskulöse Schönling mit dem zerrissenen Hemd auf dem Buchdeckel sie verrät», schrieb die Kolumnistin Maureen Dowd in der «New York Times». Niemand brauche mehr im Buchladen heimlich zu fragen oder in der U-Bahn den Deckel schamvoll mit einer Zeitung abzudecken. Und in der Tat: Gerade bei den elektronischen Büchern werden Rekorde gemeldet. So war «Fifty Shades» laut Amazon das erste E-Book, von dem in Großbritannien mehr als eine Million gekauft wurden.

Es ist längst vorbei mit heimlich. Noch immer weigern sich viele US-Büchereien zwar, das Buch anzubieten. Aber die, die es haben, haben lange Wartelisten. «Publishers Weekly» verzeichnete diese Woche zwar zum ersten Mal einen leichten Umsatzrückgang, doch bis dahin war der Verkauf monatelang immer nur gestiegen, gestiegen, gestiegen. Und demnächst gibt es auch Nachthemden und Reizwäsche im «Fifty Shades»-Style - wie immer der aussehen mag.

«Geheimes Verlangen» ist bei Amazon schon auf Platz 1 bei den Vorbestellungen, Goldmann startet mit einer Auflage von 500 000 Exemplaren. Ob es auch in Deutschland der große Erfolg wird, ist unklar. Schließlich können deutsche Frauen sich etwas einfacher und offener mit erotischen Geschichten versorgen als Frauen in den prüden USA, wo das Buch auch gerne als «Hausfrauenporno» verspottet wird.

In den USA wird sonst jedes auch nur ansatzweise obszöne Wort im Fernsehen nicht nur mit einem Piepton überblendet. Es werden dann sogar die Lippen gepixelt - taube Menschen könnten ja sonst den Fluch von den Lippen lesen. Jetzt aber wird in Talkshows offen über harten Sex und Fesselspiele diskutiert - bisweilen noch etwas verschämt oder betont sachlich, aber immerhin.

Doch es gibt auch Menschen, die mit dem Buch nichts anfangen können. Auch einer der mächtigsten Männer der Welt ist darunter. Auf die Frage, welcher umstrittene Roman auf den Nachttischen von Millionen Frauen liege, antworte US-Präsident Barack Obama in der Sendung «The View»: «Ich habe keine Ahnung.» Das Publikum lachte und Obama fügte - bewusst oder unbewusst - genau das Richtige hinzu: «Ich werde Michelle fragen, wenn ich zu Hause bin.»

Website von James

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