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Parallelen zu IS-Anschlägen

Festnahme verhinderte Terroranschlag in Berlin

DRESDEN Die Sicherheitsbehörden haben erneut einen Terroranschlag in Deutschland verhindert. Syrische Flüchtlinge halfen dabei, einen Terrorverdächtigen in Leipzig festzunehmen. Erste Ermittlungsergebnisse zeigen Parallelen zu den IS-Anschlägen in Frankreich und Belgien auf. Der geplante Anschlag sollte Berlin treffen.

Festnahme verhinderte Terroranschlag in Berlin

Zwei Tage nach dem brisanten Bombenfund in Chemnitz hat die Polizei den bundesweit gesuchten Terrorverdächtigen Syrer Dschaber al-Bakr in Leipzig festgenommen.

Mit der Festnahme eines Terrorverdächtigen in Leipzig ist offenbar ein größerer Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland verhindert worden. Der 22-jährige Syrer Dschaber al-Bakr habe konkrete Pläne verfolgt und Vorbereitungen getroffen, sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig am Montag in Dresden.

Nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz wollte der Verdächtige wohl einen Flughafen in Berlin attackieren.„Wir hatten Hinweise - nachrichtendienstliche Hinweise -, dass er zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte. Zuletzt konkretisierte sich dies mit Blick auf Flughäfen in Berlin“, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Montag der ARD.  

Vorgehensweise und Verhalten des Verdächtigen sprächen für einen „IS-Kontext“, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes (LKA), Jörg Michaelis. Die sichergestellten 1,5 Kilogramm Sprengstoff sind wohl identisch mit dem, den Terroristen des Islamischen Staats (IS) in Frankreich und Belgien verwendet haben.

Chemnitz Terroralarm in Sachsen: Bei der Durchsuchung einer Wohnung in Chemnitz wegen eines geplanten Bombenanschlags hat die Polizei mehrere Hundert Gramm Sprengstoff gefunden. Ein Verdächtiger, ein 22-jähriger Syrer, war am Samstag auf der Flucht, wie ein Sprecher des Landeskriminalamts berichtete.mehr...

„Die Ermittlungen zeigen, dass solche Taten, wie wir sie in Frankreich und Belgien gesehen haben, auch in Deutschland nicht auszuschließen sind“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Es herrsche eine „unverändert hohe Bedrohungslage durch den internationalen Terrorismus“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss zur Terrorabwehr auch Gesetzesverschärfungen nicht aus. „Wir müssen alles Menschenmögliche tun, notfalls dann auch die Gesetze verändern, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten.“

Wegen der besonderen Bedeutung des Falles übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Al-Bakr wird der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verdächtigt. Nach Verkündung des Haftbefehls durch einen Amtsrichter am Montag in Dresden befindet er sich in Untersuchungshaft.

Drei Syrer überführten den Terrorverdächtigen 

Der 22-Jährige war in der Nacht in Leipzig festgenommen worden. Drei Syrer hatten ihn laut LKA zuvor in einer Wohnung im Nordosten der Stadt überwältigt, gefesselt und der Polizei übergeben. Nach Informationen der Deutschen Presse Agentur hatte Al-Bakr einen der Syrer am Hauptbahnhof Leipzig angesprochen und nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt. 

„Er hat versucht, uns mit Geld zu bestechen“, sagte einer von ihnen dem Sender RTL. „Wir haben ihm gesagt, du kannst uns so viel Geld geben wie du willst, wir lassen dich nicht frei.“ Sein Anruf bei der Polizei sei zunächst aufgrund von Verständigungsproblemen erfolglos geblieben. Daraufhin sei er mit einem Foto von Al-Bakr zu einem Polizeirevier gefahren. „Ich war total wütend auf ihn. So etwas akzeptiere ich nicht - gerade hier in Deutschland, dem Land, das uns die Türen geöffnet hat“, sagte Mohammed A.

Dresden Der nach dem Bombenfund von Chemnitz festgenommene Terrorverdächtige Dschaber al-Bakr hatte nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler Kontakte zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Die Behörden werten seine Festnahme als großen Erfolg - obwohl sie erst im zweiten Anlauf glückte.mehr...

Merkel dankte dem Syrer, dessen Hinweis zur Festnahme geführt habe. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) lobte ihn als „mutigen und verantwortungsbewussten“ Mitbürger.

Die Fahndung nach Al-Bakr hatte die Sicherheitsbehörden nach einem missglückten Zugriff am Samstagmorgen in Chemnitz das ganze Wochenende in Atem gehalten. Nach einem Hinweis der Bundesamtes für Verfassungsschutz sollte ein Spezialeinsatzkommando den Verdächtigen in einer Wohnung im Chemnitzer Stadtteil Kappel festnehmen. Al-Bakr war laut Michaelis seit Mitte September vom Verfassungsschutz beobachtet worden.

Verdächtiger Mann verließ das Haus am Morgen 

Wegen einer möglichen Gefährdung der Anwohner durch Sprengstoff sollte die Festnahme außerhalb des Gebäudes erfolgen, erklärte der LKA-Chef. Als gegen 7.00 Uhr am Morgen ein verdächtiger Mann aus dem Haus kam, hätten Beamte ihn aufgefordert stehenzubleiben. Aber auch ein Warnschuss hielt den Flüchtenden nicht ab, er entkam. Ob es sich bei dem Mann um Al-Bakr handelte, sei noch unklar, so Michaelis. „Das müssen wir jetzt ermitteln: War er überhaupt in dem Haus? War er die Person, die das Haus verlassen hat?“

In der Wohnung fanden die Beamten 1,5 Kilogramm eines hochexplosiven Sprengstoffs. „Die vor Ort befindlichen Spezialisten des Landeskriminalamtes schlussfolgerten, dass es sich hierbei um TATP handeln könnte“, sagte Michaelis. „Diese Art würde dem verwendeten Sprengstoff bei den Attentaten von Paris und Brüssel entsprechen.“ Außerdem seien Metallteile wie Muttern und zwei Zünder entdeckt worden.

Nach Terrorarlarm in Chemnitz

Mieter der Wohnung als Mittäter verdächtigt

Chemnitz/Dresden Zwei der am Samstag bei dem Anti-Terror-Einsatz in Chemnitz festgenommenen Männer sind nach Polizeiangaben wieder frei. Bei dem dritten Syrer besteht nach Angaben der Polizei vom Sonntag der Verdacht einer Mittäterschaft. Nach dem Hauptverdächtigen wird weiter bundesweit gefahndet.mehr...

Der 33 Jahre alte Wohnungsmieter wurde als möglicher Komplize in Untersuchungshaft genommen. Den Angaben zufolge ist Khalil A. wie Al-Bakr als syrischer Flüchtling nach Deutschland gekommen, aber erst Ende November 2015. Im Juli sei er aus Nordrhein-Westfalen nach Sachsen gezogen, sagte Ulbig. Al-Bakr war im Februar 2015 über München nach Chemnitz gelangt, seit März lebte er im nordsächsischen Eilenburg.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erstattet künftig bei jedem gefälschten Pass, den Asylbewerber vorlegen, Anzeige bei der Polizei, teilte die Behörde in Nürnberg mit. Bislang wurden nur die jeweils zuständigen Ausländerbehörden in den Ländern informiert. 

von dpa

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