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Studien-Autor meldet sich zu Wort

Fracking-Risiken durch Umweltamt umgedeutet?

Berlin/Münsterland Eine Studie im Auftrag des Bundesumweltamtes sollte Klarheit bringen: Ist Fracking gefährlich für die Umwelt oder nicht? Das Ergebnis: Fracking ist riskant und sollte deshalb in Deutschland weitgehend verboten werden. Doch jetzt meldet sich der Studien-Autor zu Wort und sagt: Das Ergebnis der Studie "würde ich nicht so auslegen".

Fracking-Risiken durch Umweltamt umgedeutet?

Ein Plakat mit der «Stop Fracking» steht in Brünen (Nordrhein-Westfalen) am Niederrhein in einem Feld.

Der wissenschaftliche Leiter der Studie, Uwe Dannwolf, zeigte sich erstaunt darüber, dass das Bundesumweltamt (UBA) die Gasfördermethode als riskant und gefährlich einstuft. "Fracking ist und bleibt eine Risikotechnologie", hatte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger bei der Vorstellung Ende Juli erklärt. Ihre Schlussfolgerungen flossen in die Erarbeitung eines Fracking-Gesetzes ein, das die Technologie in Deutschland zunächst weitgehend verbieten soll.

Dannwolf sagte dazu in einem am Donnerstagabend ausgestrahlten Beitrag des ARD-Magazins "Panorama": "In unserem Gutachten stehen solche Worte nicht drin." Was Krautzberger mache, könne er ihr nicht vorschreiben. "Ich würde es so nicht auslegen." Die Risiken beim Fracking hält Dannwolf für beherrschbar, sie gingen nicht über andere Technologien hinaus.

Berlin Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat der Förderung von Schiefergas aus tiefen Gesteinsschichten in Deutschland eine Absage erteilt. "Anders als die USA ist unser Land kleinräumig strukturiert und dicht besiedelt. Schon deswegen halte ich eine umweltverträgliche kommerzielle Anwendung der Fracking-Technologie bei uns für Wunschdenken", sagte die SPD-Politikerin im Interview.mehr...

Hat das Umweltbundesamt die Studie also umgedeutet, um sich die eigenen Ziele nicht kaputt zu machen? UBA-Präsidentin Krautzberger hält Fracking in Deutschland nämlich für nicht notwendig, wie sie bei der Vorstellung der Studie Ende Juli bekannte: "Wir sorgen uns sogar darum, dass die erforderlichen Investitionen für die Weiterentwicklung der erneuerbaren Energien durch Fracking blockiert werden. Wir würden sehr dazu raten, alle Anstrengungen auf die Weiterentwicklung der regenerativen, der erneuerbaren Energien in Deutschland zu setzen und Themen wie die Gebäudeeffizienz in den Vordergrund zu stellen."

Und so ist es dann auch in die Erarbeitung der gesetzlichen Leitplanken eingegangen: In Eckpunkten von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD) heißt es: "Fracking-Vorhaben zur Gasförderung aus Schiefer- und Kohleflözgestein oberhalb von 3000 Metern werden durch das Wasserhaushaltsgesetz verboten." Die besonders in den USA angewandte Technologie solle nur erprobt werden, wenn die Frackflüssigkeit nicht das Grundwasser gefährde. In Kürze soll ein Entwurf unter anderem für eine Reform des Wasserhaushaltsgesetzes vorliegen. Dannwolf widersprach im "Panorama"-Interview der Auffassung, aufsteigende Frackingsflüssigkeit könne sich unkontrolliert im Boden ausbreiten und sei dadurch eine Gefahr für Trinkwasserschichten. Er hält die schon jetzt geltende Vorschrift von mindestens 1000 Metern Abstand zwischen Fracking und dem Trinkwasser für ausreichend.

Das Umweltbundesamt war am Donnerstagabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch gegenüber "Panorama" lehnte Krautzberger eine Reaktion ab. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks wollte den Vorfall im Interview mit dem TV-Magazin ebenfalls nicht kommentieren. Stattdessen sprach sie sich erneut gegen die Technologie aus: "Ich sehe nicht, dass Schiefergas auf absehbare Zeit eine Zukunft in Deutschland hat, eine wirtschaftliche Zukunft ganz gewiss nicht. Wissenschaftlich kann hier oder da erforscht werden, aber wir werden in wenigen Jahren sehen, ob es unter diesen strengen Voraussetzungen, wie wir sie in Deutschland erlassen werden, überhaupt noch ein wirtschaftliches Interesse daran gibt, das dann wirklich zu versuchen. Ich gehe nicht davon aus." 

Dabei wird die Ansicht, dass die Fracking-Risiken beherrschbar seien, auch von einem neuen Experten-Bericht gestützt. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, finanziert von Bund, Ländern und Unternehmen, kommt in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass die Technologie in die weitere Erforschung und Anwendung gehen könne, wenn sachgerecht gearbeitet werde. Vor jedem Frackvorgang müsse jedoch eine Voruntersuchung stattfinden. Mehrere führende Geowissenschaftler fordern in dem Bericht eine sachliche Debatte über die umstrittene Technologie unter Berücksichtigung der Vor- und Nachteile.

NRW Die Debatte um Fracking gewinnt weiter an Fahrt: Der Öl- und Gaskonzern ExxonMobil hat angekündigt, beim umstrittenen Fracking auf den Einsatz von giftigen Chemikalien verzichten zu können und plädiert jetzt für ein Pilotprojekt. Die Gegner der Gasbohrungen laufen dennoch weiter Sturm. Sie fordern ein Fracking-Verbot - und kritisieren die Umweltministerin.mehr...

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