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Fleißig wie die Bienen

WITTEN Wer arbeitet eigentlich am Freitag vor den Feiertagen noch im Rathaus? Unsere Reporterin Lisa Timm machte sich auf den Weg und guckte, wie viele städtische Mitarbeiter noch nicht die Weihnachtsflucht angetreten hatten.

von Von Lisa Timm

, 21.12.2007

Gesagt, getan. Ich schnappe mir Fotoapparat, Block, Kuli und ziehe los. Mein Weg führt als erstes ins Presseamt. Dort hält Jochen Kompernaß die Stellung. Soeben versendet er letzte Pressemeldungen vor dem Fest. Die Gleichstellungsbeauftragte Maria Grote sitzt nur wenige Meter vom Presseamt entfernt und bittet mich in ihr Büro. „Ich kann keinen Urlaub antreten, weil ich noch ganz viel Arbeit zu erledigen habe“, sagt sie, während im Nachbarbüro ebenfalls Stimmen zu hören sind. „Wir stecken mitten in den Vorbereitungen für den Frauenmärz 2008“, verrät die Gleichstellungsbeauftragte und zeigt auf ein Themenpapier. „Ich weiß, es sieht hier noch wild aus, aber ich gehe nicht eher, als bis die letzte Mail versendet ist.“ Ich habe den Wink verstanden und gehe weiter.

Ganz viel Arbeit

Mal sehen, ob die Spitzen der Stadt auch noch zur arbeitenden Bevölkerung gehören. Ich klopfe beim Kämmerer. „Der müsste ihnen gerade begegnet sein, sagt Vorzimmerdame Barbara Hubig, während im Zimmer nebenan der 1. Beigeordnete Frank Schweppe telefoniert. Ich staune. Selbst die „hohen Herren“ gönnen sich keinen gestreckten Weihnachtsurlaub. Barbara Hubig selbst gesteht: „Ich bin immer zwischen den Jahren hier. Es gibt stets was zu tun.“ Schon seit 1961 arbeite sie in der Wittener Stadtverwaltung, seit 1974 an ihrem jetzigen Arbeitsplatz, erzählt sie. Vier Kämmerer hat sie kommen und gehen sehen.

Jetzt will ich wissen, wie´s um die Amtsleiter bestellt ist. Ich klopfe bei Klaus König vom Sozialamt. Auch er sitzt hochkonzentriert vor seinem Bildschirm und raucht Pfeife. „Das dürfen sie im nächsten Jahr aber nicht mehr“, sage ich. Die Bürgermeisterin hat ab 2008 Rauchverbot für das Rathaus erteilt. „Grund genug für mich, das Rauchen aufzugeben“, schmunzelt der Amtsleiter.

Verschlossene Zimmer

Ich verabschiede mich und ziehe weiter Richtung Bauordnungsamt. Auf dem Weg dorthin lese ich an einer Tür, dass die Vollziehungsbeamten umgezogen sind in Zimmer 326 bis 328. „Wer will das denn wohl wissen?“, frage ich mich scherzhaft. Ah, endlich! Das erste verschlossene Zimmer – im Bauordnungsamt. Und gleich daneben noch eins. Es gibt sie also auch hier im Rathaus, die Spezies, die sich mit wenig Urlaubstagen eine lange Arbeitspause zurecht basteln.

Normalbetrieb

Immer wieder begegnen mir auf den Fluren städtische Mitarbeiter, ich höre Türen schließen, Telefone klingeln, weiter hinten im Treppenhaus höre ich Stimmen. Es hat den Anschein, als ob im Rathaus Normalbetrieb herrscht. Besonders eifrig ist man in der Buchhaltung beschäftigt. Dort bereitet man gerade den Jahresabschluss für das Haushaltsjahr 2007 vor. „Wir können gar nicht in den Urlaub“, sagt Uwe Post, „bis zum 31.12. muss unsere Arbeit erledigt sein.“ Außerdem werde die Buchhaltung umgestellt. Am Schreibtisch nebenan unterhalten sich zwei Mitarbeiter, eine Kollegin kommt mit einer Frage zu Uwe Post, ein ganz normaler Arbeitstag, so scheint´s. Eigentlich hatte ich mit einem ganz anderen Ergebnis meines Rundgangs gerechnet. „Da sehn‘ Sie mal, was hier für eine Arbeitsmoral herrscht“, gibt mir Jochen Kompernaß mit auf den Weg. „Fleißig wie die Bienen.“