Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Foltermord von Siegburg: BGH prüft härtere Strafe

Karlsruhe (dpa) Im Prozess um den brutalen Foltermord in der Haftanstalt Siegburg will die Bundesanwaltschaft die Weichen für eine spätere Sicherungsverwahrung des Hauptangeklagten stellen.

Foltermord von Siegburg: BGH prüft härtere Strafe

Die Justizvollzugsanstalt Siegburg (Archivfoto): Hier wurde ein Häftling bestialisch zu Tode gequält.

Im Revisionsprozess vor dem Bundesgerichtshof (BGH) beantragte Bundesanwalt Hartwig Duensing am Mittwoch in Karlsruhe, das auf 15 Jahre Haft lautende Urteil des Landgerichts Bonn vom Dezember 2007 teilweise aufzuheben.

Das Landgericht habe die Anordnung einer Sicherungsverwahrung unter Vorbehalt nicht ausreichend geprüft und müsse dies nachholen, so Duensing. Angesichts der «mit menschlichen Maßstäben eigentlich unfassbaren Tat» wäre das naheliegend gewesen, sagte Duensing. Der BGH will im Laufe dieses Mittwoch ein Urteil verkünden.

Das Landgericht Bonn hatte den Angeklagten Pascal I. wegen Mordes sowie Körperverletzung und Vergewaltigung in mehreren Fällen zu 15 Jahren Haft verurteilt. Zusammen mit zwei Zellengenossen hatte der damals 19-Jährige dem Urteil zufolge im November 2006 einen Mithäftling fast elf Stunden lang grausam gequält und ihn dann umgebracht. Die Tat hatte großes Aufsehen erregt.

Obwohl auf Mord lebenslang steht und der Angeklagte nicht nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde, milderte das Landgericht die Strafe - eine Möglichkeit, die für «Heranwachsende» zwischen 18 und 21 Jahren vorgesehen ist. Das Gericht sah damals noch einen kleinen «Hoffnungsschimmer» auf eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft, unter anderem deshalb, weil Pascal I. nach der Tat die Teilnahme an einem Anti-Aggressionstraining beantragt hatte.

Der Verzicht auf die lebenslange Haftstrafe ist aus Sicht der Bundesanwaltschaft nicht zu beanstanden - wohl aber die mangelnde Prüfung einer Sicherungsverwahrung. Bei Heranwachsenden kann eine solche Dauerhaft, die über das Strafende hinausreicht, im Urteil nur vorbehalten und erst vor dem Entlassungstermin angeordnet werden, falls der Täter noch als gefährlich eingestuft wird.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

NRW will stärkere Verfolgung

Darknet: Nur ein Tummelplatz für Kriminelle?

DÜSSELDORF NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) fordert schärfere Strafen für den Handel mit verbotenen Waren im sogenannten Darknet. Doch was ist dieses "dunkle Internet" überhaupt? Wie kommt man dort rein und ist die Nutzung wirklich illegal? Wir klären die wichtigsten Fragen.mehr...

Politik

Maas will heimliche Nacktaufnahmen verbieten

Berlin (dpa) Im Kampf gegen Kinderpornografie sieht der Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas (SPD) ein generelles Verbot unbefugt aufgenommener Nacktbilder vor - nicht nur von Kindern, sondern auch Erwachsenen.mehr...

Politik

Kinderpornografie: Kritik an geplanter Gesetzesverschärfung

Berlin/Hamburg (dpa) Im Kampf gegen Kinderpornografie plant die Bundesregierung das Strafrecht ausweiten - Psychiater, Kriminologen und Strafrechtler halten das aber für falsch.mehr...