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Diese Biere sind betroffen

Forscher finden Pflanzengift Glyphosat im Bier

MÜNCHEN In den 14 beliebtesten deutschen Bieren haben Forscher das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat gefunden - die Werte lagen teilweise weit über dem Grenzwert für Trinkwasser. Das Pflanzengift steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Das ist jedoch umstritten, Industrie-Verbände haben die Studie nicht nur deshalb scharf kritisiert. Auch in der Politik entbrannte eine Debatte um die Zulassung des Pestizids.

Forscher finden Pflanzengift Glyphosat im Bier

Je nach Geschmack, Anlass und den dazu servierten Speisen kann man zwischen etlichen Biersorten wählen.

Mehrere deutsche Biere sind einer Untersuchung des Münchner Umweltinstituts zufolge mit dem Pestizid Glyphosat belastet. Beim Test von 14 der beliebtesten Biermarken Deutschlands wurden Spuren des Unkrautvernichters gefunden. Die Werte lagen zwischen 0,46 und 29,74 Mikrogramm pro Liter und damit im extremsten Fall fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm.

Berlin Stillen gilt als besonders gesund fürs Kind. Nun finden sich in der Muttermilch deutscher Frauen Rückstände des Unkrautvernichters Glyphosat. Ob der Wirkstoff die Gesundheit gefährdet, ist umstritten. Aber eine WHO-Agentur hält ihn für «wahrscheinlich krebserregend».mehr...

Einen Grenzwert für Bier gibt es allerdings nicht. Das Pflanzengift steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Experten diskutieren seit Jahren, ob das seit 1974 zugelassene Glyphosat möglicherweise krebserregend ist oder nicht. In wenigen Tagen soll auf europäischer Ebene über eine erneute Zulassung des Herbizids entschieden werden. Die EU-Kommission plädiert für eine Verlängerung bis 2031.

Die Unionsfraktion befürwortet eine Verlängerung der Zulassung. Keine deutsche Bewertungsbehörde habe sich für ein Verbot von Glyphosat ausgesprochen, erklärten die Fachpolitiker Katharina Landgraf und Hermann Färber. Für seine Anwendungsgebiete sei es der am besten untersuchte Wirkstoff mit den geringsten Nebenwirkungen.

Auch die SPD machte Glyphosat am Donnerstag zum Politikum: Sie forderte ein Verbot von Glyphosat für private Gärten, Spielplätze und öffentliche Grünflächen. Um den Glyphosat-Einsatz in der Landwirtschaft zu reduzieren, solle die Forschung für Alternativen verstärkt worden.

Ein Antrag der Grünen für einen Stopp der anstehenden Entscheidung über eine längere EU-Zulassung für Glyphosat wurde am Donnerstag im Bundestag abgelehnt. Grünen-Experte Harald Ebner sagte, damit sei eine einmalige Chance leider nicht genutzt worden. Die Grünen-Politikerin Renate Künast nannte die Nachricht von Glyphosat im Bier „eine Katastrophe“ für die Verbraucher und für den Lebensmittelbereich. „Jetzt müssen die Bierbrauer handeln und sich für glyphosatfreie Rohstoffe stark machen.“

Brauer-Bund kritisiert die Studie

Das Umweltinstitut München ist ein Verein, der sich unter anderem für ökologischen Landbau einsetzt. Der Deutsche Brauer-Bund bezeichnete seine Studie als unglaubwürdig. Die Brauereien in Deutschland betrieben einen hohen Aufwand, um die Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe, die sie nach dem Reinheitsgebot verwenden, auf mögliche Schadstoffe zu kontrollieren. Den Kontrollen zufolge sei das eingesetzte Malz „ganz überwiegend frei“ von Glyphosat-Rückständen. Sofern es welche gebe, lägen sie um mehr als den Faktor 100 unterhalb der zulässigen Höchstgrenze von Gerste. Dazu gebe es staatliche Kontrollen. „Wie das Umweltinstitut in seiner Veröffentlichung selbst feststellt, finden sich Spuren von Glyphosat "inzwischen fast überall"“, schreibt der Brauer-Bund.

Marike Kolossa, Leiterin des Fachgebiets gesundheitsbezogene Umweltbeobachtung im Umweltbundesamt, sagte dazu, da nach wie vor zwischen Experten nicht abschließend geklärt sei, ob Glyphosat Krebs beim Menschen erregen könne, sei eine Belastung des Menschen „nicht wünschenswert“. Die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO hatte den den Wirkstoff als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft.

Bundesinstitut: Rückstände sind erwartbar

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hingegen sieht keine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher. Glyphosatrückstände in Bier seien aus wissenschaftlicher Sicht plausibel und grundsätzlich erwartbar, da Glyphosat ein zugelassener Pflanzenschutzmittelwirkstoff sei. Selbst die höchsten Werte von rund 30 Mikrogramm pro Liter seien jedoch sehr niedrig, so das BfR auf Anfrage. „Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken.“

In diesen Mengen genossen wäre schon der Hauptbestandteil des Bieres, Wasser, mit Sicherheit tödlich, schreibt der Industrieverband Agrar (IVA). Er kritisiert das Umweltinstitut München in einer Pressemitteilung scharf. "So wie dem Verbraucher der maßvolle Umgang mit Bier und Wein zu empfehlen ist, wäre auch zu wünschen, dass sich das Umweltinstitut in seiner Panikmache mäßigt", wird IVA-Hauptgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler zitiert.

Glyphosat auch im Urin von Studenten gestiegen

Das Umweltinstitut hatte zunächst mit der sogenannten Elisa-Methode messen lassen, die zwar bei niedrigen Werten anspricht, aber nicht unumstritten ist. Die drei Biere mit Werten ab 20 Mikrogramm pro Liter waren mit der weniger sensiblen LC-MS/MS-Methode gegengecheckt worden, die Werte bestätigten sich. Mit der Elisa-Methode gemessene und dann mit der LC-MS/MS-Methode bestätigte höhere Werte können als nachgewiesen gewertet werden, sagte Kolossa. Sie berichtete auch, dass bei Studien mit Studenten in den vergangenen 15 Jahren die Belastung mit Glyphosat im Urin gestiegen ist.

So viel Glyphosat hat das Umweltinstitut München in den getesteten Bieren gemessen:

  • Hasseröder Pils (29,74 Mikrogramm pro Liter)
  • Jever Pilsner (23,04 μg/l)
  • Warsteiner Pils (20,73 μg/l)
  • Radeberger Pilsner (12,01 μg/l)
  • Veltins Pils (5,78 μg/l)
  • Oettinger Pils (3,86 μg/l)
  • König Pilsener (3,35 μg/l)
  • Krombacher Pils (2,99 μg/l)
  • Erdinger Weißbier (2,92 μg/l)
  • Paulaner Hefe-Weißbier (0,66 μg/l)
  • Bitburger Pils (0,55 μg/l)
  • Beck's Pils (0,50 μg/l)
  • Franziskaner Weißbier (0,49 μg/l)
  • Augustiner Lagerbier Hell (0,46 μg/l)

Glyphosat:

dpa/kar

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