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Foodwatch-Test: Defizite bei Online-Lebensmittel-Händlern

Berlin. Online-Lieferdienste für frische Lebensmittel stecken noch in den Kinderschuhen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch sieht aber schon Handlungsbedarf. Vor allem die geltenden Kennzeichnungsvorgaben handhaben die führenden Anbieter ziemlich lax, so die Kritik.

Foodwatch-Test: Defizite bei Online-Lebensmittel-Händlern

Lebensmittelbestellung im Internet: Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat viele Anbieter untersucht. Foto: Oliver Berg

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat bei Online-Lebensmittelhändlern Defizite bei Produktkennzeichnungen und beim Datenschutz angemahnt.

In vielen Fällen verstießen die Händler gegen die Informations- und Kennzeichnungsvorgaben, teilte Foodwatch mit. Auch beim Umgang mit Nutzerdaten habe es teils deutliche Defizite gegeben. Die Verbraucherschützer hatten in einem Vergleichstest insgesamt fünf Online-Händler unter die Lupe genommen.

„Egal ob im Online-Shop oder im Supermarkt um die Ecke: Verbraucherinnen und Verbraucher müssen alle vorgeschriebenen Produktinformationen schnell und einfach finden können“, sagte Martin Rücker, Geschäftsführer von Foodwatch Deutschland. Vier von fünf Anbieter geben allerdings keine eindeutigen Herkunftsnachweise für die verschickten Produkte an, wie Foodwatch-Expertin Luise Molling kritisierte. So sei bei Rewe nicht klar erkennbar gewesen, ob eine Paprika aus Deutschland, Spanien oder Israel kam. „Und Amazon Fresh gibt für seine Weintrauben insgesamt 13 Herkunftsländer an.“

Foodwatch untersuchte mit Testkäufen im November den Rewe-Lieferdienst, Amazon Fresh, Allyouneedfresh, Mytime sowie den Edeka-Anbieter Bringmeister mit einem Warenkorb von 21 Produkten, bei denen vor allem gekühlte Lebensmittel, Obst und Gemüse im Fokus standen. Dabei schnitten die Händler überwiegend gut ab, abgesehen von einigen Ausreißern seien Obst und Gemüse in einem guten Zustand gewesen. Die Preise ließen sich jedoch kaum vergleichen, da es viele verschiedene Optionen und Grundvoraussetzungen gebe. „Das ist ähnlich komplex wie beim Vergleichen von Strom- und Telefontarifen“, sagte Rücker.

Den Datenschutz monierte die Organisation bei allen Anbietern. So gebe es in den Datenschutzerklärungen bei allen Lieferdiensten Mängel. Zudem würden sämtliche Online-Shops die Geburtsdaten der Kunden erheben, obwohl das für den Kauf nicht nötig sei, sagte Molling. Zusammen mit den teils massiv eingesetzten Trackern bezahlten die Kunden so auch mit ihren Daten, die gerade bei Ernährungsgewohnheiten gute Rückschlüsse auf die Person zuließen.

„Der Online-Lebensmittelhandel befindet sich noch in den Kinderschuhen“, sagte Rücker. Neben den großen Vollsortimentern gebe es einen „Wildwuchs“ an vielen kleinen Nischen-Anbietern. Foodwatch fordert deshalb eine bessere Kontrolle. Dafür müsse die Zuständigkeit für die Überwachung von Ländern und kommunalen Behörden auf den Bund übertragen werden, sagte Rücker: „Im Onlinehandel besteht ein echtes Kontrolldefizit, weil die Lebensmittelüberwachung nicht zeitgemäß aufgestellt ist.“

Einer repräsentativen Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft BVDW zufolge hat ein Drittel der Menschen in Deutschland (33 Prozent) schon einmal online Lebensmittel gekauft. 32 Prozent haben dies demnach noch nicht getan, könnten es sich aber vorstellen. Als größte Vorteile wurden die zeitliche Unabhängigkeit beim Einkauf genannt sowie die Tatsache, die Einkäufe nicht nach Hause tragen zu müssen.

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