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Frankreichs Schlösser sind schön, aber teuer

Paris (dpa) Das «Institut de France» wacht nicht nur über Wissenschaft und Kunst, sondern über einen Immobilienschatz aus Schlössern und historischen Monumenten, der es bald von einer der reichsten zu einer der ärmsten Institutionen machen könnte.

Denn die horrenden Renovierungskosten steigen der «Alten Dame», wie die Franzosen die Pariser Einrichtung nennen, über den Kopf. Jetzt sucht das Institut auf der Uferstraße Quai de Conti mitten in der Seine- Stadt händeringend um Mäzene, denn an den Schlössern von Chantilly, Castries, Langeais oder Abbadia geht die Zeit nicht spurlos vorbei.

Die meisten der kostbaren Immobilien, darunter auch das Museum Claude Monet in Giverny, das Museum Jacquemart-André in Paris oder die Villa Kérylos an der Côte d'Azur, gingen Ende des 19. Jahrhunderts in den Besitz des «Institut de France» über, weil viele der Spender und Gönner ihre Schätze bei dem obersten Wissenschaftsorgan in sicheren Händen wussten. So wie der Herzog von Aumale, der vierte Sohn des späteren Bürgerkönigs Louis-Philippe. Er beschloss 1884, sein 50 Kilometer nördlich von Paris gelegenes Schloss Chantilly und seine berühmte Gemäldesammlung der ehrwürdigen Einrichtung zu schenken, weil sie auch «bei politischen Gezeitenwechseln ihre Unabhängigkeit bewahre.»

Heute gehört das Schloss von Chantilly zu den bekanntesten Schlössern Frankreichs und die Gemäldesammlung in seinem berühmten Museum Condé zu den größten private Gemäldesammlungen des Landes. Zum Schloss gehört zudem das berühmte Gestüt von Chantilly.

«Damals wollten die Spender ihre Besitztümer unter den Schutz einer renommierten Institution stellen, um den Bestand ihrer geliebten Gebäude zu garantieren», sagte Gabriel de Broglie, der Präsident des «Institut de France». Eine Entscheidung, die im 19. Jahrhundert vernünftig gewesen sei, im 21. Jahrhundert jedoch schwer auf den Schultern der «Alten Dame» laste, wie Broglie weiter meinte. Denn Besitzer solcher Prachtschlösser und -villen zu sein, bedeutet die Pflege riesiger Gartenanlagen, das Restaurieren kostbarer Empire-Möbel und das Reparieren von Dächern, die Tausende von Quadratmetern groß sind.

Natürlich verfügt das Institut über Einnahmen aus den Eintrittskassen der Schlösser und Museen. Doch das reicht nicht aus, um die zahlreichen Risse in den Fassaden und die Löcher in den Dächern zu reparieren, für die 2008 rund 4 Millionen Euro nötig sind.

Dem Renaissance- und Barockschloss Chantilly kam Karim Aga Khan zu Hilfe. Das Oberhaupt der Ismailiten, eine religiöse Richtung innerhalb des Islams, ist Besitzer von Bankhäusern, Zeitungsverlagen, Edelsteinbergwerken, Fluggesellschaften und Hotels. Er gründete 2005 eine Stiftung, die bis 2025 mehrere Renovierungsprojekte umsetzen will, darunter auch die Restaurierung der herrlichen Gemäldegalerie.

Das 1795 gegründete Organ vereint fünf Akademien, darunter die berühmte, 1634 von Kardinal Richelieu gegründete Académie Française, deren vierzig Mitglieder, auch die «Die Unsterblichen» genannt, mit Adleraugen über Molières Sprache wachen. Nun hofft das Institut, mit Hilfe privater Mäzene auch weiterhin einen beachtlichen Teil französischer Monumente und Schlösser vor den hartnäckigen Spuren der Zeit schützen zu können.

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