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Flohmarkt des Großkapitals: Die Art Cologne lässt bitten

Köln. Auf der Art Cologne können Wohlhabende ihr Geld loswerden. Die Anderen sollen die Kunst bestaunen, aber nicht über Preise reden. So läuft das in Köln. Kleines Problem: Stromabwärts formiert sich Konkurrenz.

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„Silence“ von John Armleder. Foto: Oliver Berg

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Piero Golia , The Dog and the Drop, 2013. Foto: Oliver Berg

Lebensgroß und sehr realistisch steht der schwarze Putzmann mit offenem Hemd und Shorts im Stand von Gagosian auf der Art Cologne.

Ständig kommen sehr gut gekleidete, meist ältere Damen und Herren vorbei, kichern, fragen: „Der ist nicht echt, oder?“, und fotografieren sich dann gegenseitig mit dem reglosen Unterschichtvertreter.

Der „Window Washer“ (Fensterputzer) ist ein Werk des amerikanischen Bildhauers Duane Hanson (1925-1996). Hanson war ein hochpolitischer Künstler, der sein Leben lang soziale Missstände in den USA anprangerte. Es hat etwas Paradoxes, wenn sein Werk jetzt von einem der mächtigsten Kunsthändler der Welt für sehr viel Geld auf den Markt gebracht wird und potenziellen Käufern als Selfie-Objekt dient.

Solche Widersprüchlichkeiten muss man aushalten können auf Deutschlands größter Kunstmesse, einem Flohmarkt des Großkapitals. Ganz besonders bei der Vorbesichtigung an diesem Mittwoch, zu der bevorzugt zahlungskräftiges Publikum zugelassen wird. „Kommt weiter“, kommandiert die Anführerin einer Frauengruppe mit Leopardenfellschuhen und Arthrose-Manschette an der Hand. Wo man auch geht und steht, hört man Gesprächsfetzen wie: „Die Strände da sind ganz, ganz sauber - und sooo einsam!“

„Wir wollen, dass die Menschen ihr Geld für Kunst und nur für Kunst ausgeben“, sagt Kristian Jarmuschek, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Galerien und Kunsthändler. Er ist einer der wenigen, die öffentlich aussprechen, worum es hier eigentlich geht.

Andere reagieren irritiert. Jona Lueddeckens von Gagosian sagt zwar den Kaufinteressenten, wie viele x-tausend Euro die ausgestellten Objekte jeweils kosten, aber diese Infos sind nicht für jedermann gedacht. „Das ist eine tolle Installation hier“, sagt er: Darüber bitte solle man schreiben - nicht über Preise.

„Amazing! Oh my god!“ Daniel Hug, der amerikanische Art-Cologne-Direktor, läuft über die Messe. Er muss sich anstrengen, denn die Konkurrenz schläft nicht. Seit vergangenem Jahr hat Düsseldorf, Kölns ewiger Nebenbuhler, auch eine Kunstmesse, die Art Düsseldorf heißt. Stromabwärts ist die Superreichen-Dichte deutlich höher als im schmuddeligen Köln, also ist da Musik drin. Und selbst wenn die Art Düsseldorf auf Jahre hinaus Verlust machen sollte - dahinter steht die Schweizer Messegesellschaft, die die wichtigste Kunstmesse Art Basel ausrichtet.

Vorsichtshalber haben die Kölner ihre Messehallen dieses Jahr schon mal aufgepeppt. Es gibt jetzt eine große Plaza, 100 Meter lang und 40 Meter breit. Dort ist alles schwarz gehalten. „Sexy“, findet Hug.

Vielleicht nicht ganz so sexy ist, dass es jetzt auch mehr Sitzgelegenheiten gibt. Denn viele Besucher der Art Cologne sind schon etwas gebrechlich. Wo sind die Jungen? Klar, die Jungen müssen einerseits erstmal Geld machen. Andererseits gibt es in der Branche die Befürchtung, dass die Internet-Generation zwar täglich zahllose Bilder wahrnimmt, in Filmen, auf Websites, in sozialen Netzwerken - aber immer nur für Sekunden.

Nun gut, man muss sich wohl nicht wirklich Sorgen machen um die hier versammelten 210 Galeristen aus 33 Ländern, auch wenn das laute Klagen über angeblich zu hohe Besteuerung und strenge Vorschriften zum Handwerk gehört. Kunst ist eine Anlageform wie Immobilien oder Aktien, man kauft sie nicht unbedingt, um sie sich anzuschauen.

Achtung: Hier gehts zum VIP-Club - „Members only“. Ein Mann mit goldenen Knöpfen am Sakko ruft ins Telefon: „Ich bin noch in Köln, aber ich fliege noch heute, buchen Sie bis Freitag!“ Ob er sich den „Window Washer“ mitnimmt?

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