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«Finstere Gedanken» an Suizid als Alarmzeichen für Depression

Leipzig (dpa/tmn) Dauerhafte Freudlosigkeit, körperliche und seelische Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit: Das sind mögliche Anzeichen einer Depression. Laut einer aktuellen Studie leidet fast jeder zwölfte Erwachsene darunter. Frauen sind besonders betroffen.

«Finstere Gedanken» an Suizid als Alarmzeichen für Depression

Alles ist immer nur grau? Anzeichen für eine Depression können Schlaflosigkeit, mangelnder Appetit und Antriebslosigkeit sein. Foto: Rolf Vennenbernd

«Wer sich über längere Zeit über nichts mehr freuen kann, tagtäglich Schlafstörungen hat, unter Appetitlosigkeit leidet, von schweren Schuldgefühlen geplagt wird, sollte das ärztlich abklären lassen», sagte Prof. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe . Zuständig für Depressionen seien Nervenärzte oder Psychiater. Vor allem «finstere Gedanken», sich etwas anzutun, um der scheinbar ausweglosen Situation ein Ende zu setzen, seien ein Alarmsignal.

Fast jeder zwölfte Erwachsene in Deutschland (8,1 Prozent) leidet unter einer Depression. Das ergibt sich aus einer am Donnerstag (14. Juni) in Berlin vorgestellten Studie des Robert-Koch-Instituts. Für die Studie wurden von 2008 bis 2011 Gesundheitsdaten von 8152 Erwachsenen erfasst. 4,2 Prozent der Befragten gaben außerdem an, dass bei ihnen ein Burnout-Syndrom festgestellt wurde. Frauen sind in beiden Fällen etwas häufiger betroffen als Männer.

«Eine schwere Depression ist mehr als eine nachvollziehbare Reaktion auf schwierige Lebensumstände, auf Stress in Beruf oder Privatleben», betonte Hegerl. Die Depression gelte als eigenständige psychische Erkrankung und werde aufgrund einer ganzen Reihe von Krankheitszeichen diagnostiziert, die mindestens 14 Tage anhalten und von denen mindestens vier vorhanden sind.

Dazu zählt eine gedrückte Stimmung, das Gefühl, bei allem mit einem zähen Widerstand zu kämpfen zu haben, und der Verlust der Fähigkeit, sich freuen zu können. «Fast alle haben Schlafstörungen, die meisten haben Appetitstörungen. Das heißt, sie essen vielleicht noch, aber ohne Freude und ohne dass es schmeckt, viele nehmen mehrere Kilogramm ab», erläutert der Mediziner von der Universität Leipzig. Darüber hinaus neigten Depressive zu Schuldgefühlen, weil sie sich sagen, sie seien eine Belastung für die Familie oder für die Kollegen.

Auch Hoffnungslosigkeit sei bei Menschen mit einer Depression immer vorhanden. «Sie haben das Gefühl, es ist ein Zustand, 'da komm' ich nicht mehr raus', obwohl sie vielleicht früher schon mal eine Depression hatten, die vollständig abgeklungen ist», sagte Hegerl. «Alle Menschen mit Depression sind tief erschöpft, der Antrieb ist gestört», ergänzte er. «Wenn man im Beruf ist, dann meint man, das liege an Überforderung, aber häufig ist das gar nicht der wirkliche Grund. Wenn die Depression weg ist, macht die gleiche Arbeit wieder Freude.» Daher sei die Zuordnung von Erschöpfungszuständen zu «Burnout» oft sehr fraglich. Möglicherweise habe es sich um eine depressive Phase und nicht um eine zunehmende Überforderung gehandelt.

Stiftung Deutsche Depressionshilfe

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